Altdeutsche Sprache 18. Jahrhundert; Anrede

  • Hallo!


    Hier im Forum wird ja der Fokus mehr auf die (alt)deutsche Schrift gelegt. Ich bin aber immer auf der Suche nach altdeutscher Sprache, primär der Zeitbereich vor 1800 (18. Jahrhundert allgemein). Interessieren tue ich mich dabei hauptsächlich für die Anrede untereinander. Mit Beginn ca. 1780, regional sicherlich etwas unterschiedlich, rückte der Bürger/das Bürgertum immer mehr in den Vordergrund und damit einhergehend der Adelsschwerpunkt in den Hintergrund, sodass die Anrede in der dritten Person verschwand.


    Aber gerade diese Form der Anrede, also zeitlich vor 1780, interessiert mich als Autor für historische Romane besonders. Es wäre zu einfach, die Anrede blind in der 3. Person zu verwenden. Filigrane Feinheiten der Schichtenzugehörigkeit oder die Sprache im Gebrauch innerhalb gleicher Schichten sind in der Anwendung mehr oder weniger stark zu unterscheiden.


    Da es in dieser Forum-Rubrik um Sprache geht, frage ich einfach einmal:

    Kennt da jemand die eine oder andere Internetseite, auf der man sein Wissen hierzu bereichern kann?

  • Für die Schriftform gibt es Briefstellerverzeichnisse, die oft sowas mit abhandeln. Der mündliche Gebrauch läßt sich davon vielleicht ableiten.
    Mein ältester Briefsteller ist von 1760, ältere gibt es aber auch. Im Internet weiß ich dazu nichts, aber in Bibliotheken gibt es sowas. In der SLUB in Dresden ist mir einmal eines in die Hand gefallen, die Franckeschen Stiftungen in Halle haben da einiges.

  • Bürgerliche haben Adelige damals gerne mit "Ihro Gnaden" angeredet, damit konnten sie nicht viel falschmachen und ersparten sich die Kenntnis der komplizierten Titel und Höflichkeitsanreden (wie z. B. "Hochwohlgeboren", das ja heute noch in Abkürzung auf dem Briefumschlag zuweilen üblich ist).


    Arpad

  • Mit Beginn ca. 1780, regional sicherlich etwas unterschiedlich, rückte der Bürger/das Bürgertum immer mehr in den Vordergrund

    Woher kommt das? In welchen Vordergrund rückte welcher Bürger? Wir haben freie Reichsstädte, in denen das aristokratisch geprägte Bürgertum sehr viel länger schon als freie "Klasse" agierte, wobei auch nicht alle Stadtbewohner Bürger waren. Einen Bürger im staatsbürgerlichen Sinne kann man eigentlich in einem Ständestaat, egal welcher regionalen Prägung nicht antreffen, denn welches Staatswesen vor 1780 berechtigte ihn bitte als Bürger vor dem Gesetz gleich? Mit viel gutem Willen vielleicht die Niederlande oder die USA. Bürger ist mittlerweile ein hochproblematischer Begriff in der Forschung und hat lang nicht mehr diesen sorglosen, kontinuitiven Klassenaspekt im Sinne der modernen Gesellschaftgeschichte der 70er Jahre. Abgesehen von einigen Unternehmern auf dem Land, wüsste ich nicht, wo sich um 1780 groß Adlige und Bürger begegnen sollten. Es sei denn, wir befänden uns in Preußen, wo gerne mal herumgeadelt wurde, wenn sich ein bürgerlicher Beamter (meint einen Menschen ohne Stand) verdient gemacht hatte.