Netzfunde und neue Fonts: Schriften in Fraktur und Kurrent

  • Das soll mal ein Sammelstrang werden, für Schriftvorstellungen und -funde im Internet. Also letztlich so etwas wie eine Link-Sammlung.


    Und das will ich auch gleich mal starten, mit einer wirklich schönen, und sogar in Grundzügen UNZ1-gerechten Kurrent-Schrift, die leider einben etwas falschen Namen bekommen hat:


    GL-Suetterlin


    denn eine von Sütterlin gestaltete Schrift ist sie nicht, aber so ist das, wenn alle Welt zu jeder Kurrentschrift "Sütterlin" sagt..
    Drauf gestoßen bin ich durch ein Buch, das ich heute aus Japan im Briefkasten hatte. eine Font und Clipart-Sammlung, in der eben auch Schriften von mir und von Dieter Steffmann drin sind. Und hier fand sich dann auch die GL Suetterlin, die man hier auf dieser japanischen Sourceforge-Seite findet (neben anderen Schrifen, wie einer tollen Version der deutschen Nummernschid-Schrift und eben japanischen Fonts:


    http://gutenberg.sourceforge.jp/font/en.html
    [Blockierte Grafik: http://www.peter-wiegel.de/inhaltgrafik/gls.png]


    Da es sich hier offiziell um eine OpenSource-Schrift handelt, werde ich fehlendes für die in Vorbereitung befindliche UNZ1-Erweiterung gleich mal einbauen. auch musste ich das c in der ch und ck-Ligatur ein wenig korrigieren, da hier das c das Häken hat. Immerhin sind die wichtigsten Ligaturen aber schon drin, und sogar auf dem richtigen Codeplatz! (leider doch nicht :-( ch und ck und ch war auf anderen PUA-Plätzen, ich habe sie aber auf meiner Seite jetzt UNZ1-gerecht in der Rubrik Fonts2 ganz unten auf meiner Seite)


    ich werde diese Schrift dann auch bei mir unter Fonts2 unterbringen

    Einmal editiert, zuletzt von PeterWiegel ()

  • Die Optik der Schriften von alterlittera gefällt mir sehr gut.
    Leider werden ich sie für meine Zwecke dennoch nicht gebrauchen können, weil sie aus mir unerfindlichen Gründen keine Unicode-Codierung haben, und deren Lizenz auch keinerlei Bearbeitung zuläßt. Daß die Lizenz eine Verwendung auf Webseiten etc. unmöglich macht, ist hingegen bei kommerziellen Fonts natürlich normal (für meine Interessen trotzdem schade).


  • Leider werden ich sie für meine Zwecke dennoch nicht gebrauchen können, weil sie aus mir unerfindlichen Gründen keine Unicode-Codierung haben, und deren Lizenz auch keinerlei Bearbeitung zuläßt. Daß die Lizenz eine Verwendung auf Webseiten etc. unmöglich macht, ist hingegen bei kommerziellen Fonts natürlich normal (für meine Interessen trotzdem schade).


    Da es sich anbietet: http://www.karstenundschubert.…_Schutz_von_Schriften.pdf


    (Für jene, die wissen wollen, was an Schriften geschütz bzw. schützbar ist und was nicht.)

  • Ich habe mir mal die Mühe gemacht, bei 1001fonts.com - jenem Portal, bei dem inzwischen auch Dieter Steffmann seine Fonts anbietet - nachzuschauen, ob es was interessantes gibt:


    1. Oldania ADF Std. Der Font steht unter GPL, ist also "frei" und modifizierbar.
    2. New Rocker Regular. Der Font steht unter SIL OFL, ist also auch "frei" und modifizierbar.
    3. Black Chancery. Der Font ist PB, also "frei" und modifizierbar.


    Ich habe mich auf jene Fonts beschränkt, die modifizierbar sind. (ohne Gewähr, dass die Liste vollständig ist.)

  • Font Squirrel bietet einige Fraktur Fonts von Paul Lloyd als Freeware an:


    1. Genzsch Et Heyse
    2. PlainBlack
    3. Portcullion
    4. Proclamate
    5. Teutonic No1
    6. Zenda


    Die Fonts dürfen (und müssen, wenn man sie gebrauchen will) modifiziert werden. Sie beinhalten zwar das lange s und die wichtigsten Ligaturen, aber sie haben keine Umlaute!


    Nachtrag:
    Bei "Genzsch Et Heyse" handelt es sich um die Renaissance Fraktur von Heinz König von 1885; bei "PlainBlack" um die Black Condensed No 55 der American Type Founders Company um 1900; bei "Proclamate" um die allseits bekannte Mainzer Fraktur und bei Teutonic No 1 um die gleichnamige Schrift der American Type Founders Company um 1900. "Portcullion" und "Zenda" habe ich auf die Schnelle nicht identifizieren können.

    Einmal editiert, zuletzt von CHR ()

  • Die Fonts dürfen (und müssen, wenn man sie gebrauchen will) modifiziert werden. Sie beinhalten zwar das lange s und die wichtigsten Ligaturen, aber sie haben keine Umlaute!


    Na, das klingt ja fast wie ein Auftrag, Zumal Genzsch & Heyse ja noch ne Gießerei aus meiner kalten Heimat ist...

  • Interessant, aber leider, wenn man sich nicht zum Kauf entscheidet, Crippleware. Die Gutenberg-Schrift kommt nur mit Kleinbuchstaben, die Koch-Kurrent enthält kein ſ, wobei hier auch keine komplette Kaufversion angeboten wird, schade, denn die Konturen sind schon sauber bearbeitet.

    Einmal editiert, zuletzt von PeterWiegel ()

  • Gestern habe ich von einem meiner Nachbarn eine Computerbild-CD geschenkt bekommen. Es ist schon eine etwas ältere Ausgabe, die CD Nummer 22 aus dem Jahr 2012. Auf dieser CD befindet sich eine Promotions-Version des Softmaker Schriftenpakets "Megafont" mit insgesamt 53 TrueType Fonts von wirklich exzellenter Qualität. Es sind 20 verschiedene Schriftarten, von denen die Antiquaschriften in bis zu sieben unterschiedlichen Schnitten vorliegen.


    Darunter befinden sich auch drei Frakturschriften: die Breitkopf Fraktur, Theuerdank Fraktur und Wilhelm Gotisch.


    Ich hatte mir vor einiger Zeit schon einmal Frakturschriften dieses Herstellers angeschaut und war damals alles andere als begeistert, so habe ich diese Schriftarten natürlich sofort in meinem Font Bearbeitungs Programm geöffnet und war angenehm überrascht!


    Die Schriften sind nicht nur sauber bearbeitet und haben sehr präzise gezeichnete Konturen sondern sind darüber hinaus auch mit den wichtigsten Ligaturen ausgestattet. Was mich dabei besonders gefreut hat, diese Ligaturen liegen genau auf den Unicode-Plätzen unserer Frakturnorm UNZ1. Darüber hinaus enthalten sie alternative Formen der deutschen Umlaute mit einem kleinen übergesetzten e anstelle der Umlautpunkte. Ich bin sehr am überlegen, ob man die hier verwendeten Uniucode-Plätze nicht sogar auch in die Norm aufnehmen sollte. Auch überlege ich, ob ich mich mit meinen Schriften hier an die Praxis dieser Firma an gleiche, denn auch ich bin schon einmal gefragt worden ob ich nicht in meine Schriften auch diese Form der deutschen Umlaute aufnehmen könnte. Zusätzlich enthält die Schrift auch eine ſp-Literatur, über deren Notwendigkeit ich jedoch nicht ganz im klaren bin.


    Für Software, welche OpenType-Funktionen unterstützt ist in den Fonds eine einfache Ligaturenersetzung enthalten:


    feature liga { # Standard Ligatures
    # Latin
    sub longs c h by longs_c_h;
    sub longs longs by longs_longs;
    sub longs p by longs_p;
    sub longs t by longs_t;
    sub c h by c_h;
    sub c k by c_k;
    sub f f l by f_f_l;
    sub f f by f_f;
    sub f i by fi;
    sub f l by fl;
    sub f t by f_t;
    sub t t by t_t;
    sub t z by t_z;
    language AZE exclude_dflt; # Azeri
    sub longs c h by longs_c_h;
    sub longs longs by longs_longs;
    sub longs p by longs_p;
    sub longs t by longs_t;
    sub c h by c_h;
    sub c k by c_k;
    sub f f l by f_f_l;
    sub f f by f_f;
    sub f l by fl;
    sub f t by f_t;
    sub t t by t_t;
    sub t z by t_z;
    language TRK exclude_dflt; # Turkish
    sub longs c h by longs_c_h;
    sub longs longs by longs_longs;
    sub longs p by longs_p;
    sub longs t by longs_t;
    sub c h by c_h;
    sub c k by c_k;
    sub f f l by f_f_l;
    sub f f by f_f;
    sub f l by fl;
    sub f t by f_t;
    sub t t by t_t;
    sub t z by t_z;
    } liga;


    Diese nimme allerdings keine Rücksicht auf Wortfugen, man muss also selber an entsprechenden Stellen den ZWNJ einfügen.


    Bie langes ſ - Ersetzung ist hier nur über Stylistic Alternates durchgeführt, und ersetzt dann einfach alle kleinen s durch ſ, sowie den Bindestrich durch die Tilde und die deutschen Umlaute durch die Alternativform mit dem übergesetzten kleinen e. Eine einzelne Auswahl vorgesehen, ebenso wenig wie eine kontextabhängige Ersetzung. Apple und Linux Nutzer haben wir hier kein Problem, das ſ über die Tastatur einzugeben, für Windows Benutzer würde ich in diesem Falle meinen geänderten Tastaturtreiber empfehlen.



    Was dieses positive Bild ein klein wenig einschränkt, ist die Tatsache, dass zwei Ligaturen für einen Standard Frakturschriften Bestand gemäß UNZ1S nicht enthalten sind: ſi und ll. ;( Ich werde mal versuchen mit diesen Leuten in Kontakt zu treten, diese beiden Ligaturen nachträglich hinzuzufügen ist ja kein Problem.


    Abgesehen von diesem kleinen Manko ist das Angebot durchaus interessant, bietet dieser Hersteller doch ein Paket mit 20 sehr schönen Frakturschriften für gerade einmal 19,95 € – ich finde ein wirklich fairer Preis! Jetzt ist

  • Darüber hinaus enthalten sie alternative Formen der deutschen Umlaute mit einem kleinen übergesetzten e anstelle der Umlautpunkte. Ich bin sehr am überlegen, ob man die hier verwendeten Uniucode-Plätze nicht sogar auch in die Norm aufnehmen sollte. Auch überlege ich, ob ich mich mit meinen Schriften hier an die Praxis dieser Firma an gleiche, denn auch ich bin schon einmal gefragt worden ob ich nicht in meine Schriften auch diese Form der deutschen Umlaute aufnehmen könnte.


    Ich weiß nicht auf welche Plätze Softmaker die Umlaute mit übergesetzten e gelegt hat, aber um völliges Chaos zu vermeiden, sollte man sich auch in diesem Fall an MUFI halten: MUFI 3.0. (Sollte sich Softmaker an MUFI 3.0 halten, seien sie dafür gelobt.)


    Für Software, welche OpenType-Funktionen unterstützt ist in den Fonds eine einfache Ligaturenersetzung enthalten:


    Diese nimme allerdings keine Rücksicht auf Wortfugen, man muss also selber an entsprechenden Stellen den ZWNJ einfügen.


    Der angegebene Code wird schon unter Microsoft Produkten nicht funktionieren, da Microsoft ZWJ, ZWNJ und Ligaturen anders (und wohl richtiger) interpretiert als z.B. der Firefox. Aber selbst mit Produkten, die den Code ausführen (z. B. XeTeX), kann man damit nichts anfangen, da zwischen den einzelnen Ligaturgruppen nicht differenziert wird. Hier gibt es für die Macher von Softmaker noch viel zu verbessern.


    Abgesehen von diesem kleinen Manko ist das Angebot durchaus interessant, bietet dieser Hersteller doch ein Paket mit 20 sehr schönen Frakturschriften für gerade einmal 19,95 € – ich finde ein wirklich fairer Preis!


    Softmaker bietet jeden Monat eine ihrer Schriften unter freefont.de kostenlos an. Vor einiger Zeit war das mal die Breitkopf. Zur Zeit (April 2013) wird kostenlos eine Schrift namens "Sprint" angeboten.

  • Ich weiß nicht auf welche Plätze Softmaker die Umlaute mit übergesetzten e gelegt hat, aber um völliges Chaos zu vermeiden, sollte man sich auch in diesem Fall an MUFI halten: MUFI 3.0. (Sollte sich Softmaker an MUFI 3.0 halten, seien sie dafür gelobt.)


    Na, dann möchte ich mal dafür sorgen, das die ihren gerechtfertigten Lob auch bekommen: Ja, sie halten sich an MUFI 3.0.

  • Hallo Herr Wiegel,


    jetzt wollte ich einmal die von Ihnen modifizierte GL Sütterlin aus Japan ausprobieren, aber irgendwie funktioniert sie nicht. Mit einem Font-Viewer finde ich sie im Windows\Fonts Ordner, aber nicht im Windows Explorer. Natürlich kann ich sie auch von keinem Programm aufrufen. Mein Betriebssystem ist Windows 7 mit 64 bit. Woran kann das liegen?


    Besten Dank im Voraus für Ihren Tipp,
    Fritz Lange

  • Ich habe dies vor etwa einer Woche schon von anderer Seite gehört. Ich selber habe allerdings (auch auf Windows7 allerdings 32bit) das Problem nicht. Ich habe mir gerade zusätzlich ein Linux-System aufgesetzt,um das Problem mit Fontforge anzugehen,da ich in Fontlab nichts finden konnte, was dieses seltsame Verhalten auslösen könnte. Ich werde auch hier über meine Erkenntnisse berichten und wenn ich eine Lösung gefunden habe die Schrift auf meiner Seite austauschen.


    Mal sehen,generell ist FontForge deutlich pingeliger, wenn es um Fehler im Font geht und findet selbst in Fonts, die vom Microsoft Font Validator als OK bezeichnet werdfen noch das kleinste Haar in der Suppe.


    Gut möglich,dass sich in irfend eine Opentype Table ein japanisches Zeichen rein gemogelz hat,das die Anzeige verhindert... wer weiß...