Brief Anfang 20. Jhdt. - schwere Handschrift

  • Liebe alle,


    Ich habe hier einen handschriftlichen Brief vorliegen. Normalerweise komme ich mit der Kurrentschrift recht gut klar, auch wenn der Schreiber nicht der Säuberlichste ist, aber diesen hier kann ich beim besten Willen nicht entziffern - vielleicht könnt ihr mir helfen? Ich habe auch leider keine bessere Qualität vorliegen :/ Den Anfang konnte ich gerade noch so erraten:


    "Sehr verehrter Herr Professor!


    Vor allem herzlichsten Dank für Ihren lieben Brief! Welche Freude Sie mir damit bereitet haben, wissen Sie vielleicht gar nicht. Als ich S. hierher bat, Ihren... "


    Und da hört es auch schon auf. Ich bedanke mich schon im Voraus, falls sich jemand ans Entziffern wagt.


    Mit den besten Grüßen!

    Dateien

  • Ich bin nun nochmals genau durch den kompletten Brief gegangen, und stelle den Text hier rein, den ich bisher habe, ich wäre wirklich unendlich dankbar, wenn ihr mir bei den Lücken helfen könntet :S




    Sehr verehrter Herr Professor!



    Vor allem herzlichsten Dank für Ihren lieben Brief! Welche
    Freude Sie mir damit bereitet haben, wissen Sie vielleicht gar nicht. Als ich
    S. hierher bat, Ihren „Himmelfahrt“ für „____“ anzubieten, geschah dies in der
    geheimen Hoffnung, das _____ würde Ihre Zustimmung finden. Als Sie dann noch so
    lange gar nicht antworteten, das auch _______ drängen ____, Sie hätten ohnedies
    für 1916 keinen Platz mehr, schien mir dies eine höfliche Ausrede, ich nehme
    an, das _____ hätte Ihnen misfallen nur dies hat _____, ich glaube wirklich
    nicht aus Eitelkeit, _____, je einige Zeit fest an meinem Worte halten irre
    gemacht: denn wenn dem Manne, der Sie sind, mein Brief misfiel, dann war es
    nicht das geworden, was ich mit ihm gewollt hatte, sonst müßte es Ihnen
    gefallen, das wüßte ich. Haben Sie, als ich im Februar bei Ihnen saß, denn
    nicht von meiner Verborgenheit bemerkt, in der ich zwischen dem Wunsche Sie
    _____ zu fragen: Was ist an der „Himmelfahrt“ schlecht? nur der Angst, Ihnen
    ein albern gekränkter Autor zu (?) scheinen, mir keinen Rückweg fand? Und nun
    mögen Sie sich mein Erstaunen, meine Freude, meine Dankbarkeit ausmalen über
    Ihren Brief, der mir unter alten des vielen ____vollen Zeugnissen starker
    Teilnahme, die mir mein Brief eingebracht hat, doch das ___vollste ist, ganz
    davon zu schweigen, daß er für mich auch wenn es mich selber gar nichts
    anginge, vom höchsten geistigen ____ wäre als ein Beispiel der vollkommensten „Einfühlung“
    in ein Werk, von einer kritischen _____ und einer Kraft des regentiven
    Nachgestaltens, wie ich Sie nur noch in den Briefen Schillers über Wilhelm
    Meister aus einigen Briefen Wilhelm von Humboldts an Goethe gefunden habe. Und
    im Lesen erwog ich (da kommt ___ doch die Selbst____ des ____ zum Vorschein!)
    in einem fort, ob ich Sie nicht bitten sollte, dürfte, die von der „Himmelf.“ ____
    Stellen des Briefs irgendwo, mit oder ohne Namen, abdrucken zu lassen. Bevor
    ich mir noch klar worden war, ob eine solche Bitte statthaft, ob sie nicht
    jedenfalls geschmacklos sei, kam ich, weiter behend, dahin, wo Sie selber mir
    eine ____ im „Sachl." was die Absicht, sie vielleicht selbst zu schreiben,
    erkundigen. ____ des ermächtigt mich wohl, Ihnen jetzt zu
    sagen, daß Sie meinen Worten gar keinen größeren Dienst was keine größere _____
    verweisen könnten als _____ Sie einfach Ihren Brief an mich abdrucken (nur
    vielleicht kritische Bedenken, Ausstellungen ____, die die Höflichkeit des
    Briefschreibers unterdrückte, einfach kurz ansägen; Ihr Brief steht jeder Zeit
    zu Ihrer Verfügung).

  • Hat keiner eine Idee? Hier nochmal ein Edit, noch zwei Lücken, Bitte um Hülfe :)




    Sehr verehrter Herr Professor!



    Vor allem herzlichsten Dank für Ihren lieben Brief! Welche
    Freude Sie mir damit bereitet haben, wissen Sie vielleicht gar nicht. Als ich
    S. Fischer bat, Ihnen „Himmelfahrt“ für „Hochland“ anzubieten, geschah dies in
    der geheimen Hoffnung, das Werk würde Ihre Zustimmung finden. Als Sie dann erst
    so lange gar nicht antworteten, und auch wiederholtes Drängen blos, Sie hätten
    ohnedies für 1916 keinen Platz mehr, schien mir dies eine höfliche Ausrede, ich
    nahm an, der Roman hätte Ihnen misfallen und dies hat mich, ich glaube wirklich
    nicht aus Eitelkeit, geschmerzt, ja einige Zeit fast an meinem Werk selber irre
    gemacht: denn wenn dem Manne, der Sie sind, mein Brief misfiel, dann war es
    nicht das geworden, was ich mit ihm gewollt hatte, sonst müßte es Ihnen
    gefallen, das wüßte ich. Haben Sie, als ich im Februar bei Ihnen saß, denn
    nichts von meiner Verlogenheit bemerkt, in der ich zwischen dem Wunsche Sie geradezu
    zu fragen: Was ist an der „Himmelfahrt“ schlecht? und der Angst, Ihnen ein
    albern gekränkter Autor zu scheinen, mir keinen Ausweg fand? Und nun mögen Sie
    sich mein Erstaunen, meine Freude, meine Dankbarkeit ausmalen über Ihren Brief,
    der mir unter allen der vielen wertvollen Zeugnissen starker Teilnahme, die mir
    mein Buch eingebracht hat, doch das wertvollste ist, ganz davon zu schweigen,
    daß er für mich auch wenn er mich selber gar nichts anginge, vom höchsten
    geistigen Interesse wäre als ein Beispiel der vollkommensten „Einfühlung“ in
    ein Werk, von einer kritischen _____ und einer Kraft des rezentiven
    Nachgestaltens, wie ich Sie nur noch in den Briefen Schillers über Wilhelm
    Meister aus einigen Briefen Wilhelm von Humboldts an Goethe gefunden habe. Und im
    Lesen erwog ich (da kommt nun doch die Selbstsucht des Autors zum Vorschein!)
    in einem fort, ob ich Sie nicht bitten sollte, dürfte, die von der „Himmelf.“ handelnden
    Stellen des Briefs irgendwo, mit oder ohne Namen, abdrucken zu lassen. Bevor
    ich mir noch klar geworden war, ob eine solche Bitte statthaft, ob sie nicht
    jedenfalls geschmacklos sei, kam ich, weiter lesend, dahin, wo Sie selber mir
    eine ____ im „Hochl.“ und die Absicht, sie vielleicht selbst zu schreiben, ankündigen. Und des ermächtigt mich wohl, Ihnen jetzt zu
    sagen, daß Sie meinem Werke gar keinen größeren Dienst was keine größere
    Auszeichnung erweisen könnten als wenn Sie einfach Ihren Brief an mich abdrucken
    (nur vielleicht kritische Bedenken, Ausstellungen usw, die die Höflichkeit des
    Briefschreibers unterdrückte, einfach kurz anfügen; Ihr Brief steht jederzeit
    zu Ihrer Verfügung).

  • Beim ersten Wort bin ich mir beim Anfangsbuchstaben nicht sicher. Sieht auf den ersten Blick aus wie ein B, könnte aber auch ein C oder L sein. Das Wort endet mit "...idität". Möglicherweise ist es "Lucidität" (heutige Schreibung: Luzidität).

    »Solange etwas ist, ist es nicht das, was es gewesen sein wird« (M. Walser)

  • Das zweite fehlende Wort ist schwer zu entziffern. Es müßte mit "Besp..." anfangen. Für "sp" siehe im Wort "Beispiel". Der letzte Buchstabe ist mit Sicherheit ein "g". Ich würde, unter Berücksichtigung des Zusammenhangs, auf "Besprechung" tippen, wenn auch der Bogen über dem "u" fehlt.

    »Solange etwas ist, ist es nicht das, was es gewesen sein wird« (M. Walser)

  • Hier mein Transkriptionsversuch, indem ich die Zeilen numeriert habe, um ggf. leichter die Stellen zu finden:


    1 Sehr verehrter Herr Professor!


    2 Vor allem herzlichsten Dank für Ihren lieben Brief! Welche Freude Sie mir damit bereitet haben, wissen Sie vielleicht gar
    3 nicht. Als ich S. Fischer bat, Ihnen „Himmelfahrt“ für „Hochland“ anzubieten, geschah dies in der geheimen Hoffnung,
    4 das Werk würde Ihre Zustimmung finden. Als Sie dann erst so lange gar nicht antworteten, und auch wiederholtes
    5 Drängen blos, Sie hätten ohnedies für 1916 keinen Platz mehr, schien mir dies eine höfliche Ausrede, ich nahm an,
    6 der Roman hätte Ihnen misfallen und dies hat mich, ich glaube wirklich nicht aus Eitelkeit, geschmerzt, ja einige
    7 Zeit fast an meinem Werk selber irre gemacht: denn wenn dem Manne, der Sie sind, mein Brief misfiel,
    8 dann war es nicht das geworden, was ich mit ihm gewollt hatte, sonst müßte es Ihnen gefallen, das
    9 wüßte ich. Haben Sie, als ich im Februar bei Ihnen saß, denn nichts von meiner Verlogenheit bemerkt, in
    10 der ich zwischen dem Wunsche Sie geradezu zu fragen: Was ist an der „Himmelfahrt“ schlecht? und der Angst,
    11 Ihnen ein albern gekränkter Autor zu scheinen, mir keinen Ausweg fand? Und nun mögen Sie sich
    12 mein Erstaunen, meine Freude, meine Dankbarkeit ausmalen über Ihren Brief, der mir unter allen
    13 der vielen wertvollen Zeugnissen starker Teilnahme, die mir mein Buch eingebracht hat, doch das
    14 wertvollste ist, ganz davon zu schweigen, daß er für mich auch wenn er mich selber gar nichts an-
    15 ginge, vom höchsten geistigen Interesse wäre als ein Beispiel der vollkommensten „Einfühlung“ in
    16 ein Werk, von einer kritischen Lucidität[?] und einer Kraft des rezentiven[od. rezeptiven?] Nachgestaltens, wie ich
    17 Sie nur noch in den Briefen Schillers über Wilhelm Meister aus einigen Briefen Wilhelm von
    18 Humboldts an Goethe gefunden habe. Und im Lesen erwog ich (da kommt nun doch die Selbstsucht
    19 des Autors zum Vorschein!) in einem fort, ob ich Sie nicht bitten sollte, dürfte, die von der


    [2. Seite]


    20 „Himmelf[fahrt].“ Handelnden Stellen des Briefs irgendwo, mit oder ohne Namen, abdrucken zu lassen. Bevor
    21 ich mir noch klar geworden war, ob eine solche Bitte statthaft, ob sie nicht jedenfalls geschmacklos sei,
    22 kam ich, weiter lesend, dahin, wo Sie selber mir eine Besprechung[?] im „Hochl[and].“ und die Absicht, sie
    23 vielleicht selbst zu schreiben, ankündigen. Und des ermächtigt mich wohl, Ihnen jetzt zu sagen, daß
    24 Sie meinem Werke gar keinen größeren Dienst was keine größere Auszeichnung erweisen könnten
    25 als wenn Sie einfach Ihren Brief an mich abdrucken (nur vielleicht kritische Bedenken, Ausstellungen
    26 usw, die die Höflichkeit des Briefschreibers unterdrückte, einfach kurz anfügen; Ihr Brief steht jeder-
    27 zeit zu Ihrer Verfügung). //
    28 Es ist mir ein Bedürfnis, Sie mit folgenden Tatsachen bekannt zu machen: ich war bis zu meinem 15.
    29 Lebensjahr fromm, verlor dann den Glauben, hatte um die dreißig einen Anfall von religiöser Sehnsucht
    30 (unter dem Einfluß der Bücher Hellers[od. Herders?]), geriet in eine mysticierende Epoche (viel Meister Eckart und Tauler),
    31 vor der ich mich mit Vierzig in einen vagen, vermeintlich Goethischen Monismus „rettete“, begann
    32 1909 mich ernsthaft mit dem Glauben, dem ich durch meine Geburt angehöre, wieder zu beschäftigen, bin
    33 seit 1913 ein seine Pflichten erfüllender (so weit ich kann – der Wille ist jedenfalls da) Katholik und[?]
    34 verdanke dem häufigen Empfang des allerheiligsten Alterssakraments [od. Altarssakraments?] sehr viel. Über dies alles
    35 könnte besser als ich selbst der Salzburger Weihbischof Dr. [od. Hr. od. Sr.?] Ignaz Rieder Auskunft geben.
    36 Das in meinem Roman der Autor selber niemals ein „Bekenntnis“ ablegt, hat nur
    37 den einen Grund, daß dies meiner Romantechnik völlig widersprechen würde. Damit man
    38 meinem neuen Stücke, der „Stimme“, die auch das Problem des Glaubens behandelt, nicht
    39 denselben Vorwurf mache, wird die Buchausgabe eine „Widmung“ an S. Heribert Holz erhal[ten] …

    5 Mal editiert, zuletzt von Mulan ()

  • Vielen Dank Graf Wronsky und Mulan für eure Mühe und Hilfe! Beim zweiten Wort hätte ich tatsächlich nun auch auf Besprechung getippt, wegen des Zusammenhangs. Lucidität klingt für mich auch nachvollziehbar, es ist aber wirklich schwer zu erkennen... aber das hilft mir auf jeden Fall schon weiter! Danke danke! :-)