Welche Schriftart würdet Ihr mir empfehlen?

  • Hallo liebes Forum,


    da ich ein bißchen mit gebrochenen Schriften herumexperimentieren möchte (Mengensatz), habe ich eine Frage an die "Schriftgelehrten" hier:


    Ich habe mich für den Fließtext für die Unger-Fraktur entschieden, da ich sie aufgrund ihres relativ "lichten" Erscheinungsbildes für besonders angenehm lesbar halte. Konkret für die magere Unger von Helzel, da mir hier das "lange s" und das "f" besser unterscheidbar erscheint als bei der Schrift von Delbanco. Nun stellt sich die Frage: Welche Schriftart für Überschriften? Nach einiger Überlegung habe ich hier an die "Renata" (ebenfalls von Helzel) gedacht; das ist ein Neuschnitt der "alten Schwabacher". Haltet Ihr das für eine gute Wahl? Oder habt Ihr Alternativvorschläge? Sind die Schriften, die ich mir überlegt habe, qualitativ in Ordnung? Unger und Schwabacher sollen ja nach mehreren sachkundigen Quellen recht gut zueinander passen ...


    Viele Grüße
    Christoph

    • Offizieller Beitrag

    Schriftmischung ist ein sehr schwieriges Thema. Auf Nummer sicher kann man gehen, wenn man gleich Schriften wählt, die von vornherein füreinander geschaffen sind, denn diese sollten gefällig abgestimmt sein. Die Unger-Fraktur ist eine gute Wahl für den Mengensatz finde ich. Dazu wäre doch der halbfette Schnitt der Unger-Fraktur passend, die ist auch von Helzel.
    Die Renata gefällt mir dazu nicht recht.

  • Schriftmischung ist ein sehr schwieriges Thema. Auf Nummer sicher kann man gehen, wenn man gleich Schriften wählt, die von vornherein füreinander geschaffen sind, denn diese sollten gefällig abgestimmt sein. Die Unger-Fraktur ist eine gute Wahl für den Mengensatz finde ich. Dazu wäre doch der halbfette Schnitt der Unger-Fraktur passend, die ist auch von Helzel.

    Ja, Unger halbfett würde natürlich in jedem Fall passen, aber diese ist auch vergleichsweise teuer, zumindest dafür, daß es "nur" um eine Auszeichnungsschrift geht. Die alte Schwabacher wird, wenn ich mich recht erinnere, in einem Aufsatz von Harald Süß in "Die deutsche Schrift" als Auszeichnungsschrift für die Unger empfohlen, und ich fand auch die Beispiele, die ich dazu gesehen habe, recht ansprechend. Sie läuft ähnlich weit und ist gleichzeitig ein wenig fetter.
    Außerdem hätte ich dann noch eine alternative Brotschrift ... :)


    Zitat

    Die Renata gefällt mir dazu nicht recht.

    Weil Dir die Renata (oder die Alte Schwabacher insgesamt?) an sich nicht gut gefällt, oder weil Du Zweifel hast, ob sie konkret zur Unger paßt?


    Christoph

  • Die alte Schwabacher gefällt mir persönlich viel besser als die Renata. Durch dieses bin ich der Renata gegenüber voreingenommen und kann nicht sagen, ob sie zur Unger paßte. Die Alte Schwabacher ist m.A. jedenfalls gut geeignet.


    Ich war jetzt immer davon ausgegangen, daß die Renata und die Alte Schwabacher weitestgehend identisch sind, da ja die Renata lt. Helzel einen (mageren) Neuschnitt der letzteren darstellt. (Nicht, daß wir von zwei unterschiedlichen Schriften reden ...)
    Die Alte Schwabacher, die Helzel im Programm hat, erscheint mir dagegen ein bißchen zu fett, um sie auch als Brotschrift einsetzen zu können (damit kann ich aber natürlich falsch liegen; die Beurteilung ist ja ohne einen sauberen Ausdruck einer ganzen Seite immer ziemlich schwer). Hier gefällt mir die Schwabacher von Steffmann und von Delbanco (zumindest am Bildschirm) ein wenig besser, wobei diese aber anscheinend nicht in OpenType verfügbar sind.


    Zitat

    Wie sieht es denn mit der Manuskript-Gotisch aus?


    Hm, auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen, aber nach längerem Betrachten erscheint mir die dann doch wieder ein wenig zu verspielt.


    Schwierige Entscheidung ...
    Aber einen Vorteil hat es ja zumindest, daß die Schriften etwas kosten: Man macht sich vorher mehr Gedanken ... ;)


    Viele Grüße
    Christoph

    • Offizieller Beitrag

    Ich war jetzt immer davon ausgegangen, daß die Renata und die Alte Schwabacher weitestgehend identisch sind, da ja die Renata lt. Helzel einen (mageren) Neuschnitt der letzteren darstellt. (Nicht, daß wir von zwei unterschiedlichen Schriften reden ...)

    Das mag schon sein, aber einige Buchstabenformen weichen doch stark von der Alten Schwabacher ab, z.B. das H oder das g.


    Die Alte Schwabacher, die Helzel im Programm hat, erscheint mir dagegen ein bißchen zu fett, um sie auch als Brotschrift einsetzen zu können (damit kann ich aber natürlich falsch liegen; die Beurteilung ist ja ohne einen sauberen Ausdruck einer ganzen Seite immer ziemlich schwer). Hier gefällt mir die Schwabacher von Steffmann und von Delbanco (zumindest am Bildschirm) ein wenig besser, wobei diese aber anscheinend nicht in OpenType verfügbar sind.

    Müßte man mal probieren. Ich würde sie jedoch kaum als Brotschrift einsetzen, auch nicht von den anderen Anbietern. Es sei denn, der Text drängt es mir geradezu auf.
    Bildschiransichten sind sehr trügerisch. Bei mir "tanzen" die Buchstaben im Fließtext oft, ausgedruckt ist alles einwandfrei.


    Hm, auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen, aber nach längerem Betrachten erscheint mir die dann doch wieder ein wenig zu verspielt.

    Für Hauptüberschriften macht die sich m.A. recht gut.


    Schwierige Entscheidung ...
    Aber einen Vorteil hat es ja zumindest, daß die Schriften etwas kosten: Man macht sich vorher mehr Gedanken ... ;)

    Stimmt.

  • Normalerweise gilt folgender Grundsatz beim Mischen von Schriften:


    Man soll Schriften verschiedener Art, aber gleicher Stilgruppe mischen.


    Alte Schwabacher, Renata und Maximilian sind Schriften im Stil der Renaissance. Wilberg nennt diese Schriften dynamisch, weil sie schwungvoll und belebt wirken; sie stehen der mit der Breitfeder geschriebenen Handschrift nahe.


    Die Unger-Fraktur ist dagegen eine neuere Schrift im Stil des Klassizismus. Klassizistische Schriften bezeichnet man nach Wilberg als statische Schriften; sie wirken ruhig, stehend, die Strichführung ist gerader, die Senkrechte ist betont.


    Zur Unger-Fraktur paßt daher viel besser eine Schrift aus derselben Zeit, zum Beispiel die Neu-Gotisch oder Courante Gotisch von Helzel. Und wenn es eine Schwabacher sein soll, dann die auch bei Helzel erhältliche Schwabacher von Anklam.

  • Habe mich aber nun nach einiger Überlegung doch für die halbfette Unger entschieden und bin mit der Schrift sehr zufrieden. :)


    Viele Grüße und herzlichen Dank für die Anregungen!
    Christoph