Althochdeutsch - die älteste Stufe unserer deutschen Sprache.

  • Ich interessiere mich seit geraumer Zeit für Althochdeutsch, welches die älteste Stufe unserer Sprache darstellt. Gesprochen: Ca. im Jahre 600 - 1050. Danach folgte Mittelhochdeutsch 1050 - 1350, dann Frühneuhochdeutsch 1350 - 1650, und das heutige Neuhochdeutsch 1650 - bis heute. Auf die Dialekte gehe ich jetzt nicht ein.


    Vor dem Althochdeutschen sprach man hierzulande Gemeingermanisch (das sicherlich auch gewisse Dialekte hatte). Genauer gesagt: Aus dem Indogermanischen entstanden vor 2500 Jahren die Sprachfamilien Germanisch, Keltisch (große Verbreitung ganz früher auch in Deutschland), Slawisch und noch einige mehr. Aus dem Gemeingermanischen entwickelte sich dann Althochdeutsch, Altsächsisch (Altniederdeutsch), Altenglisch, Altnordisch usw.


    Das was das Althochdeutsche von den anderen Altstufen/alten germanischen Sprachen (Altenglisch, Altsächsisch) besonders unterscheidet, ist die hochdeutsche Lautverschiebung - z. B. wurde p zu ff - (Siehe heute Englisch: Ship - auf Deutsch: Schiff). Aber es gibt im Althochdeutschen im Gegensatz zum Altenglischen oder Altsächsischen auch eine beibehaltene, aus dem Germanischen erhaltene Besonderheit: Die starken Endsilben/Nebensilben. Viele Wörter enden auf o oder un. Ich habe den Eindruck, dass das Althochdeutsche sich sehr zum reimen eignet. Es klingt ein bisschen wie Elbisch aus dem Film "der Herr der Ringe".


    Hier ein Tonbeispiel: http://www.youtube.com/watch?v=wC_BTrC_uNU


    Hier ein Lied (das berühmte Hildebrandslied - Althochdeutsch mit Altsächsischen Anteilen, gesungen von Menhir): http://www.youtube.com/watch?v=jCOCiXk6ZMM


    In den obigen Beispielen sind bestimmt ein paar Aussprachefehler enthalten (wobei sich die alte Stufe auch nur rekonstruieren lässt).


    In meiner Freizeit versuche ich mir diese alte Sprachestufe beizubringen. Leider fand ich bisher nur Lehrbücher, die nur die Grammatik behandeln oder den historischen Hintergrund. Und ich schlage mich derzeit mit Schützeichels Wörterbuch herum, um ein paar Vokabeln einzuverleiben. Aber das ist alles recht anstrengend ohne richtiges Rundum-Lehrbuch.

  • Nun weiß ich nicht, ob für Dich die folgenden Netzverbindungen hilfreich ſein können. Möglicherweiſe kennſt Du ſie ja ſowieſo ſchon alle.


    Vielleicht iſt bei ZVAB etwas dabei - auch wenn alle Bezeichnungen „Grammatik“ lauten. Eine dieſer Grammatiken wird zumindeſt vom Händler auch als Lehrbuch bezeichnet; es hat 342 Seiten und iſt erſchwinglich.


    Außerdem:


    http://www.koeblergerhard.de/ahdwbhin.html


    http://www.koeblergerhard.de/g…rbuch/neuenglisch-ahd.pdf


    http://de.wikisource.org/wiki/…%C3%BCcher#Althochdeutsch


    http://texte.mediaevum.de/ahd.htm


    „Ich hänge geradezu mit Leidenʃchaft an der deutʃchen Schrift.“


    Peter Roʃegger, Schriftʃteller

  • Ah vielen Dank Kurrentschriftfreund! Nein, die Verweise kannte ich noch nicht. Eines der aufgeführten Bücher habe ich schon.


    Übrigens stieß ich im Netz auf einen Mann namens Erhard Landmann. Ich weiß nicht, ob ich alles verstanden habe, aber er ist wohl der Meinung, daß Hieroglyphen und ähnliches von den allgemein anerkannten Wissenschaftlern falsch entschlüsselt wurden, und das die Hieroglyphen von den Ägyptern, Maya usw. - ja im Prinzip alle Sprachen - auf eine Ursprache zurückgehen. Und das soll Althochdeutsch sein - die Ursprache der Menschheit! Bei Amazon gibts sein Buch zu kaufen und auf Youtube geistert dieses über 20 Jahre alte Video rum: http://www.youtube.com/watch?v=vLTpGxygh9c


    Das o. g. Video sah ich mir nur teilweise (sehr lang) an. Und das Althochdeutsch die Ursprache sein soll, las ich auf einer anderen Netzseite, die sich aber auf Landmann bezieht. Ich jedenfalls, glaube an die übliche Lehrbuchmeinung (siehe mein 1. Beitrag), da ich es selber nicht besser weiß, sie mir aber auch logisch erscheint. Aber die Idee, daß Althochdeutsch der Menschheit Ursprache sein soll, ist zumindest interessant. Kennt jemand was über den Herrn Landmann? Verbirgt sich dahinter rechte Ideologie, oder nur jemand mit einer ziemlich anderslautenden Meinung?

  • Ich interessiere mich seit geraumer Zeit für Althochdeutsch, welches die älteste Stufe unserer Sprache darstellt. Gesprochen: Ca. im Jahre 600 - 1050. Danach folgte Mittelhochdeutsch 1050 - 1350, dann Frühneuhochdeutsch 1350 - 1650, und das heutige Neuhochdeutsch 1650 - bis heute. Auf die Dialekte gehe ich jetzt nicht ein.


    Die Dialekte sollte man allerdings nicht vernachlässigen. Das klassische Mittelhochdeutsch ist nämlich eigentlich nicht die Vorstufe der neuhochdeutschen Sprache, sondern die Vorstufe der modernen alemannischen Dialekte. Diese Dialekte unterscheiden sich folglich auch weit weniger vom klassischen Mittelhochdeutsch als es die neuhochdeutsche Sprache tut. Die neuhochdeutsche Sprache beruht ihrerseits auf anderen Dialekten (sächsischen und bairischen), die ihr bereits zu mittelhochdeutsche Zeit glichen. Der deutliche Unterschied zwischen Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch liegt also nicht einfach daran, dass sich die Sprache deutlich verändert hätte, sondern zu einem grossen Teil daran, dass andere Dialekte massgeblich geworden sind. Fürs Althochdeutsche lassen sich mutandis mutatis ähnliche Beobachtungen anstellen.


    PS: Dieser Landmann ist offensichtlich ein ähnliches Kaliber wie die Flat Earth Society oder Fomenkos neue Chronologie. Ich meine – im Ernst: „Die wiſſenſchaftliche Entſchüſſelung“ [sic – so wie Schüssel!]? Dieser Titel lässt eine müde Hoffnung zu, dass er uns nur verulken will. Allerdings spricht seine Ernsthaftigkeit eine andere Sprache.

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  • Althochdeutsch ist ein spannendes Thema, ich würde da auch gerne stärker einsteigen wieder, leider ist meine Zeit dafür zu knapp. Derzeit bin ich auch genug mit den skandinavischen Sprachen beschäftigt. Aber toll, wenn man die alten Texte lesen kann. Ich muß zugeben, daß ich da im Vergleich zum Mittelhochdeutschen oft sehr wenig verstehe ... Gotisch würde mich auch sehr interessieren, wenngleich die Grammatik da viel abspruchsvoller ist.


    Das Problem ist aber: Wie lernt man das am Besten? Es gibt ja keine einheitliche Sprache, sondern ja nach Region gibt es da Unterschiede. Das macht das Lernen nicht so leicht, genormt wurde das meines Wissens nie.


    Grundsätzlich finde ich ja, daß das Mittelhochdeutsche (so wie ich es kenne) einen schöneren Klang als das heutige Deutsch besitzt.


    Die Idee von Althochdeutsch als Ursprache halte ich für ziemlichen Blödsinn. Was bitte haben denn die frühen Hochkulturen mit Germanien zu tun? Herzlich wenig. Das kenne ich eigentlich nur aus rechtsextremen Kreisen, wo der nordische Mensch als Begründer aller Kulturen gelten soll. Nur komisch, daß die Germanen überall Kultur hinbringen, nur in ihrer Heimat fällt man zurück ...

  • Ich persönlich würde so gerne Althochdeutsch lernen - und zwar die frühen, fränkischen Formen, weniger die bayrischen oder allemannischen Formen. Und ich würde gerne fließend Niederdeutsch sprechen - in meiner Heimat wirds noch teilweise gesprochen. Ich verstehe es voll und ganz, nur mit dem aktiven Sprechen hapert es. Und ich würde so gerne die keltischen Sprachen können - Walisisch, oder Schottisch-Gälisch - das klingt so nach Elbisch, oder eben auch ein wenig nach den frühen germanischen Sprachformen, wie ich finde. Ich denke, Isländisch klingt auch entfernt ähnlich.

  • Wie sieht es denn mit Niederländisch aus? In meinen Augen ist das doch mehr oder minder eine Form des Niederdeutschen? (Auch wenn die Niederländer das nicht gerne hören.)


    Ich als Süddeutscher wäre eher an den bayerischen oder alemannischen Formen des Althochdeutschen interessiert. :-)


    Leider, so denke ich, wird man das nicht alles lernen können. Wenn ich mein Schwedisch gut genug beherrsche, würde ich dann Isländisch machen wollen. Walisisch wäre auch reizvoll. Aber mal schauen, wie es endet.

  • Ja, soweit ich weiß, entwickelte sich das NIederländische aus dem Plattdeutschen. Noch heute bestehen Ähnlichkeiten. Allerdings wenn man genau hinhört, klingt Platt dann doch etwas anders als Niederländisch. Das Niederländische hat z. B. viele Rachenlaute, die gibts hier nicht. Und Niederdeutsch klingt äußerst urtümlich. Manchmal etwas naiv. Manchmal äußerst lustig. Manchmal aber auch einfach urtümlich alt (teilweise urtümlicher als Althochdeutsch oder seinem Vorfahre, dem Altsächsischen :D ). (Und Platt selber hat ja noch mehrere Varianten. Und dann gibts hier in der Nähe eine der kleinsten Sprachinseln der Welt - das Saterfriesische - die letzte Ostfriesische Sprache. Friesisch ist auch verwandt mit Plattdeutsch und Niederländisch).