Beiträge von Oliver

    Irgendwo im Netz gibt es die Geschichte eines jungen Mannes, der sich beim Humboldtinstitut bewerben wollte, und sich über die steinzeitliche Vorgabe verwunderte, daß Bewerbungen ausschließlich auf Papier entgegengenommen würden. Er hat das dann auf die Spitze getrieben und sich mit einem Kurrentbrief beworben. Ich mag solche Scherze. Leider weiß ich nicht mehr wie der Film ausgeht aber gerade in diesem Institut sollten ja genügend Archivare vorhandensein, die damit zurechtkommen.

    Es gibt wohl auch Kontakte zu einzelnen Schulklassen. Mit Lobbyarbeit meinte ich, daß man Einfluß auf die Politik nähme, damit das Thema im Stundenplan auftaucht. Das läuft derart minimal und rudimentär, daß nichts hängen lebt. Manche Schüler haben mal eine Stunde im Kunstuntericht. Bei mir war vor 40 Jahren im Deutschunterricht sas Thema damit gehalten, daß die Lehrerin uns ein Blatt zeigte mit dem Hinweis, "das könne aber heute niemand mehr lesen" (es wurde dann peinlich für sie, als ich vorlas... ;-)).

    Die DKS ist ein Verein von Laien. Einige halten Kurse, z. B. an Volkshochschulen oder stellen die Schrift auf Ausstellungen und Messen vor. Ich selbst habe schon Kalligraphie- und Kurrentkurse für Schüler im Rahmen der Jugendarbeit (Pfadfinder) gegeben. Für politische Lobbyarbeit sind die DKS' ler aber noch zu klein.

    Hier ist der Bund für deutsche Schrift und Sprache besser aufgestellt undhat such eine längere Tradition. Dennoch kämpft auch er gegen falsche Vorurteile gegen die Frakturschrift und das Thema führt leider ein Nieschendasein.

    Angemeldet, was ist denn Dein Problem? Ich sage oben, daß - z. B. in einer Pandemie- die digitalen Medien wichtige Helfer sind. Wir sind ja froh, daß wir sie haben. Keiner schimpft auf "die Jugend", schwingt "Fäuste" oder erwartet "voraussetzungslos", daß Kinder nur noch über Kalligraphie und Mailart kommunizieren. (Es wäre aber ihr Nachteil nicht, wenn sie es könnten).

    Stattdessen äußere ich die Meinung, das Handschrift eine Kulturtechnik ist, die beim Lernen hilft. Gründe sind die Hand-Auge-Koordination, die Verortung von Inhalten und das haptische Be-greifen. Schule soll auch das vermitteln, also das eine tun aber das andere nicht lassen. Im Moment kommt das Analoge zwangsweise im Unterricht zu kurz. Das finde ich schade. Der Tag der Handschrift erinnert uns daran.

    Ich finde es schön, einen handgeschriebenen Brief zu bekommen und ich helfe jedem gerne, der sich diesbezüglich auf den Weg macht und dazulernen will. Ich dachte, das wäre eigentlich so die Idee eines Forums, das sich mit Schriften beschäftigt? ;)

    Der Ursprung war ja die Humanistische Kursive auf der lateinischen Seite und die Barockkurrent für deutsche Texte, beide noch mit der Bandzugfeder bzw. dem Gänsekiel geschrieben. Um 1830 setzte sich die metallene Spitzfeder allgemein durch und veränderte die Schriften radikal.


    Zwischen 1830 und 1900 wurde mit dem neuen Werkzeug geschrieben, aber mir ist völlig unklar nach welchen Vorlagen? Mit was haben die Schulmeister gelehrt und wie nennt man diese Alphabete?


    Bei der Deutschen Schrift kennt man die "Kurrent um 1900". Und was ist in den 70 Jahren zuvor? Da gab es auch eine eigene Spitzfederkurrent für die es m. E. noch keinen Fachbegriff gibt. Sie unterscheidet sich von der 1900er durch das lange s in "Spazierstockform" (anstatt der späteren Sägezahnform), noch niedrigere n-Höhe und reichere Versalien. (s. Buch von Harald Süß).


    Bei der gleichzeitig für Fremdwörter, Nachnamen und Bestimmungsort auf Briefen genutzten Lateinschrift gibt es m. E. ein paar Unterschiede zur englischen Schreibschrift: das d gleicht mehr der Kurrent Form, das kleine k ist oft höher als die n-Höhe, ebenso der t-Strich und an hat eine starke Vorliebe fürs französische r. Obiges Beispiel ist ja von ausgewählter Qualität, fast wie ein Kupferstich. Man google aber mal nach "Correspondenz-Karte" und sehe sich die lateinischen Anschriften von damals an, das hat einen eigenen Charakter. Da würde mich echt mal ein zeitgenössisches Schreibmeister-Vorlagenbuch aus dem deutschen Sprachraum interessieren.

    Mich interessierte noch, wie die Schrift heißt? Sie sieht aus wie Copperplate oder Spencerian, aber hier war ja ein continentaler und kein englischer/amerikanischer Schreiber am Werk?

    Eben diese gesamte geistige Arbeit, die für die Handschrift erforderlich ist, nebst der räumlichen Verortung, ist ja der Grund, weshalb man damit besser lernt.

    Insofern sehe ich die digitale Schule kritisch. Es ist momentan halt anders nicht zu machen und die beste Alternative in der Coronazeit. Aber mir fehlt das Bewußtsein um den Wert der Handschrift.

    Wenn Du Kontakt zu kurrentschreibenden Brieffreunden suchst, dann bist Du ja hier bei der DKS genau richtig. Es stimmt, daß ein persönlicher Brief zwischen all der Werbung im Briefkasten ein Quell der Freude ist. Gerade jetzt, während der Coronaeinschränkungen ist man ja für jede kleine Abwechslung dankbar und ein handgeschriebener Brief ist oft schon der Höhepunkt der Woche. Gerade da kann ich mich momentan auf meine DKS-Freunde verlassen: Es wird gerade sehr viel geschrieben! Bei mir selbst gehen dementsprechend z. Zt. zwischen zwei und 7 Briefe die Woche raus. Das ist eine wunderbare Sache, Gerade um in dieser Zeit Kontakte zu halten.

    Ich weiß nicht recht: Wenn ich (=er,sie,es,divers +28 weitere Identitäten, wobei allerdings die meinige als "Keltische Gottheit" m. E. zu kurz kommt!) nun eine*n Schluck*In Wasser*In_X aus dem WasserHUHN trinke... dann kann vielleicht ein Mathematiker daraus schlau werden, aber Frauen verdienen immer noch zu wenig, werden in der Kirche nicht gehört und sind sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Das Thema mit sprachlichen Trostpflästerchen anzugehen ist in etwa so sinnreich wie das Corona-Applaudieren vom Balkon - da konnte sich dann nachher die Lidl-Verkäuferin doch nichts für kaufen, aber man hatte ein Feigenblättchen blindwütigen Aktionismusses der nichts kostete und "nett" war. Ja "nett" durften Frauen immer schon sein...

    Und wenn schon jeder sich seinen eigenen Sprachquatsch auf Kosten der Allgemeinverständlichkeit zusammenbasteln kann wie er/sie/es/divers/Hund/Katze/Maus es möchte, dann nehme ich mir das Recht für mich heraus, Gendersprech abzulehnen weil es meine Identität als Kulturträger der Moselfränkischen Mundart attackiert, eines Dialektes, der bis in die Zeit Karls des Große zurückgeht und schon immer wußte, daß grammatikalisches und biologisches Geschlecht zwei Paar Schuhe sind: "Der (m) Mann loo", aber "dat (neutrum!) Frawminjsch hej". Dafür spendieren wir aber ein individuelles Zahlwort: "zwaj Männer, zween Fraileijt onn zwo Kenner".

    So, jetzt erschießt mich halt.

    Schau mal im vorhergehenden Faden bzgl. der Sonderzeichen. Das erinnert mich doch sehr an das d mit Abkürzungsschleife und dann wäre es "Denarius" für "Pfennig".

    Als Kalligraphie kann ich über die Handschrift meiner Kinder nur weinen. Hier hat die Schule versagt und die deutschen Musteralphabethe sind einfach unbefriedigend.


    Zu den kuriosen Feiertagen: Am 7. Februar bot mir der "Schick-einem-Freund-eine-Postkarte-Tag" einen willkommenen Anlaß Kontakte zu pflegen...

    Deine Frage kann ich leider nicht beantworten, aber als Hinweis: Mein brandneues Büttenpapier (Rössler) kostet mich hier im lokalen Handel auch ein Euro je Bogen, von daher relativiert sich der Preis Deiner Quelle....

    Die Idee auf altem Papier zu schreiben ist wunderbar. Ich hatte mal einen DKS-Freund, der in einem Archiv arbeitete und die leeren Blätter aus den Akten verwenden konnte. Das hat schon was Besonderes! Es interessiert mich auch, wo man so etwas herbekommt?

    Ich kenne den Spruch nicht, aber für mich klingt das wie "Rühr da nicht dran", " laß die Finger davon".

    Säcke waren früher wertvoll. Mein Opa hat Kartoffelsäcke zig Mal gestopft und geflickt. Die hat man oben vorsichtig aufgebunden und nicht einfach mit dem Sackmesser reingestochen, sodass das kostbare Mehl rausfällt und der Sack unbrauchbar wird.