Aus einem „Öſterreichiſchen Haushaltsbuch“ um 1850 – Teil 7

  • Hallo alle Miteinander!


    Nochmals recht ſchönen Dank an alle, die mir bei den bisherigen Übertragungen, beſonders auch beim Inhaltlichen, geholfen haben!

    Ich ſtelle wieder mal einige unklare Leſeſtellen aus dem Haushaltsbuch zur Diskuſſion. Zum Einleſen zeige ich größere Textpaſſagen.


    Hier geht es um die ſchönſten Seiten des Buches. Die Schreiberin ſammelte ein paar Hochzeitsreden, - lieder und kleine Geſchichten. Da ſie aktiv den Gottesdienst beſuchte (vielleicht auch im Kirchenrat war), ſpielte das Kirchenleben für ſie eine große Rolle.


    Wie immer ſteckt hier eventuell auch österreichiſcher Volksmund mit drin. Intereſſant für mich ſind auch Erklärungen zu den Wörtern.

    Unklare Leſesſtellen wurden gelb und in der Bedeutung nicht verſtandene wurden blau hinterlegt.


    Auf Hinweiſe und Ergebnisse bin ich wie immer ſehr geſpannt!


    1.) S. 258 – „Braut Gesang“

    Die Strophe 8 verſtehe ich inhaltlich ſo; daß es um die chriſtliche Erziehung der Kinder geht, jedoch was ſteht hinter dem Wort „christlich“: „aufzirge“ oder „aufzimge“?


    7.

    Heuet ein Jahr werm mir sagen, is die

    Hochzeit gwest da, und jetzt rennendt

    der Braut, die klein Kinder schon nach.

    8.

    Schickt euch Gott Kinder, nehmts Ihrs an

    als Geschenk dünks ist christlich aufzirge

    seits auf dß nun gedenkt.

    9.

    Da beklang sich oft Ältern, dß Kinder, nicht

    folge ist in eun oft d Schuld, wers in Bum

    zu spat birgen.


    2.) S. 259-d – „Für die Ehefrauen“

    Hier handelt es ſich um ein Hochzeitsgedicht, das in einfacher Versform geſchrieben wurde. Inhaltlich iſt die vorletzte Zeile klar (Tratſchen, Klatſchzunge), jedoch kann ich die gekennzeichnete Stelle nicht eindeutig leſen. Handelt es ſich um ein oder um zwei Worte?


    Dein Wille, Weibchen, merk es fein,

    Muß nun des Gatten Willen seyen,

    Sprich nicht! Wir Weiber sind zu schwach,

    das schwächern gibt am leichsten nach

    Hats Mänchen oft den Kopf zu voll,

    Mach ihn durch Widerspruch nicht toll,

    Geh, ihm liebkoßend um den Barth.

    Nur schmeichle nicht nach Katzen Art,

    Ein freundlichs Wort zu rechten Zeit,

    Hat manchen Unmuth oft zerstreut

    ein Händedruck, mit Kuß ein Blick,

    Bringt frohe Launen oft zurück,

    Auf Klatschen eynen höre nie,

    Denn nichts als Ehezwist stiften sie


    3.) S. 261 – „Der sonderbare Brautwerber“, Teil 2

    Hier geht es um den Begriff „ferngesint“ (Teil 2) und um zwei unſichere Leſestellen (Teil 1).

    Nicht wundern, daß erſt Teil 2 und dann Teil 1 folgt. Die Schreiberin hat einfach leere Seiten genommen und dabei nicht auf die Reihenfolge geachtet.


    dich besonnen. Meine Ältern ists recht, u mir ists auch recht, ich

    will dich heirathen; sagte sie halblaut u etwas verschämt.

    So seys Gott gedankt, rief er erfreut! Jetzt ist alles recht

    gerade so, wie es der Vatter will. Jetzt behüth dich Gott,

    ich muß geschwindt nach Hause u es den Vatter sagen.

    Gelobt sey Jesus Christus. Darauf erwiederte sie:

    Ey, so warte ein wenig, bis ich hinab kome, ich will dir

    etwas zu essen u zu trinken geben. Nein, nein, bleib

    du nur droben, ich hab nicht Zeit, ich muß gehen. Behüth

    dich Gott. Damit eilte er fort, u nahm wieder den

    Rosenkranz in die Hand. Bald wurde Hochzeit

    gehalten. Bräutigam u Braut, beydte nicht beflekt

    von jenen Ausschweifungen, welche leider oft so

    vielen Ehen veranzugehen pflegen, beyde un-

    verdorben an Leib u Seelle beyde gesund u kraftvoll

    beyde gleich ferngesint, wurden die glücklichsten Eheleute.


    4.) S. 263 – „Der sonderbare Brautwerber“, Teil 1

    deinen Rath, ich bitte Dich, der Vatter besan sich

    eine Weille, und ließ, wie es schien, die heiratsfähigen

    Jungfrauen der Gemeinde von seinen Geistesauge vor-

    übergehen, um die Beste von Ihnen auszuwählen, und

    sagte endlich. Die N. N. dort in den Haus dß du siehst

    wäre für dich die tauglichste. Sie ist ein recht gutes Kind

    gegen ihre Ältern, sie ist sehr eingezegen u sittsam, betet

    gern und, was für uns auch eine Hauptsache ist, sie kann

    alle weiblichen Arbeiten recht gut, u arbeitet auf den

    Feld wie ein Mann. Nebst dem hat sie auch ein ordent-

    liches Vermögen zu erwarten, schau also dß du sie

    bekomst. Ja Vater! versetze der Bur! wie soll ichs

    machen was soll ich sagen? Lachend erwiederte der


    5.) S. 268


    In der katholiſchen Kirche kenne ich mich nicht ganz aus, jedoch haben hier die Mädchen eine neue Altersſtufe erreicht, was ſich auch in der Haar- und Kirchentracht widerſpiegelte. Die hinterlegte Stelle verſtehe ich inhaltlich nicht eindeutig.


    Wohl tritst du nun,

    In ernsten Frauen Kreise,

    Die Mürthe schmükt zum letzmahl dein

    Haar

    Du turdelst nicht mehr

    Nach der Mädchen weise

    Und nimst jetzt Abschied

    Von der Jungfrau Schaar

    Doch blickst du künftig

    Ernst in unsern Reihen

    Schilt unsern Freuden

    Dan nicht leeren Wahn

    Den die Erinnerung

    Wird die Bilder zeugen

    Und lächelnd sagen

    O! denkt du noch daran.

  • 1.) ensprungen (?)

    2.) Clatschereyen

    3.) fromgesint

    4.) Die N. N. dort in den Haus dß du führst, eingezogen (oder ungezogen, grrrr....), Versetze dan Bau!

    5.) einen leeren Wahn schelten = als Fantastereien abtun, die jugendlichen Freuden schlechtreden, letzte Zeile: O! denkst du noch daran.

  • Recht ſchönen Dank, Angemeldet!


    1.) S. 258 – „Braut Gesang“

    Dieſe Stelle bleibt nach wie vor rätſelhaft. Wahrſcheinlich müßte hier ein „waſchechter“ Öſterreicher ran, um dieſe zu klären.


    2.) S. 259-d – „Für die Ehefrauen“

    „Clatschereyen“

    Dieſe Stelle iſt ſomit geklärt.


    3.) S. 261 – „Der sonderbare Brautwerber“, Teil 2

    Dies iſt für mich auch geklärt: „fromgesint“ statt „ferngesint“; in der Bedeutung von fromm lebend.


    4. ) S. 263 – „Der sonderbare Brautwerber“, Teil 1

    … sie ist sehr eingezegen u sittsam, betet gern …

    Ich vermutet hier „eingezogen“, im Sinne von ſehr beſcheiden und ruhig.


    ... Ja Vater! versetze der Bur! wie soll ichs ….


    Hier denke ich, iſt "versetze" oder „versatze“ für „antwortete“ der Bur/Bauer; in dieſem Fall der Sohn.


    5.) S. 268

    Das Wort „schilt“ iſt für mich noch nicht eindeutig, aber dem Inhalt der Strophen ſind wir hier ſchon näher gekommen.


    Auch recht ſchönen Dank, daß du mich auf kleine Schreibfehler aufmerkſam machst Die ſchleichen ſich leider immer wieder ein - trotz mehrfachen Korrekturleſens. So was nenne ich kritiſche Durchſicht!


    Hat jemand noch ein paar Ideen?

  • Zu Erstens mein ich, es kann schon "aufzirge" sein, ob nun im Sinne von aufzeigen oder aufziehen, mag ich aber nicht entscheiden.


    Zu Viertens bin ich für das "o".


    Bei Fünftens steht "Schilt", Aufforderungsform von schelten, wie von Angemeldet vermerkt. Kenn ich noch von Großmuttern, die hat das noch so geredet.