Goethes »Die Leiden des jungen Werther«, neu geſetzt in Fraktur

  • Ich habe (als kleiner Ein-Mann-Verlag) nun mit vergleichsweiſe großem Aufwande Goethes »Werther« in Fraktur neu geſetzt.
    Zu dem Werk ſelbſt muß man ſicherlich nicht mehr viel ſagen, dies iſt ein wohlbekannter, vieldiskutierter Klaſſiker ſeit 236 Jahren. ;)
    Die Orthographie wurde behutſam auf den Stand der ſogenannten »alten« Rechtſchreibung moderniſiert. Bei Wortwahl und Grammatik war es eine aufwendige Fall-zu-Fall-Entſcheidung, ob die jeweilige Formulierung unverändert übernommen oder zugunſten beſſeren Verſtändniſſes moderniſiert werde.
    Dies iſt nun als Taſchenbuch erhältlich, ganz normal über den Buchhandel.
    Allerdings kam eine große Maſſenauflage nun wirklich nicht infrage; einerſeits wird der »Normal-Leſer« ſicherlich zu einem Exemplar der preiswerten, in Antiqua geſetzten Maſſenauflagen greifen, und andererſeits werden viele Liebhaber alter Schriften den »Werther« ſicherlich recht problemlos antiquariſch erſtehen können.
    Daher habe ich mich zu einer ſogenannten »Print-on-Demand«-Löſung entſchieden, bei der für jede Beſtellung individuell ein Buch hergeſtellt wird. Dieſe Löſung iſt zwar vergleichsweiſe teuer, aber für mich mit erträglichem finanziellen Riſiko verbunden, denn ich ſehe dies hauptſächlich als Experiment, als einen Verſuchsballon, der die allgemeine Akzeptanz des Buchmarktes für Fraktur-Bücher teſtet.
    Johann W. von Goethe: Die Leiden des jungen Werther, ISBN13: 978-3-931333-24-9, € 20,00.
    Siehe auch: http://www.gawl.de

  • Hallo gawl,


    wie ist es denn nun gelaufen mit dem Fraktur-Werther ??
    Wie beurteilst du die Nachfrage ?
    Falls diese gering war, liegt es nicht unbedingt an der Fraktur. Dies merke ich an, da du schriebst, du willst den Markt diesbezüglich abtesten.
    Es kommt ganz entscheident auch auf den Titel an.
    Natürlich auch auf den Preis.

    Wer nicht zu schreiben versteht, glaubt, es sein keine Arbeit:
    Drei Finger zwar schreiben, doch arbeitet der ganze Körper.
    (Mittelalterlicher Schreibvers)

  • Eine Marktlücke sind eher Texte in Originalrechtschreibung, denn jeder meint heute "behutsam" modernisieren zu müssen. Keiner traut sich mehr dem Leser Werke so in die Hand zu geben, wie sie der Autor abgeliefert hat. Warum?

  • Warum auch neu setzen? Goethes Werke sind noch in verschiedenen Antiquariaten zu erhalten.
    Ich habe das 14bändige Werk von 1868 erst kürzlich bei einer Auktion erstanden. Gut, es ist nicht
    aus den Jahren 1760, dafür aber in Fraktur gesetzt. Anbei ein Bildchen aus dem 12. Band.
    Gruß,
    Kalli

  • Zitat

    Eine Marktlücke sind eher Texte in Originalrechtschreibung, denn
    jeder meint heute "behutsam" modernisieren zu müssen. Keiner traut sich
    mehr dem Leser Werke so in die Hand zu geben, wie sie der Autor
    abgeliefert hat. Warum?

    Hallo Franz, ich habe vor einiger Zeit den "Stechlin" von Theodore Fontane in Fraktur geſetzt, und zwar in der Original-Orthographie. Ich biete dies als PDF-Datei zum Download an (http://www.gawl.de/Fontane.html).


    Für den Goethe hatte ich mich allerdings bewußt dagegen entſchieden, weil ich urſprünglich das Projekt auch "nur" als E-Book konzipiert hatte und in dieſem Falle dieſe "Marktlücke" von Google-Books bedient wird, man findet dort den Werther in mehreren Ausgaben, die bis 1775 zurückgehen. Aus meiner Sicht ſind Schreibung und auch viele Formulierungen, die dort verwendet werden, derart fremdartig für heutige Leſer, daß man vermutlich eine kommentierte Ausgabe daraus hätte machen müſſen. Abgeſehen davon, daß es ſo etwas natürlich auch ſchon zu kaufen gibt (wenn auch in Antiqua), ſchien mir ſolches den ſelbſtgeſteckten Rahmen, die Frakturſchrift intereſſierten Leſern näherzubringen, bei weitem zu ſprengen, und ich wollte auch keineswegs eine univerſitäre Studienarbeit oder gar Lebensaufgabe daraus machen. ;)


    Da ich die Wortwahl natürlich nicht angetaſtet hatte (trotz vieler Begriffe, die heute eher fremd wirken (Wörter wie z.B. "Schloſſe[n]", die ſicher nicht mehr jedem geläufig ſein dürften), empfinde ich übrigens meine "behutſamen Orthographie-Angleichungen" als weſentlich geringfügiger als die Änderungen, die Goethe ſelbſt an dem Werk für die ſpätere Ausgabe (1787) vornahm. ;)


    Hallo Gerrit, die Nachfrage iſt in der Tat nicht üppig, und Du haſt natürlich recht, es dürfte in erſter Linie mit Titel und Preis zuſammenhängen. Am Preis kann ich aber kaum etwas nachbeſſern, für eine ſolche Kleinauflage über "Print on Demand" bewege ich mich ſchon hart an der Grenze zu den nackten Selbſtkoſten.
    Ich denke , ich werde für einen nächſten Test einmal verſuchen, gezielt Autoren neuer Werke anzuſprechen und für einen Frakturſatz zu begeiſtern (eventuell als zweite/alternative Verſion parallel zu einer Antiqua-Verſion), vermutlich auch zunächſt einmal wieder als E-Book.
    Auf jeden Fall umgeht ein Verſuch mit neuerer Literatur die Problematik, daß es das Werk ſchon längſt antiquariſch gibt (und die meiſten Buchliebhaber natürlich eher dieſen den Vorzug geben) ;)