Tag der Handſchrift

  • Der 23.1. iſt der Tag der Handſchrift. Als ich in den 1980er Jahren das erſte mal was davon gehört hatte, war ich verwundert, denn ich glaubte nicht, daß ſo ein Tag überhaupt notwendig ſei.


    Gedacht wird am „Tag der Handſchrift“ dem Geburtstag von John Hancock am 23. Januar 1737, der ein politiſcher Führer im Amerikaniſchen Unabhängigkeitskrieg war. Er unterzeichnete als Präſident des Kontinentalkongreſſes als erſter die amerikaniſchen Unabhängigkeitserklärung – mit Sicherheit noch mit dem Federkiel.


    Da in Coronazeiten die Schüler ihre Ausarbeitungen auf elektroniſchen Weg zum jeweiligen Lehrer ſenden mußten, war das wieder mal Grund ſich die Schrift meines Sohnes näher unter die Lupe zu nehmen. Dieſe war noch nie beſonders, aber ich habe es immer darauf geſchoben, daß er als Linkshänder den Füller ſchieben und nicht ziehen muß und erſt nachdem ſeine Schreibhand weitergerückt iſt, konnte er das Geſchriebene kontrollieren.


    Warum aber die Schrift heute noch kraklich iſt, war mir immer ſchon ein Rätsel. Ich war aber irgendwann der Meinung, das wird ſich ſchon mit den Jahren geben. Das hat es aber nicht.


    Auf der Suche nach Erklärungen bin ich im Netz auf die Autorin Maria-Anna Schulze Brüning mit mit dem provokanten Buchtitel ihres Sachbuches „Wer nicht ſchreibt, bleibt dumm“ und im Untertitel „Warum unſere Kinder ohne Handſchrift das Denken verlernen“ geſtoßen. Hier hat eine engagierte Lehrerin und Pädagogin seit Jahren beobachten müſſen, wie ſich die Handſchrift der Schüler verſchlechtert und ſie hat dies genau analyſiert. Sie wägt alles ab; das Pro und Contra zu Schreibſchriften, die verſchiedenen Schriften und die heutigen Lernmethoden. Und ſie ſchlägt Wege aus der Miſere vor.


    Zwar wird in Thüringen noch die Handſchrift gelehrt, aber das geht wie folgt: zuerſt die „Druckſchrift“ und dann die „Vereinfachte Ausgangsſchrift“. Das Problem iſt, daß die Schüler die Druckbuchſtaben nach Belieben malen und nicht ſchreiben und dann bei der „Vereinfachten Ausgangsſchrift“ die Druckbuchſtaben verbinden ſollen. Das hat Tücken.


    Der richtige Weg wäre anders herum und nicht die „Vereinfachte Ausgangsſchrift“ zu nehmen. Der Name täuſcht und dieſe Schreibſchrift hat einen erheblichen Mangel im Vergleich zu anderen Schreibſchriften (Schulausgangsſchrift, Lateiniſche Ausgangsſchrift), denn der Buchſtabenanſatz beginnt hier in der Mittellinie.


    Eltern ſollten bei ihren Kindern auf die Schreibſchrift achten, denn das empfinde ich als elementar für die Bildung. Das oben genannte Buch kann ich nur wärmſtens empfehlen.


    Es gibt mittlerweile auch einige Seiten im Netz, die ich zum Thema Schrift beſucht habe: www.initiative-schreiben.de und www.handschrift-verbessern.com. Dann findet man bei Youtube jede Menge Videos zur Verbeſſerung der eigenen Schrift, die man sich ruhig zu Gemüte führen kann.


    (Zwar geht es in meinem Beitrag vordergründig um das Erlernen der Lateinschrift und nicht um Sütterlin und Kurrent, aber ich halte das Thema für gesellſchaftlich ſehr wichtig und für das Forum angebracht.)

  • Vielleicht sollten die Mediengestalter, Illustratoren und Software-Entwickler die sich jetzt vornehmlich mit der Analog-Übertragung historischer Schriftsätze in den Rechner beschäftigen, zusammen mit Leuten aus der Computertechnik mal Apps und Geräte entwickeln, die den heutigen Ansprüchen an Digitalisierung und Schreiben genügen. Mit einem Wacom-Tablet zu schreiben oder zu zeichnen ist immer noch eine Sache, die man neben Zeichnen und Schreiben eigens erlernen muss (viele kennen das vermutlich, wenn einem die Postfrau ihr Scandings zum Unterschreiben hinhält und man beim Betrachten der eigenen Unterschrift meint, man hätte 2,0 Promille gehabt). Wenn man mit solchen Endgeräten schreiben könnte, wie mit einem Stift auf Papier und das mit einer entsprechend einfachen Software maschinenlesbar machen könnte, wäre der Spagat ins Digitalzeitalter hergestellt. So hätte der Markte auch Vertreter der Generation Smartphone abgeholt und die Menschen könnten der Schrift als haptischem und analogem Zeichensystem eine neue Sinnzuschreibung geben. Sauberes und sicheres Schreiben wäre dann kein lästiger Schulzusatz mehr, sondern eine Voraussetzung für den Alltag.


    Wenn man sich mal so das Internet durchliest (ich habe jetzt chronologisch begonnen), dann ist aber auch klar: Schrift fördert zwar die geistige Entwicklung der Jugend, aber ob der Inhalt dadurch gleichermaßen gewinnt, steht auf einem anderen Blatt.


    Das am 24.01. schreibend, weise ich alle Leser darauf hin, dass morgen Gegenteiltag ist, außer morgen, da ist nicht Gegenteiltag.

  • Als Kalligraphie kann ich über die Handschrift meiner Kinder nur weinen. Hier hat die Schule versagt und die deutschen Musteralphabethe sind einfach unbefriedigend.


    Zu den kuriosen Feiertagen: Am 7. Februar bot mir der "Schick-einem-Freund-eine-Postkarte-Tag" einen willkommenen Anlaß Kontakte zu pflegen...

    Ich habe eine feste Meinung - verwirrt mich nicht mit Tatsachen!

  • Hier ein kleiner Nachtrag zur Thematik Briefeſchreiben. Im Frühjahr 2020 rief ein ſehr reger und vielſeitiger Kulturverein in Mönchengladbach zu einem Kunſtprojekt auf: „Brief ins Blaue“. Der Gedanke war ganz einfach. Statt nur noch Rechnungen und Werbepoſt freut ſich der Menſch viel mehr, wenn man wieder mal eine handgeſchriebenen Brief oder eine Karte aus dem Briefkaſten holt.

    Man hatte sich per E-Post angemeldet und bekam dann (bei mir waren es zwei) Adreſſen zugeſandt, denen man innerhalb einer Woche antworten ſollte. (Auf meinen Hinweis, daß ich auch in Kurrent ſchreiben würde, bekam ich leider keine Antwort ſeitens der Initiatoren.) Das ging anfangs recht gut, aber wenn man nach dreimaligen Schreiben keine Antwort mehr kriegt, ſchläft der Kontakt ein.

    Trotz herben Rückſchlag finde ich dieſes Projekt ſehr ſchön. Jetzt ſtarten ſie in die zweite Runde. Schaut mal rein: www.kulturkram.de

  • Wenn Du Kontakt zu kurrentschreibenden Brieffreunden suchst, dann bist Du ja hier bei der DKS genau richtig. Es stimmt, daß ein persönlicher Brief zwischen all der Werbung im Briefkasten ein Quell der Freude ist. Gerade jetzt, während der Coronaeinschränkungen ist man ja für jede kleine Abwechslung dankbar und ein handgeschriebener Brief ist oft schon der Höhepunkt der Woche. Gerade da kann ich mich momentan auf meine DKS-Freunde verlassen: Es wird gerade sehr viel geschrieben! Bei mir selbst gehen dementsprechend z. Zt. zwischen zwei und 7 Briefe die Woche raus. Das ist eine wunderbare Sache, Gerade um in dieser Zeit Kontakte zu halten.

    Ich habe eine feste Meinung - verwirrt mich nicht mit Tatsachen!

  • Nun ist das schöne am handschriftlichen Briefversand, daß man den Brief in gewisser Weise komponieren muß. Es gibt kein nachträgliches verschieben, hinzufügen oder vertauschen Dessen, was man geschrieben hat. Es gibt auch kein Rechtschreibprogramm Das sollte alles schon während des Schreibens passieren. Man muß die Zeilen selber halten und vorausschauend auf das Zeilenende und mögliche Worttrennungen schreiben. Abgesehen davon sollte es einen ansprechenden Gesamteindruck ergeben und zwar ohne Leh Aut Unterstützung. Es macht also nicht nur Spaß einen handschriftlichen Brief zu erhalten, zu lesen oder sich auf den nächsten, lang erwarteten, zu freuen, sondern ebenso einen zu Schreiben und ihn zufrieden ins Kuvert zu tüten und mit Freude abzuschicken.

    Über lange Jahre verkümmerte dies zu gelegentlichen Geburtstagsgrüßen, dann wurden gar Anrufe oder kurze E-Post Meldungen daraus. Aber neuerlich habe ich die Freude wiedergefunden, die ein (gemächlicher statt hektischer) handschriftlicher Briefkontakt stiften kann. Ich bin auf´s Neue begeistert.

  • Besser als von ernaburga beschrieben, kann man es gar nicht sagen.

    Bei meinen "Briefvorbereitungen" kommen natürlich noch die Fragen auf: Welches Papier, welche Tinte und welches Schreibwerkzeug/Feder nehme ich.

    Dann kenne ich welche, die überlegen, welches Siegel Wachs/Lack man heute nimmt.

    Und während man eher aus Routine in sein Postfach schaut, ist der Gang zum Briefkasten wieder spannend geworden.

  • Eben diese gesamte geistige Arbeit, die für die Handschrift erforderlich ist, nebst der räumlichen Verortung, ist ja der Grund, weshalb man damit besser lernt.

    Insofern sehe ich die digitale Schule kritisch. Es ist momentan halt anders nicht zu machen und die beste Alternative in der Coronazeit. Aber mir fehlt das Bewußtsein um den Wert der Handschrift.

    Ich habe eine feste Meinung - verwirrt mich nicht mit Tatsachen!

  • Es entbehrt auch nach mehreren solcher Threads nicht einer gewissen Grundkomik, dass solche Plädoyers für weniger Digitalität und mehr analoges Briefschreiben in ein digitales Forum geschrieben werden, das den kommunikativen Austausch über analoges Briefschreiben mit Methoden des digitalen Zeitalters erleichtert.


    Wie dem auch sei, es gibt jedenfalls keinen Grund, die Vorteile des Schreibens als Methode nicht auch in digitalen Medien einzusetzen und zu fördern. Das bleibt unberührt von der Tatsache, dass nicht jeder unmittelbaren Zugang zum Briefschreiben hat, weil dafür gewisse Materialien, Arbeitsschritte, Kenntnisse und Infrastruktur benötigt werden und das dadurch der Wert eines solchen Stücks Kommunikation auch eine höhere Wertschätzung des Empfängers vermittelt, der sich möglicherweise mehr darüber freut. Aber dann sollte man sich den Brief auch für besondere inhaltliche Gelegenheiten aufheben, weil der Alleinstellungswert einer Handschrift kongruent zum Informationsverfall des digitalen Zeitalters abnimmt, wenn man sie nur um ihrer selbst willen verwendet. Wenn ich 50 Briefe erhalte, in denen steht " Hallo wie geht's? Was machst du? Wir können momentan wegen Corona nicht viel machen und schreiben dir deswegen diesen Brief." ist die nette Form, in der das verfasst, ist ja ein schöner Bonus, aber der Informationsgehalt ist nicht weniger enttäuschend und überflüssig, wenn ich das in 50 Emails oder SMS empfangen hätte.

  • Wieso sollte nicht jeder unmittelbaren Zugang zum Briefeschreiben haben? Brief- und Schreibpapier, Umschläge sowie Schreibwerkzeug gibt es in jeden Schreibwarenladen gleich um die Ecke. Wie man einen Brief schreibt, anschließend ins Kuvert steckt, adressiert und frankiert, ist auch kein Geheimnis. Bleibt noch der Gang zum Briefkasten.


    Das Problem liegt in der jahrzehntelangen Reduzierung und Vereinfachung des Erlernens der Handschrift in der Grundschule. Mit der Digitalisierung wird den Menschen suggeriert, daß die Handschrift bald ausgedient hat und gleich folgt der Verweis darauf, daß die richtige Hard- und Software die Lösung des Problems ist. Und natürlich kommen die Kinder jetzt schon mit der Handy-Oberfläche besser zurecht als mit dem Stift.


    Was Angemeldet zur digitalen Rettung der Handschrift vorschlägt, halte ich für fragwürdig. Solche Konzepte können das Individuelle einer Handschrift nicht ersetzen.

    Was den Inhalt von Briefen betrifft, habe ich mehr zu schreiben als "Hallo und wie geht's. Mir geht's gut..."

    Wer gewohnt ist, nach drei Zeilen, noch ein Bild und fünf Smileys in Reihe zu setzen, weiß nichts von Schriftkultur. Er lernt es vermutlich auch nicht mehr in der Schule.

    Und das kann einen nur leid tun!

    Einmal editiert, zuletzt von mingo28 ()

  • Es entbehrt auch nach mehreren solcher Threads nicht einer gewissen Grundkomik, dass solche Plädoyers für weniger Digitalität und mehr analoges Briefschreiben in ein digitales Forum geschrieben werden, das den kommunikativen Austausch über analoges Briefschreiben mit Methoden des digitalen Zeitalters erleichtert.

    Digital ist Plenum.

    Analog ist Lust.


    Das digitale Forum erhöht die Reichweite in der Form, daß an einer Kommunikation gleichzeitig Viele teilnehmen können. Es entpersönlicht aber innerhalb der angestrebten Reichweite, um kommunikativ zu bleiben.

    Der Brief ist in seiner Reichweite geradezu eingeengt, dafür aber höchst persönlich. Es sei denn man schreibt einmal, kopiert fünfzig mal und verschickt wahllos.


    Der digitale "Briefverkehr" ist sicher schneller, aber deshalb meist auch unüberlegter. Es scheint als hetze er mit der Zeit. Und das Meiste was da schnell mal kommt, ist oft recht unausgegoren. Meine Erfahrung.

    Und eine Vernachlässigung des analogen Briefverkehrs

    weil dafür gewisse Materialien, Arbeitsschritte, Kenntnisse und Infrastruktur benötigt werden

    ist trauriger nicht zu beschreiben.


    Stehen also den Verarmten die Materialien nicht mehr zur Verfügung, weder Papier noch Stift. Ein Glück, daß es kostenlose Rechner und Wisch-und-Weg-Geräte gibt.

    Unterliegen wir also mittlerweile der Unfähigkeit, Arbeitsschritte selber zu koordinieren, weswegen es gut ist, daß uns etliche Hilfsprogramme diese lästigen, geradezu klassenfeindlich intelektuellen Unannehmlichkeiten abnehmen.

    Kann man denn heutigentags wirklich noch die diesbezüglichen Kenntnisse erwarten, da der Erwerb dieser Kenntnisse doch eine individuell beschränkende Zumutung darstellt?

    Da ist es schon besser, völlig kenntnisfrei über Programme schreiben zu können.

    Und ehrlich, die Post ist ein Auslaufmodell. Aber ohne diese Infrastruktur..., tja. Ein Glück, daß das Netz aus dem Server kommt, da braucht man keine Infrastruktur.


    Und warum nicht einfach über´s Wetter schreiben? Es gibt Leute, die sammeln Postkarten wegen der Ansichten, und wenn dann hinten auch noch draufsteht, wann das Wetter dort gerade schön war, keinen Einwand.


    Und schlußendlich ist das alles nicht ein rationales Plädoyer, sondern schlicht ein Ausdruck genießerischer Freude, der eben auch hier mal mitgeteilt werden will. Die Einen mögens, die Andern nicht, so ist es eben, aber eben auch das Problem der Andern und nicht der Einen.

  • Ging es hier nicht um Schulbildung? Möchte man von jedem Zehnjährigen erwarten, dass er die inhaltlichen Kenntnisse für das Briefschreiben, die Schreibmethode, die Schrift, das Verwenden der richtigen Schreibmaterialien und das Nutzen der Post mal so voraussetzungslos mitbringt? Inklusive der Kosten? Es erfordert Zeit, das zu können, ob das nun traurig ist oder nicht. Das kostenlose Wischwischi-Gerät der Eltern ist dagegen in greifbarer Nähe, mit intuitiver GUI und einer sofort verfügbaren Infrastruktur (aus den Servern???). Niemand kontrolliert die Richtigkeit des Geschriebenen, wenn es nicht schon lang aus Hieroglyphen und kodierter Memesprache besteht. Die Verantwortung für das Verstehen überlässt man dem Empfänger, wenn das Schreiben überhaupt an die richtige Adresse geht. Mit schickt man gleich seine Konsumpräferenzen an sämtliche Firmen im Umkreis, die einem dafür dankbarerweise personalisierte Werbeanzeigen schicken können, bis man 80 ist.


    Bedenklich? Ja, wahrscheinlich. Wenn man die Methoden und Vorteile tradierter Zeichensysteme nicht verwenden will, um Kinder darin anzuleiten, einen verantwortungsvollen und kompetenten Umgang mit Medien zu entwickeln; wenn man in seinem Elfenbeinturm am Kamin sitzt und Briefe über das Wetter mit Wachs versiegelt und ab und an mal den Kopf heraussteckt, um auf die Jugend mit ihrer ketzerischen Technik zu schimpfen; wenn man Multimedialität immer nur dann verwendet, um das eine Medium gegen das andere auszuspielen. Einen Medienmix zur sozialen Interaktion gab es übrigens schon vor 200 Jahren mit sehr viel weniger Technik und zwar in Form von Wirtshäusern, öffentlichen Versammlungen, Lesezirkeln, Logen, Clubs, Zeitungen, Flugblättern und Mundpropaganda. Wenn man heute faustschwingend gegen so einen Medienmix vorgehen will, weil das zum Genuss des Briefschreibens dazugehört, dann bitte schön. Es kommt nur wahrscheinlich nicht sonderlich viel Konstruktives dabei raus.

  • Angemeldet, was ist denn Dein Problem? Ich sage oben, daß - z. B. in einer Pandemie- die digitalen Medien wichtige Helfer sind. Wir sind ja froh, daß wir sie haben. Keiner schimpft auf "die Jugend", schwingt "Fäuste" oder erwartet "voraussetzungslos", daß Kinder nur noch über Kalligraphie und Mailart kommunizieren. (Es wäre aber ihr Nachteil nicht, wenn sie es könnten).

    Stattdessen äußere ich die Meinung, das Handschrift eine Kulturtechnik ist, die beim Lernen hilft. Gründe sind die Hand-Auge-Koordination, die Verortung von Inhalten und das haptische Be-greifen. Schule soll auch das vermitteln, also das eine tun aber das andere nicht lassen. Im Moment kommt das Analoge zwangsweise im Unterricht zu kurz. Das finde ich schade. Der Tag der Handschrift erinnert uns daran.

    Ich finde es schön, einen handgeschriebenen Brief zu bekommen und ich helfe jedem gerne, der sich diesbezüglich auf den Weg macht und dazulernen will. Ich dachte, das wäre eigentlich so die Idee eines Forums, das sich mit Schriften beschäftigt? ;-)

    Ich habe eine feste Meinung - verwirrt mich nicht mit Tatsachen!

  • Ich bin ganz deiner Meinung. Das habe ich oben auch geschrieben. Ich habe nur laut gedacht, warum man nicht auch Kalligraphie und Briefproduktion in die digitale Welt überführen sollte, wenn man Hardware und Programme dafür entwickelt.

    Aber das war wohl für einige zu viel des Guten und es wurden die Mistgabeln und Fackeln aus der Scheuer geholt.


    Fördert denn der DKS Briefschreiben an Schulen? Schreiben unter Schülern wäre m.E. doch sehr im Interesse dieser Vereinigung.

  • Die DKS ist ein Verein von Laien. Einige halten Kurse, z. B. an Volkshochschulen oder stellen die Schrift auf Ausstellungen und Messen vor. Ich selbst habe schon Kalligraphie- und Kurrentkurse für Schüler im Rahmen der Jugendarbeit (Pfadfinder) gegeben. Für politische Lobbyarbeit sind die DKS' ler aber noch zu klein.

    Hier ist der Bund für deutsche Schrift und Sprache besser aufgestellt undhat such eine längere Tradition. Dennoch kämpft auch er gegen falsche Vorurteile gegen die Frakturschrift und das Thema führt leider ein Nieschendasein.

    Ich habe eine feste Meinung - verwirrt mich nicht mit Tatsachen!

  • Es ging in erster Linie um Handschrift. Und Handschrift ist nunmal Handschrift.

    Es ging eben nicht um die digitalen Möglichkeiten, sondern um Handschrift. Das wir die digitalen Möglichkeiten nutzen können, zum Beispiel hier im Forum, um uns über Handschrift auszutauschen, ist sehr angenehm. Allerdings ist in dem Fall das Herausstreichen der digitalen Möglichkeiten am Thema vorbei.


    Materialien, Arbeitschritte, Kenntnisse und Infrastruktur ist sowohl für analog, als auch digital notwendig. Und nichts davon ist kostenlos zu haben. "There is no such thing as a free lunch."

    Wenn ich das für analog nicht voraussetzen kann oder will, dann ebensowenig für digital.


    Aber das war wohl für einige zu viel des Guten und es wurden die Mistgabeln und Fackeln aus der Scheuer geholt.

  • Wenn Du Kontakt zu kurrentschreibenden Brieffreunden suchst, dann bist Du ja hier bei der DKS genau richtig. Es stimmt, daß ein persönlicher Brief zwischen all der Werbung im Briefkasten ein Quell der Freude ist. Gerade jetzt, während der Coronaeinschränkungen ist man ja für jede kleine Abwechslung dankbar und ein handgeschriebener Brief ist oft schon der Höhepunkt der Woche. Gerade da kann ich mich momentan auf meine DKS-Freunde verlassen: Es wird gerade sehr viel geschrieben! Bei mir selbst gehen dementsprechend z. Zt. zwischen zwei und 7 Briefe die Woche raus. Das ist eine wunderbare Sache, Gerade um in dieser Zeit Kontakte zu halten.

    Ja, aber Interesse hat man doch als Laie. Unsere Ahnenforschungsgruppen gehen auch in Schulen, geben Lesekurse, machen Ausstellungen usw. Ist das gleich Lobbyarbeit, nur weil man sich als Briefschreiber überlegt, dass man auch mal einen Deutschlehrer mit seiner Klasse auf sein Hobby bringt?




    Es ging in erster Linie um Handschrift. Und Handschrift ist nunmal Handschrift.

    Es ging eben nicht um die digitalen Möglichkeiten, sondern um Handschrift.

    Mich würde mal Interessieren, mit was du diesen Text geschrieben hast. Nichts gegen handlose Mitbürger aber braucht man zufällig Hände, um an den "digitalen Möglichkeiten" teilzunehmen? Und um jetzt mal pur den Horizont zu erweitern und wieder was Unausgegorenes einzuwerfen, man stelle sich nur mal vor, man könnte einfach einen Federhalter/Füller, Bleistift o.ä nehmen, so wie man es gewohnt ist und auf eine Schreibunterlage schreiben, so wie man es gewohnt ist, aber anstatt dass das Geschriebene auf physischem Papier landet, landet es auf einem Tablet, weil die Schreibunterlage die eigene Handschrift digital umsetzt. Das muss nicht mal in Maschinenschrift geschehen, sondern so, wie man auch auf Papier schreiben würde. Klar, wären einige Dinge anders, z.B. würde die Verwendung von Tinte wegfallen, aber das dürfte ja egal sein, weil es hier ja um die Handschrift geht, nicht wahr? Wenn man für verschiedene Medien offen ist, kann man die Methode (die Handschrift) nämlich auch auf verschiedenen Medien anwenden. Jedes Medium hat übrigens seine Vor- und Nachteile. Wenn man in seiner beengten analogen Vorstellungswelt lebt, muss man aber nicht ständig darüber wehklagen, wenn auch der Kreis der Nutzer beengt ist.

  • Es gibt wohl auch Kontakte zu einzelnen Schulklassen. Mit Lobbyarbeit meinte ich, daß man Einfluß auf die Politik nähme, damit das Thema im Stundenplan auftaucht. Das läuft derart minimal und rudimentär, daß nichts hängen lebt. Manche Schüler haben mal eine Stunde im Kunstuntericht. Bei mir war vor 40 Jahren im Deutschunterricht sas Thema damit gehalten, daß die Lehrerin uns ein Blatt zeigte mit dem Hinweis, "das könne aber heute niemand mehr lesen" (es wurde dann peinlich für sie, als ich vorlas... ;-)).

    Ich habe eine feste Meinung - verwirrt mich nicht mit Tatsachen!

  • Ach ja richtig, die Hand. Natürlich muß ich auch diesen Text mit der Hand fertigen, es sei denn, ich lasse ihn von meinem Diktatübertragungsgerät schreiben. Aber das spielt hier keine Rolle.

    Nun gibt es hier genügend Pfade, die sich mit technischen Innovationen aller Art bezüglich der Schrift beschäftigen. Die ich durchaus gern lese und mir Teile zur persönlichen Verwendung heraussuche. Aber auch das spielt hier keine Rolle.

    Leider ist mir nicht bekannt, daß in näherer Zukunft die Möglichkeit besteht, Kindern mit einer entsprechenden Schreibunterlage, das Schreiben und ein passables Schriftbild zu vermitteln. Und wenn es dies gäbe, um damit ein qualitativ gleichwertiges Ergebnis zum prähistorischen Schrifterwerb zu erzielen. Warum nicht? Aber auch das spielt hier keine Rolle.


    Wenn es hier nun also um prähistorisches Schreiben (und den Spaß daran), Schrifterwerb und Ausbildung eines akzepablen Schriftbildes geht, was bislang eben am Besten auf die altmodische Art erfolgt, und was der neurologischen Entwicklung der Kinder hinsichtlich Motorik, Proportion und Konzentration dringend angedient sei, so fehlt mir tatsächlich der erweiterte Horizont, der in diesem Pfad, die bis dato eben nicht verfügbaren technischen Innovationen, die eine vergleichbare Leistung erbringen könnten, diskutieren will.


    So verharre ich denn in meiner beengten Vorstellungswelt, daß innerhalb eines Themas doch gern beim Thema geblieben sein soll, und verstehe nur das Gejammer nicht, daß es immer noch Leute gibt, die sich mit solch altmodischen Dingen beschäftigen.

  • Für mingo:


    Das Problem des Linkshänders ist in der Tat, daß er, von links nach rechts, den Stift nicht ziehen kann, sondern schieben muß. Diesem Dilemma kann er nur entgehen wenn er spiegelverkehrt schreibt. Dann kann er aber nur auf dünnem Papier eine Seite beschreiben, damit die Leser es bei Sonnenschein verkehrt ans Fenster halten können, um es lesen zu können. Was dann in der Regel dann kein Problem darstellt. Nur ist das sicher nicht die praktikable Lösung.

    Das zweite Problem ist natürlich, daß das Schriftbild beim Schreiben verdeckt wird, also die Sofortkontrolle eingeschränkt ist. Will man also eine Zugschrift in eine Schubschrift wandeln, ohne das Ergebnis im Entstehen überprüfen zu können, kann das schon mal krakelig ausgehen.

    Nun hat der linkshändige Schreibanfänger ebenfalls das Problem der Vorgabe. Also, wie die Buchstaben aussehen (in der Regel beginnen sie im Zug), daß das Schriftbild gerade oder leicht rechtsgeneigt sein soll. Er muß nun den Zug in einen Schub wandeln, dabei das Buchstabenbild kopieren und die gerade oder rechtsgeneigte Form erreichen. Zuerst wird die Buchstabenkopie in gerader Führung probiert werden. Also die Schreibung erfolgt wie beim Rechtshänder, auf der gleichen Linie, nur im Schub. Nachteil: Schub greift nicht im selben Maße aus wie Zug, und das Schriftbild ist verdeckt; beim Tinteschreiben kommt verwischt noch hinzu.

    Der Linkshänder muß also eine andere Schreibung finden. Variante 1 ist die Überschreibung. Er schreibt dabei über der Zeile, um eine Verwischung zu vermeiden und wenigstens teilweise Kontrolle über das Geschriebene zu haben. Nachteil: Die Kontrolle gelingt nur teilweise, da nach Vermeidung der Verdeckung durch die Hand der Arm die Schrift verdeckt. Vorteil: Die Verwischung wird vermieden (wenn die Tinte schnell genug trocknet, sonst wird es zum Problem in der Folgezeile) und die Rechtskippung kann erreicht werden.

    Manche Linkshänder legen sich das Blatt so, daß sie halbschräg von links unten nach rechts oben schreiben können. Daß minimiert die Probleme, kann aber zu einer extremen Rechtskippung führen.

    Variante 2 ist die Unterschreibung. Dabei wird unter der Zeile geschrieben, um eine Verwischung zu vermeiden und die Kontrolle über das Schriftbild zu behalten. Vorteil: Das Schriftbild ist jederzeit kontrollierbar. Eine Verwischung kann vermieden werden, da immer nur eine Stiftführung im freien Bereich erfolgt. Nachteil: Die Schrift erfährt eine Linkskippung.

    Schlußendlich muß jeder Linkshänder die Variante finden, die ihm liegt.

    Abgesehen davon, daß ist aber gewissermaßen altersabhängig (kann er, wird er sich das trauen), hat er natürlich die Möglichkeit, die Buchstaben bedingt zu modifizieren, um sie aus dem Schub in den Zug zu bekommen. C ist da kein Problem. A kann rechts angefangen werden. F fängt am oberen Strich an und so weiter.

    Insofern eine "hübsche" Schrift angestrebt wird, findet der Linkshänder irgendwann schon eine Möglichkeit die auch umzusetzen.

    Nur üben bleibt nicht erspart.