Beiträge von Angemeldet

    Siehe hier, vierter Abschnitt. Wer Wert auf die Definition von Volksfeind legt, für den ist diese Ausgabe wohl ein Muss. Ist ja auch nicht so teuer.


    Ich weiß leider nicht, ob sich typographisch die jeweils in Mode gekommenen, gebrochenen Schriften auch auf die Verwendungsvorschriften der Schrift ausgewirkt haben, etwa die in den 30er Jahren in vielen amtlichen Druckwerken beliebte Schaftstiefelgroteske. Vielleicht weiß ein Dudensammler oder Vielleser das.


    Natürlich dürfte auch das Attribut "letzte" die Faszination ausmachen, das also gerade diese letzte Auflage des Urdudens so nah an unserer Jetztzeit ist, bevor der Bruch kam (zeitlich gesehen, nicht semantisch). Außerdem ist es methodisch leichter, diese Ausgabe mit den Abänderungen der neuen zu vergleichen, weil man dann historisch keine conditio sine non qua einer anderen Ausgabe übersieht. Letztlich ist es hilfreich für die gegenseitige Zitation von Seiten. Ob aber wirklich so viele hier genau diesen Duden haben?

    Ich habe vor Jahren mal ein Kircheninventar in meiner Lieblingsschriftart, der Kanzleikurrent aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, bearbeitet. Die herausgekommene Transkription kann man wohl diplomatisch als "kompetenzentsprechend" bezeichnen. Ich weiß gar nicht, was mehr Spaß gemacht hat, die tagelange Quälerei oder das ernüchternde Ergebnis, das in seiner bisherigen Form keinen wirklichen Erkenntnisgewinn bringt. Vielleicht kennt sich ja jemand mit der Schrift aus und kann noch die ein oder andere Hundertschaft Fragezeichen durch sinngemäße Lesarten beseitigen.


    Ein Inventarirum deme schulmyster zu uber Antworthunge der Kirche zu Blichenrad Anno Michalis 45



    1 Grune Vogelwerck mit rote Vogelwerck uberzogen ist ein eintzell casell (?)


    1 Rot Lund Tisch gewerk (?) mit aller seiner Zugehörung


    1 Schwartz Leudisch (?) mit aller seiner Zugehörung


    1 Rote Sauers geret (?) mit aller Zugehörung


    1 Rot Vogellwerck mit alle Zugehorunge grumn uf de boch (bod) (????


    1 Blau masierte chor cappen


    1 schwartze chor cappe getrückt Lybatt


    2 Rote Harnes (?) Parnes (?) cappe den Knaben


    2 Schwartz mit getrückt libat den Knaben


    2 Kelch unt parfirall (?)sint der Kerch


    1 Kelch ist er cristofells ( Christophers ?)


    31 Bücher große und cleine mit er Christofels und er milag Messebüchern



    1 buntte seide (?) vorhang uf de hohen altar der warunt (?)warine (?) warmie (?) Warte ?


    1 Vorhang uf de hohe Altar apostolium


    1 vorhang uf de hohen altar serviall furiall (?)


    1 Uber tuch uf de hohen altar


    1 Wein kanne


    1 Wasser kanne


    10 Ampulleinn (?)


    1 Spuegellkessell


    2 Chor Hemben (?)


    4 Fahnen


    3 grosse leuchter im chor


    1 Roter samet rock unser liebe frawe


    1 rock ebens so sacrament (?)


    1 Arberfarbener rock Pfarrer zu der aufferstehung


    1 Tamastener vorhang vor d. sacramme(n)t (?)


    1 Trep (?) vor De hohen Altar


    1 Roter giessener vorhang uf Unser Liebe Frawe Altar vor de chor


    1 Roter masierter vorhang uf de selbe Altar feriall (?)


    1 Uber tuch



    2 Leuchter uf samtuch unt altar


    1 Gestrickter vorhang schwartz uf der boch (?)


    1 Rote maserirt vorhang


    1 Uber tuch


    2 Leuchter uf samt merlag (?) altar


    1 Rot masirirte Vorhang


    1 Ubertuch


    2 Leuchter zu der newe claus (hier ist vermutlich eine Klüs gemeint, die zu diesem Zeitpunkt (1545) aber bereits hundert Jahre alt war)


    1 masirter vorhang


    1 Uber tuch


    1 bleierner Leuchturm (?)


    1 kupferner Leuchter


    1 Roter giesner vorhang uf sanct bastia altar


    1 gestickter vorhang ist der boch schwarz


    2 Leuchter


    1 Paulum in finis festunita (?) fastimita 1169 (?)




    1 alt rot Seid (?) vor das sacrament und aufferstehung


    1 Gerwin masiert vorhang feriall (?) uf unser liebe Frawe altar


    1 alter gestickter vorhang unt Tuch uf sebastia altar


    1 Eintzell Uber Tuch


    2 Corporall tasth der Kirchen


    1 schwartzer sambt tasth (taft ???) corporall er Adams


    1 Roter corporall tasth (taft ???) er Cristofells (Cristophers)


    1 geringe Fedder bett


    2 tucher geringe


    1 Küssenn, ist kein zichn (Zeichen ?) uber


    1 Handt Faß gehert in die Sacristey

    Der Standesbeamte fragte die erschienene Verlobte, ob sie nachträglich die Ehe mit dem gefallenen Friedrich Wittinghoff eingehen wolle. Die Verlobte bejahte die Frage. Der Standesbeamte sprach im Namen des Reiches und auf Anordnung des vom Führer hierzu besonders ermächtigten Reichsministers des Inneren aus, daß die Ehe hiermit nachträglich geschlossen werde, daß Waltraud Irmgard Eisenhardt demnach die rechtmäßig verbundene Ehefrau des am 17. Februar 1944 gefallenen Friedrich Wittinghoff geworden sei und zwar nachträglich mit Wirkung von dem Tage ab; der dem Sterbetag des Ehemanns vorausgegangen ist. –

    Nach Revision des ganzen würde ich für das flüchtig gelesene "Eile" jetzt zu Eck[...] tendieren.


    Ja, so ist es mit dem Neulatein fast immer. Alle drei Dokumente stellt man fest, dass der Schreiber eigentlich schlechter Latein konnte, als man selbst. Vermutlich lag das ja an der kriegsbedingt schnellen Ausbildung von Kanzlisten. Viele haben vielleicht auch einfach nicht die Zeit gehabt, jeden Brief sorgfältig abzufassen und so trifft man dann auf mehr oder weniger abenteuerliche Wendungen, bei denen man merkt, dass hier eigentlich nur die Grundzüge der Sprache bekannt waren. Aus Sicht eines klassischen Latinisten ist das jedenfalls eine stilistisch und periodisch absolut hässliche Nominalwendung. Während das zitierte Buda expugnata als Abl. abs. vielen gängigen Idiomen entspricht und auch stilistisch schöner ist, kann ich mich nicht mal entsinnen, wann ich jemals so eine komische Wortneuschöpfung wie "reimperare" gelesen hätte. Allein der hier verschleifte Hiat ist literarisch unnötig und die Präposition beim PPP (sicher in Anlehnung an bekannte Vorbilder wie ab urbe condita) geht für die Satzstellung, glaube ich, so nicht. Aber man muss da gar nichts anaylsieren. Wenn man die beiden Ausdrücke nebeneinander stellt und mal für sich selbst vorliest, wird man auch als Nichtlateiner merken, dass das zweite stilistischer Murks war.

    Buda expugnata

    a re|imperata Buda


    Solche Autoren machen es den Lesern natürlich besonders schwer.

    Nicola Klaich G.R. und Jovanca dessen Eheweib nehmen

    Nutzen und Gevöhr, Eines in der Razenstadt

    neben Jovan Poppovics liegenden Hauses so

    ut figura in sich enthaeltet


    Da nun Vorgehends Lib. 4 fol. 112. obbesagter

    Klaich alhier in der Mensur grösser geschrieben

    gestanden, nachher, nachdem und Selber einen theill

    darVon Verkaufet, ist ihme untstehende

    Mass verblieben, deme auch ein Löbl:[er] Magist:[rat]

    untern # 21 ten Juni 754 die Gewöhr zu er-

    theilen resolviret.


    "liegendten Hauses, so in gesicht 9 Cl 2 schuh

    in rückhen 8 Cl. Rechter seits 12 Cl. Linkher

    seiths 5 Cl. 2. sch. dan dasEile (??? ich weiß es wirklich nicht) 2. Cl. 2. sch

    haltet.

    Und weillen dessen Vater Misco Klaich

    dieses Spatium ex primis Annis a rempe-

    rata (mglw. verschleift von reimperata - kann das historisch sein?) Buda in possessione gehabt ist ihme ged(achten)

    Nicola nach seines Vatter todt solches Erb(e)

    zugefal(len).

    Den ersten Eintrag?


    Den 3ten Juli 1835 ist auf Schmellwitz dem Dreschgärtner Anton Teubert das von seinem Eheweibe

    Johanna geb. Brändel am 2t J(?) geborne Söhnchen zur heil(igen): Taufe gebracht

    und demselben der Name Johann Anton beigelegt

    Taufzeugen waren

    1. H(err) Pfarrer Grützner
    2. Schullehrer Seichter
    3. Hebame Schipper aus Polsnitz

    Er war das 8. Kind und der erste eheliche Knabe dieses Jahrgangs.

    und darin 80 Zentner 90 Pfund Lohe geschält, welche

    je Zentner zu 1 rtl 10 Sgr ( Silbergroschen) in loco verkauft

    wurde. Dann gab dieser abtrieb resp(ective) auslichtung

    8 Wagen 3 Zehe Kohlen und für 22 Mlt (Malter)

    Buchen und Eichennutzholz.

    Zunächst mal lese ich, dass "wiseß" hier keine Grundlage hat, weil "s" nicht im Text steht. Da steht "winß", im besten Falle noch "wintz" oder "winsch".


    Dass solche Sprüche, die hier zu Papier kamen, offenbar mündlich tradiertes Kulturgut waren, macht ihre Abänderung im individuellen Kontext geradezu programmatisch. Die eigentlich entleerten, weil immer wiederkehrenden Worte beziehen ihre Symbolkraft und Sinnhaftigekeit ja vornehmlich aus der Widmung. Man könnte es das Happy Birthday-Phänomen nennen. Oder auch nicht.


    Sig. steht in der Regel für signatum "unterzeichnet".


    Ich weiß nicht, ob die Rückseite wirklich eine Bedeutung hat. Wofür sollen denn die vier "F" in diesem Kontext stehen? Klar, das Jahr würde passen, aber deswegen schlug man zu Taufen ja nicht plötzlich Purzelbäume und machte Hampelmänner.


    Foerthen klingt doch annehmbar. Die Ähnlichkeit zu S und G haben mich da auch total durcheinandergebracht und ohne vergleichbares Material...schwierig.

    Johannes Seybold

    1. Kiste drin 1 rtl. Petten waar 2 (fl.?) 20 (Gulden?)

    11 march Silber dito 22

    1. Kist(e) drin 4 lb (Pfund) Nsr (Nhr??): Federn 11 6

    Krimer (?) und Schmied

    1. päck(chen) drin 9 lb. beschl(agene) Gurtt (Guett?) 12

    Johann Paul Feld

    1. Kist(e) drin 4 lb. Cronische (Bromische ?) Waar 11 6

    Johann Heinrich Allius

    1. paquet mit Pappier: waar 11 8

    Christoph Wolff

    1. Kist(e) drin arzenej 12

    Ihro May(estät) der Regierend(en) Kayserinn pp

    nach Wienn

    1. Kist(e) so drin 4 1/4 lb. beschl(agene) Gurtt (Guett?) so frey

    Michael Schreiber pagen von Linz

    1. facht (???) mit Rossen 16

    Ferdinand Dorner von der miehl...(???)

    1. facht (???) 16

    30. Claffter Holtz 12

    Johann Egger von Passau

    1. facht führt dem im Vorigen Jahr

    in Steye abgebrunen(en) Frau(en) Closter

    und kürchen, Zu wid eindeckhung selbigen

    40. tausent Tach Ziegl so auf ersuechen

    allerorthen so auch hier frey passiert


    1 fl 1 sßd (???)

    Mit Beginn ca. 1780, regional sicherlich etwas unterschiedlich, rückte der Bürger/das Bürgertum immer mehr in den Vordergrund

    Woher kommt das? In welchen Vordergrund rückte welcher Bürger? Wir haben freie Reichsstädte, in denen das aristokratisch geprägte Bürgertum sehr viel länger schon als freie "Klasse" agierte, wobei auch nicht alle Stadtbewohner Bürger waren. Einen Bürger im staatsbürgerlichen Sinne kann man eigentlich in einem Ständestaat, egal welcher regionalen Prägung nicht antreffen, denn welches Staatswesen vor 1780 berechtigte ihn bitte als Bürger vor dem Gesetz gleich? Mit viel gutem Willen vielleicht die Niederlande oder die USA. Bürger ist mittlerweile ein hochproblematischer Begriff in der Forschung und hat lang nicht mehr diesen sorglosen, kontinuitiven Klassenaspekt im Sinne der modernen Gesellschaftgeschichte der 70er Jahre. Abgesehen von einigen Unternehmern auf dem Land, wüsste ich nicht, wo sich um 1780 groß Adlige und Bürger begegnen sollten. Es sei denn, wir befänden uns in Preußen, wo gerne mal herumgeadelt wurde, wenn sich ein bürgerlicher Beamter (meint einen Menschen ohne Stand) verdient gemacht hatte.