Beiträge von Teo

    Ich habe keine Erfahrungen mit diesen mathematischen Frakturzeichen. Mir fiel nur die Verbindung zwischen "Cambria Math" und "Mathematical Fraktur" auf.

    Ich habe übrigens sämtliche Unicode-Zeichen und Buchstaben von Cambria durchgesehen und bin nirgendwo auf Frakturzeichen gestoßen.

    Ich habe mich noch einmal mit den Reichstagsprotokollen befaßt. Danach sieht der Ablauf wie folgt aus:


    Der Allgemeine Verein für Altschrift richtete eine Petition an den Reichstag mit der Bitte,

    "1.die allgemeine Zulassung der Altschrift (Antiqua, sogenannten Lateinschrift), vor allem der Handschriftform, im amtlichen Verkehr der Reichs­behörden zu erwirken,

    2. ein gleiches Vorgehen sämtlicher Bundesregierungen herbeizuführen, sowie auch zu veranlassen, daß allgemein der erste Schreibleseunterricht in den Volksschulen mit der leichteren Altschrift beginne, der Unterricht in der schwereren Bruchschrift (Fraktur) dagegen auf die späteren Schuljahre verschoben und möglichst bald auf das Lesenlernen beschränkt werde."


    Die zuständige Kommission beschloß einstimmig, die Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen.


    Danach ging eine zweite Petition ein mit dem an das Plenum des Reichstages gerichteten Antrag, dem Beschluss der Petitions-Kommission nicht beitreten und die Sache an die Kommission zurückverweisen zu wollen. Dieses Gesuch ging von einem "Ausschuß zur Abwehr des Lateinschrift-Zwanges" aus und war von den Professoren Jaensch und Seesselberg unterzeichnet.


    Danach ging noch eine weitere Zuschrift ein, die vom Allgemeinen Deutschen Schriftverein stammte und in der beantragt wurde, "den Anschlag gegen unsere deutsche Schrift ... abzulehnen".


    Die Kommission beantragte im Ergebnis, der Reichstag wolle beschließen, die eingangs genannte Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen und auf die Petition des Ausschusses zur Abwehr des Lateinschriftzwanges "zur Tagesordnung zu übergehen".


    Der sehr ausführliche Bericht ist zu finden in den Protokollen des Reichstages vom 23.02.1911 (Seite 3983 ff).


    Über diesen Antrag verhandelte der Reichstag in seiner Sitzung vom 4. Mai 1911, wie im letzten Beitrag von mir schon erwähnt. Die Wiedergabe des Berichts, der Aussprache und der Abstimmung umfaßt 18 (!) Seiten.


    Darin wird u.a. erwähnt, daß neben der "Gegenpetition" verschiedene weitere Eingaben betreffend den Kommissionsbeschluß vorgelegt worden seien, so vom "Jungdeutschen Bund Hamburg", mit dem die Beibehaltung der deutschen Schrift verlangt wird und die von mehr als 400 Personen unterzeichnet worden ist.


    Der Abwehrausschuß gegen den Lateinzwang habe eine Reihe von Ausführungen namhafter Leute, namentlich von Künstlern vorgelegt, die für die Fraktur eintreten würden.


    Ferner sei eine große Anzahl Unterschriften deutscher Studenten eingegangen, die sich für die Erhaltung der deutschen Schrift einsetzten.


    Die Abstimmung führte zu folgendem überraschenden - wie folgt protokollierten - Ergebnis:


    "Meine Herren, die Abstimmung hat folgendes Ergebnis: mit Ja haben gestimmt 85, mit Nein 82.

    Das Haus ist also beschlußunfähig, (große Heiterkeit) und wir müssen unsere Beratungen abbrechen."


    Damit kann festgehalten werden, dass die "denkwürdige Eingabe" die Karl Klingspor zusammen mit gleichgesinnten Männern gemacht hat, eine Reaktion war auf die Petition, die die Antiquaschrift als vorrangig zu lehrende und zu verwendende Schrift herbeiführen wollte. Welche Männer Klingspor unterstützte und ob es sich um eine der in dem Protokollen erwähnten Eingabe handelte, ist bisher unklar.


    Aus den im Betrag von Kobergensis ersichtlichen Kopien aus dem Werk von Halbey wird ersichtlich, dass bei der oben angeführten Reichstagsdebatte Karl Klingspor bei der Erhaltung der Fraktur "eine Rolle gespielt" hat. Die Fußnote verweist auf auf Schauer, Deutsche Buchkunst. Darauf habe ich im Augenblick keinen Zugriff. Ich vermute aber, dass sich Schauer zum Beleg gerade auf das Zitat in dem Werk von Julius Rodenberg bezieht.


    Mit welchen Männern Klingspor welche denkwürdige Eingabe gemacht hat, bedarf also wohl doch der weiteren Nachforschungen bei den Stellen, die Zwiebelfisch oben schon genannt hat.


    Im übrigen sind die von mir angeführte Protokolle der Petitionskommission und der Sitzung des Reichstages ausgesprochen lesenswert.



    Mit welchen Männern Klingspor welche denkwürdige Eingabe gemacht hat, bedarf also wohl doch der weiteren Nachforschungen bei den Stellen, die Zwiebelfisch oben schon genannt hat.


    Im übrigen sind die von mir angeführte Protokolle der Petitionskommission und der Sitzung des Reichstages ausgesprochen lesenswert.

    Auch wenn mein großes Latinum schon Jahrzehnte alt ist:

    "inclytus" ist laut dem Stowasser eine neulateinische Form von inclutus bzw inclitus und ist mir "berühmt" oder "bekannt" zu übersetzen.

    Vielleicht hilft dieser Hinweis ja weiter.

    Ich hatte schon vor langer Zeit unter "OCR Frakturerkennung" angekündigt, einen Vergleich zwischen tesseract bzw. FreeOCR einerseits und dem kostenpflichtigen Programm Findereader 15 darzustellen. Nun, einen Erkennungsvergleich habe ich nicht durchgeführt, einen sehr wesentlichen Vorteil bei der Erkennung selbst durch Finereader habe ich nicht empfunden.

    Allerdings bietet Finereader sehr viel mehr als nur die zusätzliche Frakturschrifterkennung.

    Ein Vorteil besteht darin, dass Finereader nicht klar erkannte Buchstaben enzeigt und so die Möglichkeit bietet, sofort eine Korrektur vorzunehmen. Ferner sind verschiedene Möglichkeiten der Abspeicherung gegeben, von durchsuchbarer pdf-Datei über docx- und odt-Dateien (also Word oder Libreoffice) bis zu epub und reinen txt-Dateien.

    Für mich hat sich der Kauf von Finereader 15 jedenfalls gelohnt.

    Ich habe mal in den Reichstagsprotokollen recherchiert und für den Zeitraum von 1911 bis 1914 den Begriff Fraktur gesucht. Dieser ist in einer auf 23 Seiten umfassenden Aussprache zwar verwendet worden, aber gerade in einem entgegengesetzten Zusammenhang, nämlich in der Aussprache über den Antrag, die "Altschrift" - damit ist die Antiquaschrift gemeint - im amtlichen Verkehr mit Reichsbehörden zuzulassen. (Reichstag 166. Sitzung, 4. Mai 1911, Seite 6361 ff der Protokolle)

    "Kurrentschrift: Altdeutsch lesen und schreiben" - So heißt ein TV-Beitrag, der am 16.1. im "Nordmagazin" zu sehen war.


    Vorgestellt wird Frau Katja Schülke, die die "altdeutsche" Schrift als ihr größtes Hobby bezeichnet.


    Hier ist der Link zu dem Beitrag:

    https://mediandr-a.akamaihd.ne…20210116-2006-1200.hd.mp4.


    Nun frage ich mich: Ist Frau Schülke hier bereits Mitglied - wenn nicht, werde ich sie mal auf "Frakturschriften.de" aufmerksam machen.

    Ich habe mir inzwischen Finereader 15 besorgt.

    Die Texterkennung von Frakturtexten funktioniert.

    Ich werde mal einen Fraktur- Beispielstext mit einer Freeware und mit Finereader

    erkennen lassen und dann über das Ergebnis berichten.

    Von Ludwig Petzendorfer stammt auch neben dem schönen Schriften-Atlas ein weiterer Schriften-Atlas mit Jugendstil-Schriften. Beide Bücher sind anscheinend sowohl in einer neuen Herausgabe (https://www.lovelybooks.de/autor/Ludwig-Petzendorfer/) als auch antiquarisch über Booklooker oder ZVAB zu haben. Schön wäre es natürlich, wenn auch der Band mit den Jugendstil-Schriften im Internet als pdf-Datei zu finden wäre. Meine Suche war bisher vergeblich.

    Ich habe den Text in Frakturschrift beigefügt, weil ich glaube, dies dem Sinn des Frakturschriften-Forums zu schulden und natürlich, weil es Spaß macht. Gerne würde ich mich über historische Einschätzungen austauschen. Das müßte dann aber auf anderem Wege erfolgen. Zur Sache selbst:

    Der Reichspostreuter könnte einen Artikel einer Londoner Zeitung übersetzt haben, die ihrerseits den Text der Bostoner Zeitung wiedergibt. Ich fand in der London Evening Post vom 21. 4. einen entsprechenden Artikel, der zwar einen nicht ganz identischen Text bietet, aber die Überschrift enthält "From the Boston Gazette, Boston, March 12". Interessant sind die einleitenden Worte - offenbar diejenigen der Boston Gazette - vor Schilderung der eigentlichen Ereignisse: "The town of Boston affords a recent and melancholy demonstration of the destructive consequences of quartering troopes among citizens in a time of peace, under pretence of supporting laws, and aiding civil authority..."

    Es handelt(e) sich nur um eine Vermutung und den Hinweis auf die Testversion, um die Frage durch Ausprobieren zu klären. Da Wollmers sich besser auskennt, gehe ich davon aus, daß meine Vermutung nicht zutrifft.