Verwendung der Antiqua in Texten, die in einer Fraktur-Grundschrift gesetzt sind

  • Hallo liebes Forum,


    es ist ja allgemein üblich, lateinische oder sonstige fremdsprachige Zitate innerhalb eines in Fraktur verfaßten Textes in Antiqua zu setzen.
    Meine Frage ist nun: gibt es für die korrekte Anwendung der Antiqua eine allgemeine Regel, an welchen Textstellen dies zu erfolgen hat bzw. "gute Sitte ist"?
    Wie sieht es beispielsweise mit im Deutschen verwendeten Fremdwörtern (wie "Sorbet", "Portemonaie" oder "Kalif") aus, und ab wo zieht man dort die Grenze zwischen Fraktur und Antiqua?
    Oder komplett fremdländische Wörter, die in der Übersetzung nicht eingedeutscht wurden, wie etwa "Lieutenant", "Scheik", "Ramadan", "Mademoiselle" oder "Mister".
    Was ist mit Namen wie "Perseus", "Andromeda", "San Franzisko" o.ä.?


    Ich habe es bislang immer so gehalten, daß ich Eigennamen (egal, ob Orts- oder Personennamen) in Fraktur gesetzt habe, aber die oben genannten Fremdwörter und Wörter, die quasi unverändert aus fremden Sprachen übernommen wurden, in Antiqua. Ist das eine korrekte Vorgehensweise?
    Jedoch wird es dann manchmal schwierig, wenn es um Reisebeschreibungen o.ä. geht; im Extremfall kann es so passieren, daß fast 10% des Gesamttextes in Antiqua gesetzt wird (was natürlich kein Problem darstellt, aber ich habe Angst, daß der Text dann zu unruhig werden könnte).


    Wie seht Ihr das?


    Viele Grüße
    Christoph

  • Für mein Empfinden gilt es mit Antiqua Hervorhebungen im Frakturtext sparsam umzugehen. Ich finde Antiqua in Frakturtext nicht nur optisch störend, es ist geradezu leseflußhemmend.


    Die im Deutschen verwendeten Fremdwörtern schreibt man sowieso in Fraktur, oder setzt dafür ein deutsches Wort. Da im Französischen, Skandinavischen, Polnischen, Englischen, usw., die Frakturschrift ebenso Zuhause ist, wäre für mich die einzige Veranlassung eines deren Wörter in Antiqua zu schreiben — wenn ein für das Wort zu verwendendes Sonderzeichen im verwendeten Schriftschnitt fehlte.


    Es müßte für mich schon ein schwer zu verstehendes Fremdwort sein, um es in Antiqua zu setzen.


    Lateinische Zitate kann man selbstverständlich in Antiqua setzen, aber es ist kein muß. (Alternativ böte sich auch eine Rundgotisch, usw. an.)



    Als Vorbild für ein gutes Verhältnis bietet sich die Zeitschrift „Die deutsche Schrift“ an. Auszüge der jeweils aktuellen Ausgabe lassen sich als PDF herunterladen. Diese Zeitschrift sollte in keinem Haushalt fehlen.

  • Das mit dem gebrenmsten Lesefluss istz ja gerade das Ziel der Übung. Anders als heute waren die Menschen in der Zeit, als üblicherweise Druckwerke in Fraktur gesetzt waren nicht so gewöhne, ständig fremdsprachige Laute zu hören. Also sollte der Antiquasatz hier warnen und das Lesen erst einmal bremsen, denn hier drohre eine falsche Aussprache: Also z.B. statt Mademoiselle dann "Made Mäusele" also ist es immer dann einzusetzten, wenn man das Wort nicht einfach so lesen lönnte, als währe es ein deusches Wort. Ramadan z.B. ist zwatr nicht deutsch, spricht sich alaso eben ghenau so aus, wie es geschrieben wird, höchtens kommt dabei ein deutscher Azent heraus, aber er würde eben verstanden. Immer dann wird auch (so eben kein Akzent im Wort ist, denn den gab es im Bleisatz nicht, dafür war kein Fach im Setzkasten) Fraktur verwendet

  • Im Duden 1919 heißt es dazu:


    Anwendung der Antiqua im Fraktursatz. Um dem bisherigen Schwanken in der Wahl zwischen Antiqua und Fraktur ein Ende zu machen, empfiehlt es sich folgende Grundsätze zu beachten:

    • Alle Fremdwörter romanischen Ursprungs, die nicht durch Annahme deutscher Biegung oder deutscher Lautbezeichnung als eingedeutscht erscheinen, setze man aus Antiqua, z. B. en avant, en arrière, en vogue, in praxi, in petto; a conto, dolce far niente; ferner Verbindungen wie Agent provocateur, Tempi passati, Lapsus linguae, Agnus Dei. Auch alle italienischen technischen Ausdrücke aus der Tonkunst, wie andante, adagio, moderato, vivace, setze man aus Antiqua. Die der lateinischen Sprache entstammenden Bezeichnungen Dur und Moll sind als eingedeutschte Hauptwörter aufzufallen und daher groß zu setzen, z. B. C-Dur.
    • Wenn ein Fremdwort deutsche Lautbezeichnung oder deutsche Biegung annimmt oder mit einem deutschen Worte zusammengesetzt wird, so setze man es aus Fraktur, z. B. adagio, aber: das Adagio, die Adagios; a conto, aber: die Akontozahlung; dolce far niente, aber: das Dolcefarniente.


    (Kursiv gesetzte Ausdrücke sind im Urtext lateinisch gesetzt.)

  • Bei Texten aus der Zeit seit etwa 1850 wurden, nach meinen Erfahrungen, eingedeutschte Fremdwörter eigentlich fast immer in Fraktur gesetzt, allgemein gebräuchliche fremdsprachliche Ausdrücke häufig auch. Auch fremde Namen und Ortsbezeichnungen wurden i. d. R. in Fraktur gesetzt.


    Unübliche Wörter aus fremden Sprachen oder nach den Regeln der Grammatik der Herkunftssprachen deklinierte Wörter hingegen wurden meist in Antiqua gesetzt, ebenso Zitate oder ganze Sätze aus einer fremden Sprache.


    Wie Peter Wiegel schon geschrieben hat, ist für den Leser auf Grund des Antiqua-Satzes sofort erkennbar, daß hier ein Wort aus einer fremden Sprache steht. Ich finde, daß ist ein großer Vorteil beim Lesen.


    Bei Texten aus früheren Zeiten (17/18. Jh) habe ich festgestellt, daß hier Fremdwörter häufiger in Antiqua gesetzt wurden. Oft wurden auch Fremdwörter, die deutsch dekliniert oder konjugiert wurden, teilweise in Antiqua (Wortstamm) und teilweise in Fraktur (Endung) gesetzt.


    Abkürzungen aus Großbuchstaben, wie »ADAC« oder »USA« usw. sollten in Antiqua gesetzt werden, es ist so besser lesbar.


    Anliegend habe ich einmal ein Beispiel aus der Praxis (1930er Jahre), in dem einige der genannten Beispiele zu sehen sind: Ein fremder Name, zwei eingedeutschte Fremdwörter, ein nicht eingedeutschtes Fremdwort (Französisch) und ein längeres Zitat aus einer fremden Sprache (Latein) am Ende des Abschnitts.

  • Mein Dank an alle, die geantwortet haben; das hat mir zumindest schon ein großes Stück weitergeholfen.


    Zu dem Beitrag von J.K.: Weiß eigentlich jemand, wie lange der Duden noch in Fraktur gesetzt war? Denn der wäre ja für einzelne Wörter oder Begriffe sicherlich als gutes Vorbild zu betrachten, wenn es um die Frage Fraktur -- Antiqua geht.


    Viele Grüße
    Christoph

  • Weiß eigentlich jemand, wie lange der Duden noch in Fraktur gesetzt war?

    Bis zum Frakturverbot 1941in der 12. Auflage.


    AB 1942 erschein der Duden ausschließlich in Antiqua. Die erste davon war die in Antiqua gesetzte 12. Auflage.

  • Bis zum Frakturverbot 1941in der 12. Auflage.


    Danke; war eigentlich eine blöde Frage. Hätte ich ja auch bei Wikipedia nachschauen können.
    Habe schon ein Exemplar geordert ... ;)


    Viele Grüße und frohe Pfingsten
    Christoph