Petition für mehr deutschsprachige Musik im Rundfunk

  • Bitte unterſchreibt noch, wenn ihr dieſes Anliegen auch ſo vertreten könnt. Ich habe auch ſchon unterſchrieben.


    „Ich hänge geradezu mit Leidenʃchaft an der deutʃchen Schrift.“


    Peter Roʃegger, Schriftʃteller

  • Was ist eigentlich der Grund dafür, daß die deutsche Musik da mehr ein Nischendasein im Rundfunk führen muß?


    Mich wunderte das schon immer, vor allem, da es ja doch deutsche Gruppen gibt, die national und auch international erfolgreich sind.


    Was ist etwa mit Rammstein? Hörte ich nur mal, als ein neues Album in den Charts war, ansonsten nie. Ist das etwa zu hart für die Zuhörer? Unheilig? Hörte man, aber nur die neuen Sachen, weil die eben erfolgreich waren. Von den alten lief da meines Wissens nie etwas. Zu düster? Zu hart? Es gibt auch einige ruhigere Titel aus dem früheren Schaffen. Subway to Sally, auch nicht unbekannt - was ist damit? Kraftwerk? Alt, aber ein zeitloser Klassiker, kann man auch heute noch gut laufen lassen. Was ist mit deutschem Hip-Hop, der ja nicht gerade schlecht im Geschäft ist? Manche Genres werden offenbar von Anfang an ausgenommen.


    Das meiste, was man heute hört, sind in meinen Augen (bzw. Ohren) oft austauschbarer Einheitsbrei. Gut, gibt paar ausländische Musiker, die wirklich großartig sind, die gerne gespielt werden. Aber ansonsten?

  • Ich persönlich halte absolut nichts von einem verordneten Deutschanteil. Das endet letztlich, wie vergangene Zeiten bewiesen haben, eher kontraproduktiv.


    Wer hier, wo ich lebe als "Schallplatten Unterhalter" unterwegs sein wollte, dem wurde vorgeschrieben, dass er 60% deuschsprachige Musik spielen musste. Und dies führte letztlich, egal wie gut teilweise auch diese einheimische Musik war, nur mehr zur Ablehnung durch die Zuhörer.


    Zudem ist es ja so, dass jeder heute weit mehr Möglichkeiten hat, die Musik jederzeit zu hören, die er oder sie mag. Verordnet man jetzt den Radiosendern eine Deutsch-Quote, dann sinken einfach die Zuhörerzahlen und damit letztlich bei Privatsendern die Werbeinnahmen. Die Zuhörer weichen dann eben auf andere Quellen aus.

  • Was ist eigentlich der Grund dafür, daß die deutsche Musik da mehr ein Nischendasein im Rundfunk führen muß?


    Wer sagt denn, dass sie das muss?
    Die Situation ist doch in den meisten Industrienationen gleich: es gibt eine dominante lokale Kultur (Literatur, Musik, Film etc.) und eine dominante englisch/amerikanische Kultur. Der Rest verteilt sich dann gleichmäßig. Man kennt hier nicht jeden in Frankreich oder Schweden bekannten Musiker, aber zumindest die Ausnahmetalente können gegebenenfalls auch hier Fuß fassen und Fans finden. Und natürlich bringen Zuwanderer ihre Kultur (einschließlich der Musik) auch in den deutschsprachigen Raum.


    Das Radio spiegelt genau diese Situation wider. Was ja auch nicht verwundert – es ist das einfache Prinzip von Angebot und Nachfrage. Es gibt ein großes Angebot von privaten und staatlichen Radiostationen und jeder Hörer sucht sich den Kanal, der seinem Musikgeschmack am nächsten kommt. Wenn eine Station hauptsächlich englische Musik spielt, dann weil deren Hören genau dies wollen. Zwangsquoten werden daran nichts ändern – ganz im Gegenteil. In der DDR hat man das ja schon aus ideologischen Gründen versucht und ist gescheitert. Die Leute hören deutsche Musik, wenn deutschsprachige Künstler gute deutschsprachige Musik machen. Ganz einfach!

  • So wie ich es im Kopf habe, gibt es Italien und Frankreich eine Quote und es funktioniert einwandfrei. Weiß da jemand mehr?


    „Ich hänge geradezu mit Leidenʃchaft an der deutʃchen Schrift.“


    Peter Roʃegger, Schriftʃteller

  • Wieso sollten die Leute es nicht mögen, wenn mehr deutschsprachige Musik gespielt wird? Man könnte auch hier sagen, durch die Beschränkung in der Auswahl im Radio wird den Hörern viel vorenthalten. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, daß die Leute da dann gleich den Sender ausmachen, wenn sie deutsche Worte vernehmen.


    Daß englischsprachige Musik gut ankommt, kann auch damit zusammenhängen, daß viele Menschen den Text dort nicht verstehen. Das ist bei deutschsprachigen Sachen eben anders, da kann man den gehörten Text nicht ausblenden. Mit erstgenannten kann man sich hingegen sehr viel besser berieseln lassen.


    Mir fällt als Beispiele gerade das bekannte Lied "Forever Young" ein. Das kann man sich anhören und sagen: Oh, toller Titel, total schön und zum träumen! Da fühlt man sich selbst gleich wieder jung! Wenn man auf den Text mal achtet, ist's da mit der Romantik schnell vorbei. Wer hört schon gerne Lieder, wo's um die Atombombe geht?

  • Wieso sollten die Leute es nicht mögen, wenn mehr deutschsprachige Musik gespielt wird?


    Also eigentlich »mögen« sie es, aber die bösen Radiostationen lassen es nicht zu? ;-)
    Das ist ja eine schöne Verschwörungstheorie. Warum sollen die Leute zu etwas gezwungen werden? Die meisten hier beklagen sich bitterlich über die »auferzwungene« neue Rechtschreibung, aber für die eigenen Sichtweisen ist der Zwang dann wieder in Ordnung? Man muss sich schon entscheiden, wie man es mit der Pluralität hält. ;-)



    Man könnte auch hier sagen, durch die Beschränkung in der Auswahl im Radio wird den Hörern viel vorenthalten.


    Da es hunderte deutsche Radiostationen mit einer riesigen Bandbreite an Musikauswahl gibt, ist das einfach nicht wahr. Es gibt (zum Glück) keinen Deutsch-Zwang im Radio, aber umgekehrt eben auch keinen Englisch-Zwang.

  • Ich habe dir einen konkrete Erklärung geboten, nämlich daß englischsprachige Lieder viel besser als Berieselungsmusik taugen. Hinzu kommt, daß man bei ersteren auch viel kritischere Sachen spielen können, weil die meisten Hörer den Text eh nicht verstehen. Etwa "The Bad Touch" der Bloodhound Gang. Kann man sich gut anhören, musikalisch unterhaltsam. Ich denke, ein deutschsprachiger Text mit gleicher Thematik würde da hingegen Probleme machen ...


    Dann erkläre mir mal, wieso man (zumindest meiner Erfahrung nach) viele bekannte und auch erfolgreiche deutsche Gruppen kaum bis gar nicht im Radio hört. Einen Grund muß es ja geben. An den Verkaufszahlen kann es nicht liegen, denke ich.

  • So? Und woher weißt du, daß es nicht stimmt?


    Ich kann mich etwa nicht erinnern, irgendwo mal Rammstein im Radio gehört zu haben, obwohl's die bekannteste deutsche Musikgruppe im Ausland ist. Halt - als sie in den Charts waren, da wurde mal etwas gespielt. Ansonsten nie. Zufall? Reine Einbildung meinerseits?

  • Natürlich läuft und lief Rammstein im Radio. Singles wie »Engel« liefen rauf und runter als sie veröffentlicht wurden. Für viele Sender (bzw. also deren Publikum) ist die Musik einfach zu hart und passt daher gar nicht ins Programm. Das hat nichts mit der Sprache oder dem Herkunftsland zu tun. Außerdem hängt gerade die Populärmusik – wie du ja selbst schon selbst sagt – mit den Hitparaden zusammen. Oder besser gesagt: mit neuen Veröffentlichen. Wenn keine Singles rauskommen und man keinen Allzeit-Klassiker geschrieben hat, dann wird man auch selten gespielt. Die größten Radiostationen sind eben wie Bestseller-Listen bei Büchern. Da schwimmen nur die ganz großen oben und es gibt keine faire Mischung durch alle Schichten. Aber auch das ist normal und liegt letztlich an der Nachfrage der Hörer. Wer keine Lust auf »das Beste der 80er, 90er und von heute« hat, der schaltet auf Spartensender um. Rammstein wird in diesem Sinne wohl eher auf Hard-Rock-Sendern gespielt werden als bei »Antenne Irgendwas«.


    Oder was möchtest du denn andeuten? Das es irgendeine bewusste Unterdrückung von deutscher Musik gegen die Interessen der Hörer gäbe? Was sollte denn der Grund dafür sein?

  • Natürlich läuft und lief Rammstein im Radio. Singles wie »Engel« liefen rauf und runter als sie veröffentlicht wurden.


    Richtig: Als sie veröffentlicht wurde. Wie sieht es aber danach aus? Wie oft läuft "Engel" heute noch im Radio? Es war ein verdammt gutes Lied, wie ich finde, hat sicherlich genauso Klassiker-Potential wie Titel wie "Boulevard of Broken Dreams".


    Daß manche Musikrichtungen als zu hart gelten, sehe ich ein. Das ist verständlich.


    Aber: Ich habe den Eindruck, daß die Lieder im Radio zum Großteil aus Nordamerika kommen. Wieviel Französisch oder Spanisch hört man denn da? Bis auf "Hijo de luna" fällt mir da gerade wenig ein, was man da mal hört. Es ist also ein deutliches Übermaß von anglo-amerikanischer Musik zu hören. Wir sind aber in Deutschland, nicht in den Staaten. Da kann man schon erwarten, etwas mehr Deutsch zu hören, würde ich sagen? Wenn ich nach Italien fahre, will ich ja auch nicht die ganzen deutschsprachigen Partyknaller rauf- und runterhören, sondern wünsche mir italienische Musik. Ich habe also den Eindruck, es besteht in Deutschland kein großes Interesse an der eigenen Musik.