unerwarteter Familienbesitz :-)

  • Hallo liebes Forum.


    Gestern war ich zu Besuch bei meinem Vater, im Eingangsbereich hängt ein altes Familienwappen aus dem Mittelalter. Als wir davor stehen, reden wir über allgemein gestiegenes Interesse an Ahnenforschung und ich erzähle ihm beiläufig, dass ich die Kurrentschrift für mich entdeckt hätte und gerade lerne, alte Schriftstücke zu lesen. Da erinnerte er sich, dass er aus dekorativen Gründen vor 30 Jahren zwei alte Briefe gekauft hat, die seitdem in einem Schrank schlummerten.

    Ich war sehr erfreut zu sehen, was er da hatte:


    Seite_1

    Seite_2

    Sonstig_1

    Sonstig_2


    Wir haben hier einen Brief zur Geschichte des Fürstenhauses Reuss; die Todesnachricht des neunjährigen Prinzen Heinrich des sechsundfünfzigsten, der am 6ten May 1781 an Blattern verstirbt.


    Es wird keine Transkription verlangt, ich wollte es euch lediglich mal zeigen.

  • Die Foliierung oben verrät mir, dass es da, wo das Schriftstück herkommt, definitiv nicht nur um den Tod des Prinzen ging.


    Es ist immer schön, wenn es Leute gibt, die noch einen Sinn für den Wert solcher Derivate haben. Schade ist aber, dass sie dabei an Leute geraten, die vorher aus Habsucht, Sammelleidenschaft oder niederen Motiven Schriftstücke aus den betreffenden Archiven und Lagerungsorten entfernen. Nun ist in deinem Fall wohl offensichtlich der Bogen mit den Nummern 124 und 125 aus einer Akte herausgetrennt worden. Man sieht noch die Löcher der Fadenheftung an der Falz. Dein Vater, der ihn vermutlich gekauft/geschenkt bekommen/gefunden hat konnte sich darüber natürlich schlecht im Klaren sein, woher das ursprüngliche Stück stammt. Oder ist die gesamte Akte mit den vorherigen 123 Seiten noch bei euch im Hause? In dem Fall wäre es ja ein echter Glücksgriff und man könnte sie an die proveniente Stelle zurückgeben.

  • Sie haben recht, jetzt sehe ich es auch. Leider ist nur dieses Blatt vorhanden.

    So wie Sie es schildern wäre es tatsächlich sehr ärgerlich, aber ich wäre selbstverständlich bereit den Brief zurück zu geben.

  • Das ist sehr löblich, aber bei der Personaldecke im ostthüringer Landesarchiv mit Vorsicht zu betrachten. Das Blatt wird nur in irgendeine Miszellanea-Sammlung geraten oder in eine Kompilation aus Fundstücken und Faksimiles gesteckt. Das Personal, solche Sammlungen wirklich mal mit vorhandenen Akten zu vergleichen und Stück für Stück wieder der gesicherten Provenienz zuzuführen, haben die auf Jahrzehnte nicht. Bestandsgeschichten sucht man selbst mal bei vielen preußischen Landratsämtern im Osten vergeblich (und da war Ordnung seit 1816!).



    Wenn es bei jemandem ist, der gut drauf aufpasst, bis irgendwann mal ein Aktendeckel dazu auftaucht, ist das allenfalls schonmal viel wert. Es ist zwar nicht deine Aufgabe, aber wenn du die Zeit hast, kannst du ja mal nachspüren, wo dein Vater das Schreiben herhatte. Meistens gibt es da noch mehr. Solche Akten können allerdings schon vor Jahrzehnten auseinandergerissen worden sein: Manchmal wurden sie sogar noch zu Pertinenzzeiten als historisch wertlos „kassiert“.