Beiträge von J. K.

    Ich bin ganz ehrlich: Ich halte die Schrift nicht für gut. Es gibt von jedem Buchstaben anscheinend nur eine Form, die für alle Verbindungen herhalten muß, was natürlich zum Teil grauenhaft aussieht, und die Buchstabenabstände sind sehr unregelmäßig.


    Üblich sind heute OpenType-Schreibschriften, da ist sowas einfach nicht mehr zeitgemäß. (Leider sind allerdings alle mir bekannten digitalen Sütterlinschriften derart beschränkt.)

    Ist das Ergebnis mit XeLaTeX und Delbancos Truetype-Schriften genauso gut wie mit Delbancos Postscript-Typ-1-Schriften (mit Gährkens Anpassungen)?


    Mit XeLaTeX lassen sich vernünftig nur normal belegte OpenType-Schriften verwenden. Delbancos Schriften haben eine Sonderbelegung, sodaß man beispielsweise c eingeben muß, um ein ch zu erhalten.


    Und werden da genauso automatisch Schluß-s und Ligaturen eingefügt?


    Das lange s muß selbst eingegeben werden, Verbünde müssen ggf. durch Einfügen des Bindehemmers aufgehoben werden. Bei Herrn Gährkens Anpassungen werden, wenn ich mich richtig erinnere, langes s und Verbünde aber auch nicht automatisch richtig eingesetzt, es wird lediglich in der Wortmitte immer ein langes s gesetzt, auch wenn es an der Stelle falsch ist.


    Gar nicht so schlecht, aber leider ist das ſt auch gesperrt, obwohl es zu Zeiten, da man den Fraktursatz noch pflegte, nicht gesperrt wurde.


    Das st wurde nicht einheitlich gehandhabt.


    2. Verstehe ich das richtig, daß man bei XeLaTeX die Befehle
    \usepackage{xltxtra}
    \setmainfont[Mapping=tex-text]{Linux Libertine O}
    hinzufügt und ansonsten den Text genauso und mit denselben Paketen wie bei LaTeX verfaßt?


    Du mußt lediglich folgende beiden Befehle eingeben, um mit XeLaTeX die Schrift Deiner Wahl zu verwenden:


    \usepackage{xltxtra}
    \setmainfont{Schriftname}


    Wie die Benutzung von Schriften genau funktioniert, kannst Du in der Anleitung zum fontspec-Paket lesen (dieses Paket wird automatisch von xltxtra geladen):
    http://mirrors.ctan.org/macros…tex/fontspec/fontspec.pdf


    Da sich einiges geändert hat, funktionieren gewisse ältere Pakete mit XeLaTeX nicht.


    3. Kann man Truetype-Fraktur-Fonts unter LaTeX verwenden?


    Du kannst mit obigen Befehlen jede TrueType-Schrift verwenden, die im Betriebssystem installiert ist.


    XeLaTeX bietet viele Vorteile gegenüber dem Frakturpaket von Herrn Gährken: Du kannst jede beliebige Schrift verwenden, nicht nur Schriften, die für das Frakturpaket bereitgestellt werden, und Du kannst PDF-Dateien erzeugen, die normal wie Antiquatext durchsuch- und kopierbar sind.

    Ich habe mir die Schrift gerade einmal angesehen. Daß da etwas nicht funktioniert, ist kein Wunder: Dr. Zeidler mißbraucht die Ligaturfunktion für seine automatischen Buchstabenersetzungen, und auf der Unicode-Stelle des langen s befindet sich ein rundes s.


    Ich rate davon ab, solche fehlerhaften Schriften zu verwenden, und empfehle stattdessen die OpenType-Schriften von Dipl.-Ing. Helzel. Auf seiner Seite www.fraktur.biz kannst Du drei seiner Schriften kostenlos herunterladen. Diese Schriften halten sich an die gültigen Normen und Spezifikationen, d.h. die automatischen Ersetzungen sind über die Funktion calt (contextual alternates) umgesetzt und können (natürlich unabhängig von den Verbünden) problemlos abgeschaltet werden; außerdem ist die Unicode-Stelle des langen s richtig belegt, wenn Du ein langes s eingibst, erhältst Du also auch eines.


    Meiner Meinung nach sind die Helzel-Schriften auch besser digitalisiert.

    Stell mal versuchsweise die automatische Buchstabenersetzung folgendermaßen ab:

    Code
    \setmainfont[Numbers=OldStyle,Contextuals=NoAlternate]{LFOAlteSchwabacher}


    Du mußt dann natürlich von Hand ſ und s sowie an den richtigen Stellen den Bindehemmer eingeben, damit keine Verbünde gesetzt werden (z.B. in „Brotzeit“). Ich weiß nicht, wie die Schriften von Dr. Zeidler aufgebaut sind, aber es kann gut sein, daß die eingebauten automatischen Ersetzungen problematisch sind.

    Man sieht das (nach unserem Verständnis) falsch benutzte s soweit ich es überblicke nur in Gotisch, nie in Fraktur. Beispiele finden sich viele; oft falsche Gotisch neben richtiger Fraktur, im angehängten Titel des Wappenbuches sogar eine Gotisch mit langem s, eine andere darunter ohne. Möglich, daß in den Schriften das lange s fehlte (weil es keine deutschen Schriften waren?), ich habe daran aber auch so meine Zweifel, denn man sieht auch handgeschriebene Beispiele. Aus irgendwelchen Gründen war die Schreibung ohne langes s in der Gotisch offensichtlich anerkannt.

    Nur daß diese beiden Zeichen TZ und tz in der Maya-Verschriftlichung als Buchstaben behandelt werden, und nicht als Verbünde. Sie werden deshalb auch in Unicode als Buchstaben (letters) eingeordnet. Es sind Buchstaben, die in Anlehnung an den tz-Verbund geschaffen wurden. Sie sind inhaltlich nicht das Gleiche.


    Siehe auch: http://std.dkuug.dk/jtc1/sc2/wg2/docs/n3028.pdf


    Es wäre wohl nicht ganz falsch, das tz auch als Verbund zu benutzen, das gebe ich zu. Aber es gibt durchaus Gründe, es nicht zu tun.

    Soweit ich weiß gehört dieses Zeichen zur Maya-Sprache. Es gibt auch einen entsprechenden Großbuchstaben: U+A728. Die Verwendung als Unicode-Stelle für einen normalen tz-Verbund wäre eine Zweckentfremdung und nicht zu empfehlen. Es ist ähnlich wie mit dem großen griechischen Alpha und dem lateinischen A: Sie sind formal identisch, haben aber eine andere Bedeutung, da sie anderen Schriftsystemen zugeordnet werden, und deshalb auch verschiedene Unicode-Stellen.

    Die bloße Behauptung, Urheberrechte zu besitzen (d. h. auch eine Angabe wie „Copyright XY“), reicht natürlich nicht aus, um diese Rechte tatsächlich zu besitzen. Normale Schriften sind zudem nie urheberrechtlich geschützt! Sie genießen lediglich einen besonderen Schutz nach dem Schriftzeichengesetz für 10 Jahre. Dieser Schutz ist somit bei allen benutzten Schriften bereits abgelaufen. Er kann jedoch auf höchstens 25 Jahre verlängert werden, was für die Poppl-Fraktur bedeuten würde, daß sie 2011 noch geschützt wäre. Anscheinend wurde ihr Schutz aber nicht verlängert: Im Register des Deutschen Patentamtes habe ich keinen Eintrag der eh. Firma Berthold gefunden.


    Urheberrechtlich geschützt sein könnten allerdings die Schriftdateien, wenn sie als Programm bewertet werden. Das ist aber nur der Fall, wenn sie aufwendig von Hand programmiertes Hinting oä. enthalten. Das trifft auf die benutzten Schriften nicht zu.


    Somit genießen die benutzten Schriften wegen ihres Alters keinen Schutz mehr.


    Wenn auch völlig gesetzlich, wäre natürlich trotzdem moralisch verwerflich, die Schriften gegen den Willen ihrer Entwerfer bzw. Digitalisierer zu bearbeiten und weiterzugeben. Ich sehe aber keinen Grund, das anzunehmen.

    Dieter Steffmann schreibt auf seiner Netzseite:

    Zitat

    Aus all diesen Gründen stelle ich meine Schriften jedermann für nichtprofessionelle Zwecke kostenlos ohne irgendwelche Einschränkungen zur Verfügung[…]


    Petra Heidorn schreibt auf Ihrer Seite:

    Zitat

    Share the sweet fruits of my labour with me, they are all free for personal use and non-commercial purposes. Enjoy and have fun!


    Und die Firma Berthold gibt es nicht mehr.


    Wie kommst Du darauf, daß die Rechteinhaber keine Bearbeitung oder Weitergabe erlauben?


    (Es handelt sich dabei allerdings vor allem um eine moralische Frage. Wegen ihres Alters können die Schriften als solche keinen Schutz mehr genießen. Ob digitale Schriftdateien als Programme gelten und deshalb urheberrechtlich geschützt sind, ist fraglich; bei den benutzten Schriften ist es eher nicht der Fall. Siehe z.B. Rechtsschutz von Schriftzeichen in der Wikipädie.)

    Die OpenType-Schriften von Dr. Zeidler enthalten doch auch eine Automatik! Und die Frakturschriften von J. Wust, die man bei Google bekommt, enthalten neben OpenType- auch noch AAT- und Graphite-Erweiterungen, die Probleme bereiten könnten.


    Die Schriften auf dem Bild, die bei mir in Word einwandfrei funktionieren, sind von mir überarbeitete, kostenlos verfügbare Schriften. Die Kleist-Fraktur stammt von Dieter Steffmann, die Neue Fraktur von Petra Heidorn. Ihr könnt sie, in einem Paket zusammen mit der Poppl-Fraktur, kostenlos auf folgender Seite herunterladen:


    www.deutscheschrift.info/ot

    Du bist also normalerweise gegen Ligatur-Charaktere, hast aber vermutlich nichts gegen deren Verwendung in OpenType-Regeln, falls sie aus irgendwelchen Gründen in einer Schriftart vorhanden sein sollten.


    Ich verstehe Deine Frage leider nicht ganz. Ich bin gegen codierte Verbünde, aber wenn sie jemand so in seiner Schrift ablegt, kann ich ihn ja schlecht zwingen, es nicht zu tun. :evil:


    Ich habe jetzt auch einmal die Offenbacher in Word getestet (Fassung 14.0.5128.5000, 32 Bit, deutsch), und bei mir funktioniert sie auch nicht. OT-Schriften ohne Satzautomatik funktonieren jedoch einwandfrei — siehe beigefügte Abbildung. Anscheinend kommt Word mit der Helzel-Automatik nicht zurecht, die selbständig das lange s setzt und Verbünde auflöst.

    Ja, so ist es: das Bet-Tuch schreibt sich ohne Verbund, das Bett-Tuch dagegen mit Verbund. Sonst hast Du anscheinend einiges durcheinandergeworfen: Ob ein Verbund gesetzt wird oder nicht, hat nichts damit zu tun, ob es ein Zwangsverbund ist. Als Zwangsverbünde bezeichnet man üblicherweise die Verbünde, die auch bei Sperrung gesetzt werden. Und statt der Graphemgrenze meinst Du wohl die Morphemgrenze (was allerdings auch nicht richtig ist: entscheidend sind die Fugen zwischen Teilwörtern, Vor- und Nachsilben, nicht zwischen Morphemen).