Wie heißt die Roßfelder Braut?

  • Ich möchte um Hilfe bei der Entzifferung eines Familiennamens bitten. Es geht um einen Traueintrag im evangelischen Kirchenbuch von Roßfeld bei Coburg aus dem Jahre 1717, speziell um den Familiennamen der Braut. Ich lese es so:


    1717 (S. 40): D. 9. November ist H. Leonhard Tod Schulmeister allhier Hn. Martin Tods auch Schulmeisters allhier hinterlaßener ältester Sohn mit Jgfr. Dorothea Hasin Meister Augustin Hasens Einwohners und Sechsers in Wiesenfeld jüngster Tochter getraut worden. Hosp. Hanß Rottmann Schultheiß, Claus Schneider XII. Hanß Rittweger XII. Lorentz Rittweger XII. Paragraphus Thomas Wittmann von Watzen Dorff.


    Mein bester Tipp für den Namen der Braut ist Hasin, für den ihres Vaters Hasens. Daraus ergäbe sich vielleicht der heutige Name HA(A)S. Ich bin mir aber alles andere als sicher.


    Etwas unsicher bin ich mir auch mit dem Beruf des letzten Trauzeugen: Paragraphus(?) - was immer das letztlich sein mag. Jedenfalls scheint es ein gebildeter Herr gewesen zu sein, da er vielleicht seinen Namen selbst ins Kirchenbuch geschrieben hat.


    Der Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und
    Zukunft ist [...] eine Illusion, wenn auch eine hartnäckige.

    Albert Einstein (1879-1955)

  • Ich würde der Lesart des Namens zustimmen.


    Zum paragraphus kann ich aber nur soviel beitragen, als dass das, weder semantisch noch über Berufslexika oder Wörterbücher in irgendeiner Form als Beruf durchgehen kann. Übersetzt heißt es einfach nur Zeichen oder Linie entlang des Textes oder eben Trennlinie, wenn man es mal wörtlich nimmt. Vielmehr wundert mich, dass Zeugen bei einer Hochzeit genannt werden (oder vielmehr Gäste (Hosp(es)). War das in Franken so üblich? Wenn nein, was bedeutet dann die ständig wiederkehrende römische zwölf, die hier als Trennzeichen verwendet wurde? Geht das im Kirchenbuch so weiter oder ist das eine einmalige Geschichte?

  • Danke für die Bestärkung in der Lesart. Über fränkische Kirchenbücher allgemein kann ich wenig aussagen, da ich hier kaum forsche. Die Kirchenbücher von Roßfeld und Rodach im damals sächsischen Coburg sind die einzigen, die ich in den letzten Tagen durchsucht habe.


    Es kommt aber je nach Pfarrer und Zeit (17. bis 19. Jhdt.) häufiger vor, dass Trauzeugen aufgeführt werden, bei diesem Pfarrer als "hospes". An der römischen XII habe ich auch ein paar Tage herumgerätselt, bis bei einem Eintrag jemand ausgeschrieben als "Zwölfer" bezeichnet wurde, zudem einer der hier aufgeführten Trauzeugen. Ohne dass ich es bisher belegen kann, gehe ich davon aus, dass es sich um Mitglieder des Ortsgerichtes handeln könnte. Der Brautvater aus dem benachbarten Ort Wiesenfeld wird als "Sechser" bezeichnet, vermutlich in ähnlicher Funktion.


    Ich habe die Suche nach der Bedeutung dieser Bezeichnungen aber nicht vertieft, zumal sie in dem Zusammenhang, in dem ich nachforsche, nicht weiter wichtig sind.

    Der Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und
    Zukunft ist [...] eine Illusion, wenn auch eine hartnäckige.

    Albert Einstein (1879-1955)

  • Ok, naja, die hatten mich natürlich am meisten beschäftigt. Mal die obige Deutung aufgreifend, dass der Herr Wittmann seinen Namen selbst ins Kirchenbuch geschrieben hat, würde ich dazu tendieren, parargraphus als (falsch) eingegriechischtes Partizip Perfekt zu lesen, angelehnt an das lateinische PPP (die griechiche Form davon wäre dann korrekt paragrammenos). Also sollte es wohl sowas heißen wie "der, der nebenstehend geschrieben hat" oder "der Beigeschriebene"

  • Danke, das hat Sinn und leuchtet ein.

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