Beiträge von Mulan

    Vielen lieben Dank für die bisherigen Antworten. Mir ist natürlich bewusst, dass nicht alles Beschlossene auch Schlag Jahr umgesetzt ist, sondern dass es Umstellungszeiten gab. Selbst bei der 1941er Umstellung auf "Normalschrift" wurde dieses vom zust. Reichsministerium berücksichtigt. Mir geht da eher um die offiziellen Festlegungen, d.h. was vorgeschrieben worden ist, also sozusagen offiziell galt. ...


    Ich habe da zwei Bücher im Fokus, welche die administrativen Kehrtwendungen beispielhaft zeigen, geradezu eine hastige Änderung andeuten könnten. Denn von Wilhelm Weidmüller sind in Ansbach im selben Jahr 1933 gleich zwei Bücher zu neuer Schreibschrift erschienen. Erst war's das Buch "Der neue Schreibunterricht in Bayern. Mit einem ausführlichen Lehrgang der Sütterlin-Schreibweise und der Brückl-Methode nach Ziffer 5 und 8 der amtlichen Richtlinien von 29.Oktober 1931", Michael Prögel Verlag, Ansbach 1933, und noch im selben Jahr eine überarbeitete Version namens "Die neue Schulschrift. Mit einem ausführlichen Lehrgang zur Schriftaneignung nach den Richtlinien vom 22. Juni 1933 und einer grundlegenden Anweisung zur Schriftpflege in allen Jahrgängen", Michael Prögel Verlag, Ansbach 1933. Ersteres betraf Sütterlin, letzteres die sog. "Volksschrift", die dann aber auch nur wieder ein Jahr hielt, bevor das Reichsministerium 1934 dann seine Version der "Deutschen Schrift" in Gestalt der senkrechten "Ausgangsschrift" für die 1.-2. Klassen und der leicht schrägen "Verkehrsschrift" ab der 3. Klassenstufe als verbindlich fürs ganze Reich einführte, welche sich an Sütterlin orientierte und zugleich die bayer. "Volksschrift" im Wesentliche übernahm mit kleinen Änderungen. Ich stelle mir so vor, wie es dem Herrn Weidmüller gegangen sein muss, als er eben noch ein Buch von 146 Seiten veröffentlichte, um binnen Jahresfrist dieses noch einmal zu überarbeiten, nun 168 Seiten stark, um den Vorgaben von Gauleiter Schemm zu entsprechen und so Sütterlin in Bayern über die Testphase nicht hinaus kam und sein 1. Buch samt Regularien für die Katz' war. ...

    Hallo,


    ich nehme an, gefühlt jeder kennt das "Brause Übungsheft für die Deutsche Schrift" von Brause & Co., Iserlohn. ...

    Seit langem bin ich auf der Suche nach der richtigen Antwort, wann dieses Heft bzw. mein Exemplar erschienen ist bzw. wie lange, da es vielleicht Jahre oder gar Jahrzehnte lang immer wieder und ohne Erscheinungsjahr neu gedruckt worden sein könnte. Gehalten ist es in der Koch-Hermersdorfer Schrift.


    Iserlohn liegt im heutigen NRW, nicht weit von Dortmund. Selbiger Verlag, den es nicht mehr gibt, hatte analog auch zur "Normalschrift" (angebl. 1950) und zur "Lateinischen Ausgangsschrift" solche Übungshefte ediert.


    Zum "Brause Übungsheft für die Deutsche Schrift" finde ich verschiedene und wohl eher nur vermutete Jahresangaben. Ich las mal 1935, 30er Jahre oder 1940, wie bei Ebay-Kleinanzeigen. Bei dem Exemplar, was bei Ebay-Kleinanzeigen unter Nr. 2028369093 zu finden ist, unterscheidet sich nichts, soweit sichtbar, von meinem Exemplar - außer die Innenseite des hinteren Heftumschlags mit der Werbung "Brause Hitparade", bei dem diverse Produkte auf einer stilisierten Tonbandrolle zu sehen sind. Schon seit etwa den 1920ern kannte man den Begriff "Hitparade".


    Mein Exemplar, noch jungfräulich unbeschrieben und sehr gut erhalten, zeigt eine andere Werbung mit der Überschrift "In der Schule bewährt" zusammen mit 5 vertikal gestellten Schreibfedern und Linolschnittutensilien sowie 3 Füllfederhaltern. Bei meinem Exemplar ist auf der Rückseite rechts unten noch eine kleine Kennzeichnung "D 91" zu finden. Sind das also zwei Ausgaben aus verschiedenen Jahren? Oder hatte man die Hefte derselben mit unterschiedlicher Werbung versehen? Kann das und dieses "D 91" ein Hinweis sein?


    Falls jemand mehr weiß und vielleicht auch die Quelle dafür benennt, wäre das sehr schön. Und interessant wäre natürlich auch zu wissen, in wieweit dieses Material an Schulen wie lange verwendet worden ist. Nur in NRW?

    Die Bayer. Bildungspläne von 1955 und 1966 für die Volksschule liegen mir als Scans vor. Beide zeigen nicht die Koch-Hermersdorfer, sondern ganz klar Richtformen ähnlich der „Deutschen Schrift“ von 1934. (das F und das P sehen anders aus). Diese Schrift wurde auch noch einmal 1985 in den Lehrplan für das Fach Kunsterziehung aufgenommen. Auch das habe ich als Scan.

    Bei der Suche nach Konkretem zur Lehre und Verwendung von deutscher Kurrentschrift im Schulwesen von Deutschland West und Ost nach 1945 habe ich kürzlich die Hefte 4 und 5 von Georg Fischers So sollst du schreiben“, Baumann KG, Kulmbach, o.D. (um 1956, da in Nr. 5 ein Literaturhinweis mit Datum 1955 vorkommt), antiquarisch erstanden.


    Kann mir jemand sagen, wo diese beiden Hefte (zusammen mit den Heften 1-3 zur lateinischen Schreibschrift, welche damit wohl zuerst vermittelt wurde) Anwendung gefunden haben? Ich habe in einem Forum ein Heft Nr. 5 gesehen, auf dem ein Schulstempel von Wiesmoor zu sehen war, also Ostfriesland in Schleswig-Holstein. Wurden diese Hefte demnach in Schleswig-Holstein benutzt und in welchen Bundesländern noch? Da die Schriftart darin der Koch-Hermersdorfer entspricht, beide zwar in Bayern gedruckt worden sind, in Bayern aber bereits 1955 eine andere Schrift anstelle dieser eingeführt worden ist, vermute ich, dass es kein Lehrmaterial an bayerischen Schulen war. Kennt jemand dieses Material, was offensichtlich für den Schulbetrieb vorgesehen war? Hat jemand dieses womöglich selber als Schüler gehabt? Wenn ja, wären möglichst genaue Angaben zu Gegend (mind. Bundesland) und Schuljahr, möglichst auch Schule bzw. Schulart willkommen.


    P.S.(1): Welches Material wurde eigentlich in Bayern 1950-55 / 1955-1971 und (im Kunstunterricht) Mitte der 80er Jahre in Bayern (wie lange eigentlich?) zum Erlernen der deutschen Schrift verwendet? Quellenangaben, Links zu Digitalisaten bzw. Bildmaterial wären auch sehr willkommen.


    P.S.(2): Kennt jemand die Jugendschriftenreihe „Kind und Welt“ (Matthiesen Verlag Lübeck u. Hamburg)? Bei dieser wurde 1964 das Heft Nr. 33 mit dem Titel „Kinder in fernem Land“ von Hermann Bühnemann veröffentlicht, gedruckt in deutscher Schreibschrift, die irgendwo zwischen der Koch-Hermersdorfer und der Schrift von 1934 zu stehen scheint? Wurde diese in Schulen verwendet, und wenn ja, wo und (bis) wann?


    P.S.(3): Und hat jemand Erfahrungen mit den folgenden beiden Titeln in Niedersachsen?

    - Arnold Lämmel: Unsere deutsche Handschrift. Reihe „Leuchtfeuer, Heimathefte zwischen Niederelbe und Ems”, Sonderheft in deutscher Schreibschrift für die Oberstufe, Verlaganstalt Wilhelm Walther, Oldenburg 1954.

    - ders.: Wer kann das lesen? - Lotte und Dieter schreiben an ihre Oma. Reihe „Leuchtfeuer, Heimathefte zwischen Niederelbe und Ems”, Sonderheft in deutscher Schreibschrift für die Grundschule, Verlaganstalt Wilhelm Walther, Oldenburg 1954


    Ich hoffe, über dieses Forum antworten zu bekommen.

    Vielen lieben Dank im voraus.

    Guten Abend,

    ich suche die Nr. 5 der Zeitschrift „Die zeitgemäße Schrift“ von 1928. im Netz habe ich selbige bisher nicht finden können außer in einem teurem Angebot aus der Schweiz mit den Nummern 2-10. kennt jemand ein preislich vernünftiges Angebot oder hat jemand dieses Heft zum abgeben? Oder als Scan? Als pdf? …

    Vielen Dank im Voraus!

    Zwar reichlich spät aber dennoch vielleicht von Nutzen zumindest für neuere Rechercheure sei noch folgendes angemerkt.

    Wer Duden sucht, die mindestens den letzten Stand der S-Schreibung nach 1901 aufweisen, wäre auch mit Duden aus den 20ern oder 30ern gut bedient. Der letzte Fraktur-Duden war ja die 1941er Ausgabe, d.h. die 12. Auflage. Die wurde 1942 noch einmal gedruckt, nun aber in Antiqua mit Hinweis auf das Rundschreiben des Bildungsministeriums vom September 1941 (nicht des eigentlichen Führererlasses vom Januar 1941, obwohl die Umstellung auf Antiqua ja auf diesen zurückgeht und nicht auf den September 1941). In dieser wurde aber dafür gesorgt, daß man dennoch die S-Regeln beachten kann, indem im Wörterverzeichnis das runde s generell unterstrichen worden ist. Das wurde auch bei der nachfolgenden noch gesamtdeutschen Ausgabe von 1947 (13. Aufl.) so gehandhabt. Diese Ausgabe war nur ziemlich dünn aus erklärlichen Gründen. Dann gab's ab 1951 die 14. Aufl. in Leipzig und 1954 in Mannheim, d.h. nun getrennt. Während die Mannheimer Ausgabe keine Kennzeichnung mehr erfuhr beim s und nur noch in der Einleitung einige S-Regeln für diejenigen standen, welche die Frakturschrift weiterhin nutzen wollen, wurde in der DDR-Ausgabe gegenüber dem runden s ſogar das lange ſ geſetzt, d.h. im geſamten Buch. In der 15. Auflage (DDR) 1967 ging man wieder zum unterstrichenen s über. Das wurde bis zur 16. Auflage so beibehalten, d.h. bis zum letzten Nachdruck 1975. Ab der 16. Auflage 1976 war es dann auch im DDR-Duden vorbei mit einer Kennzeichnung des runden s. Wer also, mal abgesehen vom Sprachgebrauch, einen Duden sucht mit ſ und s bzw. mit Kennzeichnung des runden s, dem würden nicht nur die Frakturausgaben nützlich sein sondern auch die DDR-Ausgaben bis einschließlich 1975 (16. Auflage).

    Guten Morgen,


    mir iſt bewußt, daß es bei Namen bzw. Ortsnamen nicht dieſelben oder dieſelben ſtrengen Regeln gibt, wie es bei normalem Wortſchatz der Fall iſt.


    Aber kann mir jemand plauſibel machen, warum in "Breslau" (latiniſiert "Vratislavia" oder ſpäter "Wratislavia" - s.a. hiſtorisches "Wratislaus" vs. "Wratiſlaw"/"Wratiſlawia" in Meyers Lexikon 1905, Bd. 20 , S. 759), Wladislaus" (im Gegenſatz dazu "Wladiſlaw" - s. Duden 1925, S. 555), oder "Wladiwostok" (wörtl. влади/wladi + восто́к/wostók "Beherſche den Oſten!") rundes s verwendet wird (Duden 1925, S. 550)? Dasſelbe frage ich mich auch bei "Bratislawa" (sehr alt: "Brecislawa" mit rundem s, aus dem dann wohl "Preßburg" abgeleitet worden iſt gem. Meyers Lexikon von 1905, Bd. 16, S. 282). Auch hier wird rundes s geſchrieben. Auch das mecklenburgiſche "Görslow" wird mit rundem s geſchrieben (Pierer's Universal-Lexikon, 4. Auflage (18571865), Bd-19, Altenburg 1865, Seite 814 (s. „Böhl von Faber“). Gibt es eine oder kann man da eine Regel ableiten?


    Bei ſlawiſchen Namen iſt ja abweichend vom Grundſatz "rundes s vor k" i.d.R. ein ſ bei -ſki/-ſky zu ſchreiben, da es ja eine eigenſtändige Bedeutung hat, aber hier iſt ja kein k ſondern ein l vor dem ſ/s gegeben.


    Es wäre ſchön, wenn jemand erhellende Erkenntniſſe beiſteuern könnte. Und falls möglich, wäre ich auch für Quellenangaben dankbar.

    Tolle Leiſtung! Und ich denke , es iſt alles richtig.

    Der Text iſt gewiß schon sozialiſtiſch angehaucht. Das hält ſich aber noch ſehr in Grenzen. Ich glaube, daß der Text eher von der noch ziemlich neuen Zeit und vor allem vom Frieden geprägt iſt, wo noch nicht ſo ſehr Parteichineſiſch die Sprache bei Reden regierte. Der Krieg war erſt vor kurzem, und das Neue war noch frisch und hoffnungsvoll.

    Oh ja, ich kann mich auch erinnern. Ich glaube oder hörte mal, daß dieſe Schrift in der Vektorrechnung verwendet worden iſt bis irgendwann. Denn irgendeinen Grund muß es ja gehabt haben. ...

    Ließe ſich dieſe Datei nicht als PDF ſpeichern? Dann könnte man dieſe ja am Bildſchirm vergrößern und die Schnappſchuß-Funktion nutzen. Damit kann man dann wieder eine Bilddatei herſtellen. ... Oder einen „Screenshot“? Oder mit dem Handy ein Foto? Es gibt ſicher einen Weg. Hauptſache man kann es gut erkennen.

    Vielen lieben Dank!

    Dann liegt es wohl in der Tat nahe, das mit einer Verwendung der deutſchen Schrift bis in die 60er eher ihre allgemeine Verwendung gemeint iſt. Ich kenne derlei Karten auch. Und ich erinnere mich an ein Gerichtsprotokoll aus den 70ern, wo der Protokollant eine ausgefeilte Schreibe hat, in der er die eine oder andere Steno-Form für g oder -ung verwendet hat. ...

    Danke!

    Hallo,

    kann mir jemand ſagen oder am beſten belegen, ob die Ausſage zutrifft, daß in der DDR Sütterlin bis in die 60er Verwendung fand? Unklar iſt dabei natürlich, ob das in Lehrplänen verankert war oder damit nur die alltägliche Verwendung ſeitens derer gemeint iſt, welche dieſe Schrift noch gelernt hatten. Wer kann aus Erfahrung berichten, ob er oder ſie in der Schule (ab 1949 bis in die 60er) dieſe noch gelernt hatte? In Deutſch, in Kunſt, in Schönſchreiben ...? Kennt jemand Literatur oder andere Quellen, wo das vielleicht ſteht?

    Eine Anfrage beim Bund für deutſche Schrift brachte leider auch keine Antwort. Vielleicht iſt das noch nicht erforſcht.

    Für hilfreiche Antworten wäre ich außerordentlich dankbar.

    Danke für die Rückmeldung.

    Kann mir aber jemand ſagen, warum die Bayern 1955 von der gefälligeren Koch-Hermersdorfer zur häßlicheren* "Verkehrsſchrift" von 1934/35 (oder war's in Wahrheit doch die "Volksſchrift" von Schemm?) gewechſelt ſind?


    * s. "Die Deutſche Schrift" Nr. 69/1983 S. 29

    Guten Morgen!


    Ich weiß nicht, ob es ſchon behandelt worden iſt in dieſem Forum. Gefunden habe ich erſt mal nichts. …


    Ich möchte alle Kundigen fragen, ob es hier im Forum oder auch in der Literatur detaillierte Unterſuchungen gibt, welche Auskunft geben, in welchen Zonen, Bundesländern oder Ländern bzw. Bezirken ſeit Kriegsende trotz fehlender Begeiſterung ſeitens der Alliierten und deutſchen Politiker in Oſt und Weſt zum Gebrauch von Sütterlin und Co. gekommen iſt, d.h. vor allem im Schulbereich aber auch außerhalb. Von Bayern weiß man ja, daß man 1950-1955 die Koch-Hermersdorfer als 2. Schulausgangsſchrift lehrte, bevor man ab 1955/56 bis 1971 die „Verkehrsſchrift“ von 1934/35 oder eine daran angelehnte Schrift anſtelle dieſer einſetzte. Natürlich wüßte ich gern, wie die Richtformen etwa in Bayern denn nun tatſächlich ausgeſehen haben, da v.a. hinſichtlich der „Verkehrsſchrift„ es verſchiedene Verſionen im Netz zu geben ſcheint.


    Irgendwo las ich vor einiger Zeit, allerdings ohne daß es konkret wurde, daß es (irgendwo) ſogar bis in die 80er ſo geweſen ſei. Gab es das?


    Und es gibt z.B. auch Publikationen, die eine Bemühung vermuten laſſen, dieſe Schriftgattung in anderen weſtdeutſchen Bundesländern in den Schulbetrieb zu integrieren.


    Mir liegen zwei Sonderausgaben des Oldenburger „Leuchtfeuers“ von 1954 vor, welche „in deutſcher Schreibſchrift für die Grundſchule“ von Hermann Rudolph ediert worden ſind. Sie ſind Ergebnis einer Initiative des Niederſächſiſchen Kultusminiſteriums v. 24.06.1950, indem von dort ein Erlaß erging, daß ſowohl die Fraktura als auch die deutſche Schreibſchrift in die Leſebücher aufgenommen werden mögen, damit die Jugend dieſes leſen könne, was aber eher wie ein Wunſch denn eine Weiſung ausſieht. Die Verleger hatten dann zwar die Frakturſchrift als Übungsſtoff in die Leſebücher augenommen, nicht aber die Schreibſchrift. Daraufhin hatte die Schulbehörde den Oldenburger Arbeitskreis „Leuchtfeuer“ gebeten, entſprechend die Lücke zu ſchließen, in deſſen Ergebnis die zwei Sonderausgaben zuſtande kamen. Durch Erlaß des Kultusminiſteriums v. 26.07.1954 (III/3230/54, Rechb. 144/54) wurden dieſe beiden dann auch für die Volksſchulen Niederſachſens genehmigt. Hier ſcheint die Koch-Hermersdorfer Schrift in Anwendung gekommen zu ſein. Wie lange und in welchem Umfange dieſe im Schulbetrieb Anwendung fand, weiß ich nicht.


    Dann gibt es da die von Hermann Bühnemann veröffentlichte Schrift „Kinder in fernem Land, In deutſcher Schreibſchrift, Kind und Welt, eine Jugendſchriftenreihe„ (Heft 33, Matthieſen Verlag, Lübeck / Hamburg 1964). In diesem Heft aus dem Hamburgiſch-Lübeck’ſchen Raume wurde demnach noch mindeſtens im Jahre 1964 eine Schrift verwendet, welche im Weſentlichen der Verkehrsſchrift von 1934/35 entſprach. Ob dieſes aber im Schulbetrieb integriert war, ließ ſich vorerſt nicht ergründen, war aber wohl für die Jugend gedacht.


    Dasſelbe betrifft auch die im Württembergiſchen erſchienene Broſchüre von Kurt Knittel (Lies Deutſche Schrift. Eine Einführung in die Deutſche Schreibſchrift. Verlag G. Braun, Karlsruhe 1952.) Hier kam ebenfalls die Koch-Hermersdorfer Schriftform zum Einsatz.


    Es ſcheint, daß tatſächlich ab ca. 1950 eine Zweiteilung beſtand, indem in Süd- bis Mitteldeutſchland weſtlich der Elbe eher die Koch-Hermersdorfer Schriftform Verwendung fand, während im Norden mehr die „Verkehrsſchrift“ von 1934/35 Grundlage war. In Bayern wurde dann aber, wie ſchon erwähnt, ab dem Schuljahr 1955/56 ebenfalls zu Letzterer gewechſelt, bis ſie 1971 dort ihr Ende fand.


    In wieweit es in der ſowjetiſchen Zone bzw. in der DDR zur Verwendung der deutſchen Schrift im Schulbetrieb gab, weiß ich bis dato nicht. Im DDR-Duden war zumindeſt bis zur 16. Auflage (bis 1975 nachgedruckt) das deutſche Alphabet zu finden. Bis zu dieſem Zeitpunkt wurden ſogar die ſeit 1942 erſatzweiſe unterſtrichenen s anſtelle des runden s der 1941 abgeſchafften Fraktura im Wortſchatz geſetzt. Das im Duden aufgeführte Alphabet wies gewiſſe Ähnlichkeiten mit der Koch-Hermersdorfer Schriftvariante auf, vereinzelt aber auch mit Sütterlin bzw. der Verkehrſschrift von 1934/35. Dieſes Alphabet ſpeiſt ſich anſcheinend aus verſchiedenen Formen der Kurrentſchrift, ſo jedenfalls mein Eindruck. Ob es in der ſowjetiſchen Zone bzw. ab 1949 in der DDR nur zu einer gelegentlichen Vermittlung dieſer Schriftart im Rahmen des Deutſch- oder Kunſtunterrichts gekommen iſt, ließ ſich erſtmal nicht feſtſtellen. Ich ſelber kann mich nicht erinnern, dieſe Schrift ſeit meiner Einſchulung 1968 für einen weiteren Gebrauch gelernt zu haben. Ich lebte damals im äußerſten Südweſten Thüringens, welches naher Grenzbereich war.


    Ich ſuche alſo nach dieſem zugegebenermaßen langen Text Informationen und auch entſprechende Alphabettafeln bzw. Abbildungen zu Richtformen wie auch Textbeiſpielen (iſt der Menſch doch auch ein viſuelles Weſen), beſtenfalls mit Quellenangaben, welche es ermöglichen, ſich ein möglichſt vollſtändiges Bild zu machen, wie genau es mit unſerer ſchönen alten Schrift nach dem Kriege bis in unſere Tage beſtellt war. Gibt es vielleicht auch perſönliche Erfahrungen? Oder weiß jemand noch Buchtitel ſolcher Lehrmaterialien? Hat jemand gar noch ſolches unter ſeinem oder ihrem Dache?

    Danke ſchon jetzt an alle, die ſich hier hoffentlich zahl- und hilfreich äußern.

    Nur das Trumpel würde heute noch sowas glauben (machen wollen). Alternative Fakten eben. ... Aber im Ernst: Da schwingt noch arg die Sache mit den Türken vor Wien nach.

    Leider wird die Annahme in vielen Köpfen, dass die Frakturschrift eine Nazi-Schrift sei (obwohl auch diese Opfer des Nazi-Wahns wurde), durch die jüngste STERN-Ausgabe befeuert, indem auf Titelseite und S. 4 auf blutrotem Grund in Weiß in einer der Mainzer Fraktur ähnlichen Schrift (ohne Ligatursetzung) fett "Ihr Kampf" bzw. "Angriff von rechts" steht. Ob meine Leserzuschrift an die Redaktion gelesen oder gar veröffentlicht wird, weiß nur Gott.

    Nachdem ich vor einiger Zeit kritisiert habe, daß in der Rubrik "Schreibschriften Kurrent" Texte eingestellt werden, die die Frakturschrift betreffen oder umgekehrt, stelle ich gerade fest, daß ich selbst gesündigt habe. Ich habe den Beitrag deshalb nochmal in die richtige Rubrik eingeordnet.

    Ich danke für die weitergehenden Ausführungen. ... Und was das Einstellen in diese Rubrik angeht, so trifft dies ja auch auf mich zu. Bitte um Vergebung - aber ich fürchte, dass ein Einstellen meines Beitrages in das richtige Forum dann nur eine unnötige Dopplung ist. Falls jemand von der Administration meinen Beitrag in die richtige Ebene stellen möchte oder könnte, wäre dies mir recht.

    Wäre es möglich, ein besseres Bild einzustellen?


    Vielleicht ein bisschen mehr wie folgt:


    <…>reünstigs u. drißlichs gedancke

    ... des Vampirs oder bluthsaug<…>

    unter den Türcke<n> <die> aussen

    gräntzen des Servier<...>

    Lebenden Menschen und <…>

    <d>as Bluth auß seug<en> <solchen>

    <n>ntworffen von Got…

    <Christo> ps. Harenberg

    1733. 8. Stüb

    Kleine Duden-Geschichte


    Der Duden für die deutsche Sprache wurde seit seiner ersten Ausgabe im Jahre 1880 bis einschließlich 1941 (12. Auflage) in Fraktur gedruckt.


    Dann kam jener verhängnisvolle Führer-Erlass, der mit einem Federstrich eine lange Schriftgeschichte beendete.


    Daraufhin wurde die 1941er Ausgabe im Jahre 1942 in Antiqua noch einmal nachgedruckt - aber mit dem "Hintertürchen" der unterstrichenen s anstelle des Schluss- bzw. Fugen-S..


    1947 erschien dann Auflage Nr. 13 als gesamtdeutsche in Antiqua, wieder mit dem unterstrichenen s.


    Die 14. Auflage folgte für die DDR 1951 und für die Bundesrepublik 1954, d.h. erstmals getrennt.


    Und hier wird's nochmal interessant.


    Während man im Westteil Deutschlands seit dem NS-Schriftverbot nur reine Antiqua finden konnte, wurde in der DDR ab 1951 mit der 14. Auflage im Antiqua-Schriftsatz sogar das lange ſ verwendet, d.h. sowohl im Wörterverzeichnis als auch im übrigen Text des Duden. Das war bis 1956 so gegeben.


    Während man im Westteil Deutschlands seit dem NS-Schriftverbot nur reine Antiqua finden konnte, wurde in der DDR ab 1951 mit der 14. Auflage im Antiqua-Schriftſatz ſogar das lange s (ſ) verwendet, d.h. ſowohl im Wörterverzeichnis als auch im übrigen Text des Duden. Das war bis 1956 ſo gegeben.


    Über die Gründe, warum man das in der DDR bis 1975 konnte, in der Bundesrepublik hingegen zu keinem Zeitpunkt, kann man nur spekulieren. Sah man sich im Westen daran gebunden, was bis heute nicht formell aufgehoben worden war, d.h. am Schrifterlass, oder war man froh, einen alten Hut abgelegt zu haben?


    Hatte das in der DDR mit der Überzeugung zu tun, zu den Siegern der Geschichte zu gehören und sich dann natürlich nicht an irgendwelche NS-Erlasse halten zu müssen? Oder hat man das Ganze im Osten einfach pragmatisch gesehen, vielleicht auch etwas entspannter hinsichtlich der Vergangenheit?


    Oder hat man einfach nur gerechnet, indem die Zahl derer, welche die deutsche Schrift noch regulär gelernt hatten, als schrumpfende und langsam zu vernachlässigende Größe ansah?


    Ab 1976 war es dann mit der 17. Auflage auch in der DDR endgültig vorbei mit irgendeiner Kennzeichnung der S-Schreibung, d.h. 31 Jahre nach dem Krieg und 35 nach dem bis heute nachwirkenden Kulturbruch der Nazis.