Beiträge von Utz

    In der alten Rechtschreibung steht im Fraktursatz für einen Doppel-s-Laut die ſſ-Ligatur wie in »Waſſer« oder »deſſen« und eben das ß wie in »Faß«, »naß« oder »Flußſäure«.


    In der neuen Rechtschreibung steht im Fraktursatz für das aufgelöste ß entweder die Zeichenfolge ſs oder als neu eingeführte Ligatur die ſs-Ligatur, die im Grunde dem ß entspricht, aber so ausgebildet sein sollte, daß ſ und s noch als solche erkennbar sind wie die Einzelzeichen in anderen Ligaturen und sich vom ß unterscheiden, um der neuen Rechtschreibung formal zu genügen. Dort ist ja nur das ß als ein ganz bestimmtes Einzelzeichen aufgehoben, nicht die Ligaturbildung aus zwei Zeichen. Ein Ersatz des ß durch ſſ (vielleicht mit einigen Ausnahmen?) oder gar ss ist ausgeschlossen. Man schreibt also »Faſs«, »naſs«, »Fluſsſäure« mit ſs als Zeichenfolge oder Ligatur. Eigentlich sollte ſs aber wie die Zwangsligaturen ch, ck und tz immer eine Ligatur sein und die anderen Zwangsligaturen ergänzen. Natürlich könnte man fragen, warum dann nicht gleich das ß als Ligatur behalten? Das wäre dann aber keine neue Rechtschreibung, denn man könnte nicht zwischen einem erlaubten ß (weiß, Buße) und einem verbotenen, durch ſs zu ersetzenden ß unterscheiden; ß besteht also unterscheidbar neben der neuen ſs-Ligatur.

    Pfennig, Unicode U+20B0 GERMAN PENNY SIGN

    Einfach aus der Windows-Zeichentabelle kopieren oder die Sonderzeichenfunktion des Textprogramms nutzen, wenn die Schrift dieses Zeichen enthält.

    Wenn es ein d oder ein vom d abgeleitetes Zeichen sein soll, fehlt mir vor allem der für das Kurrent-d charakteristische zuerst nach unten laufende Bogen bevor er zur oberen Schleife aufsteigt. Schließlich ist es nicht ein flüchtig geschriebenes, sondern ein langsamer eingeschlagenes Zeichen. Trotzdem scheint es im Zusammenhang mit dem anderen Text als d. und Teil des Datums am wahrscheinlichsten zu sein. Ins Heute übersetzt lautet dann der Silberlöffel-Text:

    ·J·H·H·

    d.·12·octb·

    ·1788·

    Danke für die Hinweise!

    Die Varianten/Schnitte werden von einigen Textprogrammen wie LibreOffice künstlich erzeugt, auch wenn sie nicht existieren. Wenn man sie anwählt, werden sie aus den vorhandenen Schnitten erstellt, indem sie gefettet oder schräg gestellt werden. Diese Varianten sollten in Texten nicht verwendet werden, nur solche, die auch als Schriftdatei existieren.

    Der größere Teil meiner Frakturschriften enthält nur einen Schnitt, den Normalschnitt, Einige enthalten zusätzlich einen fetten und/oder einen Zierschnitt (kursiv) . Und wie gesagt, in allen meinen Textprogrammen (BS Windows) funktionieren alle Schriften mit allen Schnitten problemlos. Es gibt auch keine Rückmeldungen anderer Anwender zu diesem Thema.

    Zuerst einmal würde ich prüfen, ob andere Schriften mit kursivem Schnitt (Italic) dieses Problem ebenfalls zeigen. Wenn ja, ist es sicher ein Fehler in LibreOffice, wenn nicht ... ? Jedenfalls funktioniert die »Frühling« problemlos in allen meinen Textprogrammen.

    Noch zur Klarstellung zum Schreiben mit der LOV-Schrift »Frühling«.


    Die »Frühling« liegt in zwei Schnitten vor: Normal und als Zierschnitt, letzterer aufrufbar über die Kursiv-Funktion. Einen fetten und fettkursiven Schnitt gibt es nicht. Werden diese Attribute in LibreOffice gewählt, erzeugt das Programm diese Schnitte selbst aus den vorhandenen Schnitten, allerdings in ungenügender Qualität. LibreOffice zeigt vermutlich immer alle vier Standardschnitte an, auch wenn nicht jede installiert ist.


    Sind beide Schnitte installiert, werden sie in meinem LibreOffice (5.3.2.2) ordnungsgemäß angezeigt und sollten so auch in anderen LibreOffice-Installationen funktionieren.

    Hallo lobo-checo,
    wenn in Dir nicht das Feuer brennt, unter allen Umständen eine Schrift vom Typ LOV (Ligafaktur/Lindenthal OpenType Vollfunktional) entwickeln zu wollen, rate ich davon ab. Der Entwurf einer neuen Frakturschrift kann schon mal einige Wochen oder Monate dauern, vielleicht auch ein Jahr oder mehr, je nachdem wieviel Zeit täglich investiert wird. Der Nachbau einer rechtlich nicht mehr geschützten Schrift ist natürlich einfacher, aber dabei ist zu bedenken, daß die Übernahme von Zeichen und OpenType-Programmierung aus Schriften anderer Hersteller, z.B. den LOV-Schriften, nicht erlaubt ist und leicht nachgewiesen werden kann. Auch ist einiges Wissen und Erfahrung zur Schriftherstellung nötig, und die Einarbeitung in ein Font-Programm ist auch nicht einfach. Vor allem aber dauert die Entwicklung einer vollfunktionalen OpenType-Programmierung, in die man sich auch erst länger einarbeiten muß, zusätzlich je nach täglichem Zeitaufwand ein bis zwei oder mehr Jahre, es sei denn, Du bemühst Dich um eine Lizenz. Voraussetzung ist aber auch, daß die Fraktursatzregeln vollständig beherrscht werden. Es gibt also vieles zu bedenken, und mal eben so nebenbei lassen sich solche Schriften nicht herstellen oder von »Fehlern« befreien.


    Übrigens ist die Schrift im Bild zwar die »Frühling«, aber nicht der Normalschnitt, sondern der Zierschnitt, den man mit der Einstellung »Kursiv« erhält. Der Normalschnitt hat keine Zierschleifen. Beide Schnitte sollten installiert sein.

    Zur Erklärung: Wer Texte mit LOB-Schriften schreibt, muß entweder Lang-ſ und Bindehemmer über ein Hilfsprogramm wie TastaturPlus oder als Sonderzeichen über das Textprogramm selbst an die richtigen Stellen setzen (Fraktursatzkenntnisse sind hier gefragt), oder man schreibt mit diesen Schriften Texte wie einen normalen Antiquatext und wählt dazu im Ligafaktur-Programm Belegungsformat 8 (LOB_OpenType).

    Mit LOV-Schriften kann man dagegen ohne Hilfsmittel wie mit normalen Antiquaschriften schreiben (evtl. braucht man vielleicht mal den Bindehemmer). Nicht alle Textprogramme eignen sich dafür, mit LibreOffice ab 5.3 geht es aber. Ihr Bild zeigt das Ergebnis. Der Bindehemmer kann in der Regel über die Sonderzeichenfunktion des Textprogramms, In LibreOffice über Einfügen, Sonderzeichen, u+200C, oder mit einem Hilfsprogramm wie TastaturPlus (http://www.ligafaktur.de) oder natürlich auch mit Ligafaktur eingefügt werden.

    Das hätte ich alles nicht besser erklären können, Herr Wiegel! Schön, daß es auch mit Linux und Mac funktioniert.


    Meine Netzseite http://www.ligafaktur.de wird derzeit von einer OpenType-basisfunktionalen Schrift (LOB) frakturgerecht angezeigt. Der dahinterliegende Text ist ein normaler Antiquatext mit Bindehemmer und Lang-ſ, der wie Antiquatexte durchsucht werden kann. Voraussetzung ist allerdings, daß beim Suchen das Lang-ſ als s erkannt wird, Bindehemmer unberücksichtigt bleiben und wortunterbrechende Html-Befehle wie ­ ­ (Soft Hyphen) ignoriert werden. Das sollte aber von den meisten Netzprogrammen geleistet werden können.

    Die Ligaturen in vollfunktionalen OpenType-Frakturschriften sind nicht als jeweils ein Zeichen codiert, sondern wie bei Antiquaschriften als Einzelzeichen, können also beim Suchen problemlos gefunden werden, werden aber als Ligaturen angezeigt (z.B. liegen unter der ch-Ligatur die Codes von c und h).

    Meine voll- und basisfunktionalen OT-Frakturschriften auf http://www.ligafaktur.de können jederzeit frei als Web-Fonts angewendet werden (nur die Schriften selbst dürfen nicht öffentlich angeboten werden). Die meisten Netzprogramme können inzwischen Frakturschriften einbinden und auch OpenType-Funktionen anwenden, jedenfalls unter Windows. Aber wie es unter Linux oder Apple-OS aussieht..,?

    Zunächst einmal folgt s vor k, m usw. den normalen Fraktursatzregeln:

    Lang-ſ: ſkurril, ſkalieren, Gyroſkop, ſkizzieren, ſmorzando, ſwasiländisch, ſnow, ſwap (sicher richtig auch in Fremdsprachen)

    Rund-s: auskommen, Gasmaske, Losnummer, achtenswert, Schleswig usw. (Dem s folgen eigenständige Wörter, daher Rund-s)


    Es verbleiben Wörter mit Rund-s wie Kosmos, Dresden, Wismar, Oskar, Maske u.a., die vermutlich mit der Frage gemeint sind und die nach den Satzregeln eigentlich mit Lang-ſ geschrieben werden müßten.

    Möglicherweise werden hier manche Wortteile als eigenständig bewertet, was sie vielleicht einmal waren und die dann abgeschliffen wurden. Das Rund-s ist dann zurückgeblieben. Evtl. spielt hier auch die deutliche Sprechpause zwischen den Silben eine Rolle, die der sonst eher verbindenden/ligierenden Aussprache des Lang-ſ mit dem Folgebuchstaben wie in ſanft, Roſe oder ſicher, auch noch in Waſſer oder baſteln, sehr zuwiderläuft und damit den Silben eine Eigenständigkeit mit Schluß-s-Eigenschaft verleiht (Kos|mos, Mas|ke usw.).


    Wer weiß mehr oder weiß es besser?

    Auch die Frakturschriften leben und sollten aus Gründen der Kompatibilität mit Antiquaschriften ebenfalls das große ß erhalten, natürlich unter Wahrung der Urheberrechte. In der Unicode-gerechten Norm für Zusatzzeichen (UNZ1, BfdS) ist das große ß bereits vorgesehen und ist auch schon in allen auf http://www.ligafaktur.de erhältlichen Frakturschriften enthalten. Das große ß wird dann ganz wie in Antiquatexten dort angewendet, wo man sonst zwei große S hintereinander schreibt wie in GROSS, in Frakturtexten also niemals.

    Für Programme wie Excel und andere, die Texte auch ohne Tastenbetätigung setzen (Autovervollständigung, Autokorrektur, Anführungszeichenkorrektur u.a.), ist Ligafaktur nicht ausgelegt. Diese Funktionen sollten immer abgeschaltet werden. Damit ein Frakturtext regelgerecht erscheint, muß jeder Buchstabe eines Wortes mit einem physischen Tastendruck geschrieben werden. Bis zum Abschluß eines Wortes durch einen Leerschritt oder ein Satzzeichen darf zudem die Schreibmarke nicht fremdbewegt werden, z.B. durch einen Mausklick.

    Jedes textaufnehmende Programm reagiert etwas anders auf die mit Ligafaktur übertragenen Zeichen und Textbefehle, die meisten ohne größere Störungen. Aber besonders bei Nicht-Textprogrammen wie Excel oder Bildprogrammen können Fehler auftreten. Eine bewährte Funktion zur Vermeidung solcher Fehler, ist die Wahl einer Sicherheitstufe (im Menü: Programmfunktionen, Sicherheitsmodus).

    Die neue Ausgabe 9.3 des Fraktursatzprogramms Ligafaktur ist soeben erschienen und kosten- und registrierungsfrei bei www.ligafaktur.de erhältlich. Das Programm wurde noch einmal überarbeitet und durch Funktionen für OpenType-funktionale Frakturschriften sowie eine Verschlüsselungsfunktion ergänzt.

    OpenType-funktionale Schriften werden für den Fraktursatz immer wichtiger. Daher wurden sowohl für die basisfunktionalen LOB- als auch die vollfunktionalen LOV-OT-Schriften eigene Formate eingerichtet bzw. neu definiert. Passend dazu wurden die LOB- und LOV-Schriften überarbeitet und mit ihren neuen Ausgaben 3.0 in Netz gestellt. Zwar bilden die LOV-Schriften von selbst einen regelgerechten Fraktursatz (und brauchen dafür nicht Ligafaktur), können aber durch Ligafaktur-Funktionen vielfältiger genutzt werden wie Textumwandlung, Textsperren, Umlaute mit übergesetztem e, Zeichensetzung und Überprüfung ihrer OT-Funktionalität in einem Textfeld zum Probeschreiben.