Ortschaftsname

  • Liebe Forenmitglieder,

    ich kann das letzte Wort, den Ortschaftsnamen leider nur teilweise entziffern.

    Ich bitte Euch um Hilfe. Der Textausschnitt ist aus dem Matrikelbuch der Pfarre von Weinburg bei St. Pölten.


    Karolina Ehegattin des Hh Joseph Zwierzina Besitzers des Bauerngutes Bilachhof in Mühlhofen hiesige Pfarre und Tochter des Franz M(Backa?) Hausbesitzers in Proßnitz in Mähren und der Johanna dessen Gattin Hausbesitzerin in .uedro..sdorf.

  • In Mähren fand ich noch

    Dörnsdorf bei Pressnitz und

    Drömsdorf bei Liebau


    Die hast du sicher auch schon gefunden. Da nicht mal der Name genannt ist, ich den Anfangsbuchstaben nicht zuordnen kann (R?) und ich nirgendwo einen vergleichbaren Ort gefunden habe, muss ich hier aufgeben, sollt nicht zufällig noch mehr Text vorhanden sein.

  • Noch zumindest... Ich mag nicht wirklich entscheiden, ob das ein n oder m vor "nsdorf" ist, da das davor wohl offensichtlich ein o sein soll und damit dann ein Bogen zuviel dahinter wäre. Wirklich wichtig wäre aber der erste Buchstabe, vielleicht findest du ihn noch irgendwo anders im Dokument.

  • ...und noch ein abwegiger Vorschlag: ich weiß ja nicht, was das für Leute waren, aber ich fand bei Wien den schönen Ort Guntramsdorf. Geht man jetzt von einer dialektalen Verschleifung zu Kundromsdorf aus, könnte es hier ja durchaus eine Übereinstimmung gegeben haben. Einziger Haken an der Sache: Prostějov und Guntramsdorf liegen 218 Kilometer voneinander entfernt. Natürlich kann man jetzt argumentieren, die haben damals die österreichische A55 genommen und dann konnten sie sich ja mit ihrem Golf Kombi in 2 1/2 Stunden besuchen. Aber ich will hier kein lächerliches oder kontrafaktisches Szenario entwerfen, da ich die Zeit dieses Eintrags nicht kenne. Vielleicht existierten damals noch nicht einmal die Schnellstraßen, auf denen die Leute mit ihrem Golf Kombi hätten von A nach B kommen können.

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  • Andererseits sind es von Guntramsdorf nach St. Pölten nur 71 Kilometer... wenn die jetzt also damals den Bus genommen hätten...

  • Auch ich bin unentschieden, ob es ein "m" (?) oder "nn" (?) nach dem "o" ist. Ja, "ein Bogen zu viel", das stört mich.

    Der Vorschlag Guntramsdorf ist dagegen sehr sympathisch. Danke für die Mühe!

    Die Entfernungen waren sicher kein Problem, weil damals die Menschen eher nach praktischen Aspekten den Ehepartner ausgewählt haben, und nicht nach den sich schnell ändernden Gefühlen.
    Wir müssen nicht annehmen, dass die Ehepartner immer aus dem Nachbarndorf waren. Niederösterreich, Mähren, Elsaß.

  • Das kommt immer darauf an, wann "damals" war. Für die Masse an Junggesellen in Matriken und Kirchenbüchern des 18. und frühen 19. Jahrhunderts war es nicht ohne Weiteres erschwinglich, eine Braut im Elsass oder an der Donau zu nehmen, wenn sie, sagen wir mal, Wagner im Emsland waren. Selbst die Einwände, dass die Gesellen ja immer noch auf Wanderschaft gingen, führte selten solche großen Entfernungen herbei, weil es natürlich immer am Wohlstand der Gildemeister in den betreffenden Städten einer Region lag, wie gut sie die Lehrlinge für die Walz ausstatten konnten. Anspänner in den Dörfern hatten zwar Pferde, Wagen und teilweise Kutschen, mussten aber dennoch immer mit der eigenen Subsistenz rechnen, da lange Fuhren und Wagenreisen die Pferde verschleißten. Die mussten dann häufiger teuer gewartet werden (Ölwechsel, Bremsbacken, Winterhufeisen). So kam eins zum anderen (oder eben nicht).

  • Lieber AN, ich danke Dir für die Erklärung bezüglich der Mobilität der Menschen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Wahrscheinlich existierten mehrere "Strategien" paralell, wie und wie weit die Menschen damals kommen mochten / mußten. Natürlich steckt hinter jeder "Migration" die Frage des "Warum?".

    Im Laufe des 18. Jahrhunderts siedelten sich mehrere Hundertausend deutsche Menschen im Königreich Ungarn an. Nicht nur Bauer, sondern auch Handwerker. Die Hoffnung auf ein besseres Leben, ein wirtschaftlisches Vorwärtskommen war für sie eine sehr starke Motivation.

    Einer der ersten deutschen Bürger meiner Heimatstadt Fünfkirchen/Pécs kam um 1690 aus Hamburg. Wohlbemerkt, er war mit dieser extremen Entfernung eine Ausnahme, die meisten kamen aus österreichischen Ländern, wenigere aus Bayern und Württemberg. Aber auch die Letzteren sind eigentlich schöne Strecken.
    Auch die Juden sind interessant, wie weit sie gegangen sind. Ich fand Dokumente über einer Jüdin in unserem Stadtarchiv: Sie ist in Frankfurt am Main geboren 1784, als Erwachsene war sie in Schwabach ansässig, aber 1820 tauchte sie in unserem Landkreis auf und heiratete einen Juden aus Fünfkirchen, sie lebte und starb hier.

  • Das spricht, wie so oft, für die ausgeprägten, regionalen Spezifika des heiligen römischen Reichs. In Preußen musste der König die sog. Kolonisten bezahlen oder mit Geld locken, damit sie sich da ansiedelten, wo er wollte. Er hat ja mehrfach wegen Fachkräftemangels Personen von einer Region in die andere geschoben. Das war der erste Einfall, um die muffigen und angestaubten Wirtschaftsverhältnisse kleinerer Provinzen überhaupt wieder einträglich und lebenswert zu machen, fast hundert Jahre nach den Zerstörungen des dreißigjährigen Kriegs!


    Wie das mit den Juden war, weiß ich, wie immer, natürlich nicht so genau, aber da überraschen mich weite Wege weniger. Schließlich gab ja nicht jeder Ort Geleitrechte für Juden aus, ganz besonders wenn man oberhalb des Mains in einer erzlutherischen Gemeinde eine Bleibe suchte.


    Außerdem waren Juden ja auch auch reicher und konnten sich, früher als der einfache Landmann, einen Golf Kombi leisten.