Pflege von Stahlfedern

  • Ich hatte mir mal ein Kalligraphie-Set zugelegt. Von den mitunter exotiſch ausſehenden Stahlfedern war eine geradezu unſchlagbar. Der Tintenfluß war gleichmäßig, kein Kleckſen, die Feder kam mit der ſchwierigſten Tinte zurecht. Und ich konnte zwei bis drei Zeilen ſchreiben, ohne ins Faß zu tunken.


    Nach dem Schreiben habe ich die Feder abgeſpült und trocknen laſſen.


    Jetzt macht ſie mir aber Schwierigkeiten: obwohl kaum abgenutzt, nicht überſtrapaziert durch Druck oder ſchlechten Papier muß ich öfters Buchſtaben nachſchreiben.


    Weiß jemand noch Pflegetips? Ich könnte mir vorſtellen, daß zu Zeiten als die Stahlfedern aufkamen, dieſe mancher Prozedur unterworfen wurden, um ſie länger im Gebrauch zu haben, bevor ſie zur Maſſenware verkamen.

  • Bei der Benutzung von (Stahl-) Federn kommt es auf die Schreibflüssigkeit an.

    - Tinten sollten normalerweise kein Problem darstellen: einfach mit Wasser reinigen, am (Haushaltstuch-) Tuch sauber abstreifen und gut ist.

    - Tuschen, wasserfeste Tinten, Gouachen, Holzbeizen, o.ä. kleben leichter an der Feder. Hier kann man die Feder einfach mit einer (nicht mehr benutzten ;)) Zahnbürste gut reinigen, d.h. die Feder im Wasserglas schön sauber schrubben und anschließend wieder abtrocknen.

    Wenn das für den Fluß nicht genügt, wird es schon schwieriger. Was genau das Problmen bei Ihrer Feder ist, kann man so aus der Ferne schlecht beurteilen.

    Können Sie mal ein-zwei Bilder der Feder hier einstellen, auf denen man genaue Einzelheiten sieht?


    Nach meiner Erfahrung sind die neuen Stahlfedern noch mit einer dünnen Öl- oder Wachsschicht benetzt, um sie zu schützen.

    Diese Schicht kann tw. das Fließen der Schreibflüssigkeiten negativ beeinflussen (Tinte perlt ab oder fließt nicht zur Spitze).

    Da hilft es, die Feder kurz 1-2 Sekunden in eine Flamme zu halten und anschl. an einem Tuch abzuwischen.

  • Das Papier, welches ich verwende, iſt recht ordentlich. Keineswegs zu rauh, als daß ſich die Feder abgenutzt haben könnte. Und ſo viel ſchreibe ich noch nicht.


    Die Tinte, die ich bisher benutzt habe, iſt ſehr unterſchiedlich, manche iſt recht dünnflüßig; nicht von der Farbe her, die iſt in Ordnung. Auf jeden Fall iſt keine Eiſengallustinte dabei.

    Dieſes Problem habe ich auch mit den Tinten, die ich ſtändig verwende.


    Dieſes Schreibſet gibt es in Weimar im „Gingko Shop“. Ein Federhalter, 9 Stahlfedern, ein Vorlagenblatt und alles in einer Geſchenkmappe - ganz nett; ohne Reklame machen zu wollen.


    Die beſagte Feder macht den Eindruck, daß ſie ſchlecht ausgeſtanzt iſt. Die Aufſchrift darauf lautet: „Boite Plume Blanzy Poure & Cie“.

    Im Netz habe ich dieſe Feder nicht finden können. Beim Verſuch mir einfach nochmal das ganze Set neu zu zulegen, mußte ich feſtſtellen, daß dieſe in veränderter Form mit völlig anderen Federn angeboten wird.

  • Vielen Dank für die Bilder und die Erläuterungen.

    Haben Sie schon die obigen Reinigungsvorschläge umgesetzt (Zahnbürste, Flamme)?

    Falls das nicht geholfen hat, kann man evtl. den Spalt mit einem Skalpell / Tapetenmesser freikratzen, um vorhandene Partikel zu entfernen.

    Auf dem Bild der Feder kann man leider nicht genau erkennen, ob es an der Verunreinigung oder am Spalt zwischen den beiden Federschenkeln liegt, sodaß ich nur Vermutungen in den Raum stellen kann.

    Da die Feder noch ziemlich neu scheint, würde ich diese erstmal kurz "abflammen" und mit einem trockenen Tuch die Rußreste entfernen.


    Es gibt leider so viele Möglichkeiten im Zusammenwirken von Federn und Schreibflüssigkeiten...

    Für meine Arbeiten verwende ich hauptsächlich Federn der Firma Brause, welche qualitativ sehr gut sind.

  • Zunächſt muß ich ſagen, habe ich bis dato die Federn nach Gebrauch lediglich abgewiſcht, abgeſpült und trocknen laſſen.


    Speziell dieſe Feder ſieht mir ſehr gebrechlich aus und ich wollte dieſe nicht überdimenſional mechaniſch reinigen. Hier habe ich es mit Zahnbürſte und Zahncreme verſucht und anſchließend geſpült. (Die anderen empfohlenen Gerätſchaften wollte ich lieber nicht teſten.) Das Schreibergebnis iſt momentan aber dasſelbe.


    Ich denke nicht, daß das Problem an diverſen Tintenreſten oder eventuellen Roſtſtellen liegt, eher an minderer Qualität des Materials. (Die empfohlenen Brauſe-Federn behalte ich im Auge.)

    Auf jeden Fall sollte ich ſchon der Reinigung künftig mehr Aufmerkſamkeit widmen.


    Auch will ich mal eine Säuberung im Ultraschall-Reinigungsbad teſten; auch wenn das nicht gerade traditionell erſcheint.


    Nochmals recht ſchönen Dank

  • Ja, das Grundmaterial macht schon einiges aus.

    An meinen Federn ist teilweise einiges an "Patina" vorhanden, aber sie schreiben noch gut.

    Allerdings schleife ich auch manche Federn am Abziehstein nach, wenn die Schreibqualität nachläßt.


    Es ist eine gute Idee, mit dem Ultraschallreinigungsgerät die Verkrustungen zu lösen - sowas habe ich nicht.

    Dann wünsche ich noch viel Erfolg und geben hier Ihre Erfahrungen weiter.

    Das würde mich auch sehr interessieren.