Virgel

  • Ich habe vor, in nächster Zeit eine Frakturschrift nach einem Buch dass um das Jahr 1700 herum gedruckt wurde, zu digitalisieren.


    Dabei bin ich auf folgendes Problem gestoßen, und frage hier nach eurer Meinung, wie ich das machen sollte.


    In der Zeit um 1700 hat man in Büchern, die in Frakturschrift gedruckt wurden statt der Kommas so genannte Großer Virgeln verwendet. Dies waren im Wesentlichen Schrägstriche, jedoch mit dem Unterschied dass diese ein wenig kleiner als die in modernen Schriftarten verwendeten Schrägstriche sind. Sie reichte nur knapp über die x-Höhe hinaus und auch nur ein wenig unter die Grundlinie, während der richtige/ja sogar noch etwas größer als Versalhöhe ist. Also frage ich mich, soll ich diese Virgel jetzt anstelle des Kommas in die Schrift einbauen, so dass die richtige Benutzung sehr einfach ist und an der Position des normalen Schrägstriches dann die große Variante setzen oder haltet ihr es für besser, wenn ich hierfür lieber den Schrägstrich ersetze?




    Und dann habe ich noch eine zweite Frage, die für mein Schriftenprojekt natürlich nicht unbedingt wichtig ist. Damals war es üblich, am Ende der Seite unterhalb des Satzspiegels, ein ganz klein wenig nach rechts versetzt schon einmal die erste Silbe der nächsten Seite abzudrucken, so dass man beim vorlesen diese Silber schon einmal aussprechen kann während man noch die Seite umblättert. Ich finde das beim Lesen alter Bücher eigentlich recht angenehm, auf diese Art schon auf die nächste Seite vorbereitet zu sein und so praktisch ohne Unterbrechung lesen zu können. Weiß jemand wie sich dieses nennt, und wann und warum dieses aus der Mode gekommen ist?

  • Also frage ich mich, soll ich diese Virgel jetzt anstelle des Kommas in die Schrift einbauen, so dass die richtige Benutzung sehr einfach ist und an der Position des normalen Schrägstriches dann die große Variante setzen oder haltet ihr es für besser, wenn ich hierfür lieber den Schrägstrich ersetze?


    Sie sollte an der Stelle des Kommas eingebaut werden. Siehe http://rainer-seitel.onlinehome.de/unicode-de.html. (In dem umfangreichen Text nach "Vigel" suchen.)


    Damals war es üblich, am Ende der Seite unterhalb des Satzspiegels, ein ganz klein wenig nach rechts versetzt schon einmal die erste Silbe der nächsten Seite abzudrucken, so dass man beim vorlesen diese Silber schon einmal aussprechen kann während man noch die Seite umblättert. Ich finde das beim Lesen alter Bücher eigentlich recht angenehm, auf diese Art schon auf die nächste Seite vorbereitet zu sein und so praktisch ohne Unterbrechung lesen zu können. Weiß jemand wie sich dieses nennt, und wann und warum dieses aus der Mode gekommen ist?


    Dieser Frage schließe ich mich an und frage zusätzlich: Gibt es dafür schon eine Lösung in (La)TeX, die das automatisch generiert?

  • Zitat von »PeterWiegel«
    Damals war es üblich, am Ende der Seite unterhalb des Satzspiegels, ein ganz klein wenig nach rechts versetzt schon einmal die erste Silbe der nächsten Seite abzudrucken, so dass man beim vorlesen diese Silber schon einmal aussprechen kann während man noch die Seite umblättert. Ich finde das beim Lesen alter Bücher eigentlich recht angenehm, auf diese Art schon auf die nächste Seite vorbereitet zu sein und so praktisch ohne Unterbrechung lesen zu können. Weiß jemand wie sich dieses nennt, und wann und warum dieses aus der Mode gekommen ist?



    Dieser Frage schließe ich mich an und frage zusätzlich: Gibt es dafür schon eine Lösung in (La)TeX, die das automatisch generiert?


    Dann will ich mir mal selbst antworten: Diese Silbe nennt sich auf deutsch "Kustode" oder "Blatthüter" und auf englisch "catchword". Sie ist mit der Einführung des industriellen Buchdrucks aus der Mode gekommen. Und natürlich gibt es dafür auch schon ein LaTeX Paket namens "fwlw".

  • Danke für die wirklich guten Infos. Wenn ich mich also an die Schrift heran mache, werde ich das berücksichtigen. Auch das mit dem Blatthüter kannte ich noch micht, Und ja, es ist verständlich, das dies dem Buchbinder hilft, aber auch beim Lesen, besonders beim lauten Vorlesen ist das eine tolle Hilfe, da so durch das Umblättern keine Pause eintritt.