Ein Zauberſpruch

  • In dem öſterreichiſchen Haushaltsbuch befinden ſich einige Zeilen, worin es vermutlich um einen Zauberſpruch geht. Hier kenne ich weder die genaue Schreibweiſe noch die Bedeutung des erſten Wortes. Und es iſt unklar, ob die Zeile "Jeſus ..." am Ende dazu gehört.


    Horwinde ich trage dich, in einen wilden

    Wald, wo kein Hahn nicht kraht, und kein

    Mann nicht maht, u kein Kind geboren

    wird, dß geschehe


    Jesus, Nazarrenus, Reks, Judioran


    Vier Erklärungsverſuche:

    1. Der Name „Horwinde“, „Harwinde“ oder „Herwinde“ könnte ſlawiſchen Urſprungs ſein, da „Winde“ gleich „Wende“ heißt, gleichbedeutend für „Sorbe“. Die Zeile ganz unten „Jesus ...“ gehört vermutlich zum Zauberſpruch, was eine Vermiſchung von Heidniſchen und Chriſtlichen bedeuten würde.

    2. Es kann aber auch eine ungeliebte Perſon gemeint ſein, die in den Wald fortgeſchafft werden ſoll; zumindeſt gedanklich. Dann wäre der Spruch aber ſchon etwas gruſelig.

    3. Die weitere Deutung wäre, daß es „Hör Winde“ heißen könnte. Die Feder wurde beim Schreiben von zwei Worten nicht abgeſetzt und ſomit zusammengeſchrieben, was im Buch häufig vorkam. Der Wegfall der Striche über dem „o“ könnte auf Dialekt zurückzuführen ſein; wie eben beim Wort „kraht“ ſtatt kräht oder „maht“ ſtatt mäht.

    Bei dieſer Verſion könnte ich mir aber inhaltlich keinen Reim draus machen.

    4. Eine andere Deutung ſteht für „Horwinde“. Dieſe Bezeichnung habe ich für „abgehende Darmwinde“ im Netz gefunden, dann wäre es aber kein Zauberſpruch mehr.


    Was haltet Ihr davon?

  • Es unterstreichen mehrere Ausdrücke die antichristliche Ausrichtung dieses Spruchs, der wilde Wald als alttestamentarisches Symbol für die lauernde Gefahr (häufig in Gleichnissen mit Löwen zu finden), der Hahn, der kräht (ehe der Hahn dreimal kräht, wirst du mich verleugnen), das Kind, das nicht neugeboren wird (Anspielung auf die Wiedergeburt) Hier soll also also ein finsterer, gefährlicher Ort ohne Leben suggeriert werden, darunter dann noch das INRI (Jesus Nazarenus, Reks, Judiorum), da könnte Horwinde gut irgend irgendeine Zauberformel sein, vielleicht aus einer Naturreligion stammend. Aus meinem Germanisch-Wörterbuch habe ich zusammengesetzt das Wort Hurenwein herausbekommen, also irgendein Gebräu vielleicht, das dort im Wald hergestellt werden sollte.


    Allerdings ist Deutung Nr. 4 hier mein absoluter Favorit, besonders in Kombination mit dem Rest. Grammatisch natürlich auch eher abwegig.


    5. horowin ist übrigens althochdeutsch für Sumpf, sumpfig, wenn das nicht weiterhilft.

    6. Zudem, obwohl klar ein H voransteht, könnte man überlegen, ob das Wort irgendeine dialektale Form von Nordwind sein soll. Der kommt sehr oft in Dämonenbeschwörungen und Zauberformeln vor.

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  • Ich muß ja zugeben, daß meine Fragen im Forum oftmals über das Übliche hinausgehen. Auch muß ich damit rechnen, daß ſich keine eindeutige Löſung finden läßt.


    Die aufgeliſteten Gleichniſſe treffen inhaltlich den 2. Teil ſehr gut, was zum Verſtändnis des Spruchs wichtig iſt.

    Was nun „Horwinde“ betrifft, kann ich mich bei den vielen Deutungsverſuchen, als auch den ſinnhaften Varianten nicht entſchließen.

    Es war möglicherweiſe ein perſönlicher Spruch, den kein anderer verſtehen konnte und ſollte, als der Schreiber ſelbst.


    Nochmals recht ſchönen Dank!