mal wieder ein kurrent-maulwurf ohne durchblick - kann mir jemand helfen?

  • liebe forumsmitglieder,


    seit einigen tagen bin auch ich meinen ahnen auf der spur und habe darum heute den ganzen tag alte kirchenbücher gewälzt.
    gezwungenermaßen musste ich mich also mit der kurrent beschäftigen und bin mithilfe eines ausgedruckten schriftmusteralphabets auch recht weit gekommen. als blutiger anfänger jedoch entziehen sich einige wörter völlig meiner entzifferungswut.
    vorallem eines macht mir echt zu schaffen, weil es sich vermutlich
    um einen eigennamen handelt
    oder
    (aber das ist der gipfel der spekulationen)
    um eine herkunftsbezeichnung, z.b. um den namen eines bewohners einer fremden stadt o.ä.?


    der besagte name kommt in zwei taufdokumenten vor und ist das "s" betreffend in zwei varianten geschrieben.
    die wörter enden auch in verschiedener weise.


    in den beiden angehängten dokumenten habe ich die stellen markiert und auch notiert, weshalb der gedanke der herkunftsbezeichnung
    aufkam.


    vielleicht bin stehe ich ja auch völlig auf dem schlauch und die lösung ist total simpel??


    über einen profi-support würde ich mich riesig freuen.


    mit dank und vielen grüßen:
    katho

  • 350 Pixel sind für so ein mehrzeiliges Bild einfach eine zu grobe Auflösung, dein Erklärungstest besteht da nur noch aus so wenigen Pixeln, dass man selbst den nur erraten kann, geschweige die etwas verwachsene Schreibschrift.


    Lade die Bilder also besser bei einem Bilderdienst, wie imageshack.us hoch und verlinkte das hier, das erleichtert das Lesen sehr.

  • Geb. Reisin
    Reise
    geb. Reißin
    Reiße


    steht in Deinen Kästchen. Frauen bekamen an den Nachnamen ein -in angehängt, solche Endungen gibt es noch heute in slawischen Sprachen. Früher war das bei uns auch üblich.

  • hab liebenlieben dank für deine antwort!


    wie sicher bist du dir bei deiner entschlüsselung?


    könnte das geschriebene auch etwas anderes darstellen?


    bei der endung -sin, bzw. -ßin würde ich auch mitgehen.


    aber der anfangsbuchstabe verwirrt mich so ziemlich.

  • Es iſt auch nach meiner Sicht eindeutig R. Zuerſt ſah ich noch K als eventuelle Alternative, aber K ſchreibt der Verfaſſer in anderen Wörtern völlig anders.


    Außerdem: Es kommt der Ort „Nieder-Roßla“ (Ort bei Weimar, heutige Schreibweiſe „Niederroßla“) vor. Hier verwendet der Schreiber die gleiche Form für R.


    „Ich hänge geradezu mit Leidenʃchaft an der deutʃchen Schrift.“


    Peter Roʃegger, Schriftʃteller

  • ok, stimmt. mit dieser argumentation hast du natürlich völlig recht.


    gut, dann bedanke ich mich sehr für eure hilfe und arbeite mit der "reisin"-erkenntnis weiter.


    großartig, dass ihr mir geholfen habt! merci!!!! :)

  • Nebenbei bemerkt. war es noch vor nicht einmal 100 Jahren so, dass Namen oft so eingetragen wurden, wie der eintragende diese verstanden hat. also durchaus mal mit ſ mal mit ß für ein stimmloses s. Ähnliches hatte ich in meiner Familie,. meine Mutter ist Hildegard Peyk, ihr Bruder Gustav schrieb sich auch Peyk, ihr Bruder Herbert aber, den meine Urgroßmutter im Standesamt angemeldet hatte, und da sie aus Ostpreußen, unweit der polnischen Grenze wohnte, und so besser polnisch als deutsch konnte, schrieb sich dann mit i Peik. Auf den Fehler angesprochen, der sich dann nicht mehr korrigieren ließ, meinte sie trocken "wszystko jedno"...


    Dies hat sie offensichtlich oft benutzt, denn auch meine Mutter sagte dies, wenn ihr was daneben ging. Ich hatte das nie verstanden... ;(

  • Nun haſt Du mich und vielleicht auch andere neugierig gemacht, was "wszystko jedno" heißt. Im Netz habe ich in einem Wörterverzeichnis „ganz egal“ (wörtlich „alles eins“) gefunden.


    „Ich hänge geradezu mit Leidenʃchaft an der deutʃchen Schrift.“


    Peter Roʃegger, Schriftʃteller

  • Richtig!


    Es hat in meiner Neugier auch Ewigkeiten gedauert. Die Schreibweise im Polnischen ist ja für deutsche doch recht komplex. Und so dauerte es eben bis ich mit 58 ein kleines Android-Tablett in den Fingern hatte - mit Spracheingabe für die Google-Suche, bei der man auch die Suchsprache einstellen kann.


    Ich hatte mir das mit der Übersetzung zwar auch so gedacht, aber ich glaube sogar, dass meine Mama das auch nicht so 100% wusste.


    Dieser Einschub war ja jetzt doch etwas Off Topic, der Ausflug nach Polen aber nicht, denn hier ist die Endung am Familiennamen der Frau noch üblich.


    Diese Endung kommt ja eigentlich aus der Praxis, dass die Frau den Namen des Ehemanns übernimmt - auch schon zu Zeiten, als es offiziell keine Familiennamen gab.


    So war Hans, der Sohn von Hendrik war dann Hans Hendriksson, und seine Frau Gesche, dann die Hendrikssonsche. also die zu Hendriks Sohn gehörende.

  • Also das Weimarer Land ist ja nicht Polen, wobei man gewissen, rustikalen Parallelen nicht die Berechtigung absprechen kann.


    Aber könnte da nicht vielleicht Reuß statt Reiß stehen? Nur so ein Gedanke.