völlig ausgebleichte Schrift sichtbar machen

  • Ich bin nicht sicher, ob es wirklich um das Foto mit dem dicken Tintenklecks in der Mitte und dem deutlich lesbaren Datum am Rand geht. Ich tue mich sehr schwer, mir irgendwo auf der Fläche Schriftspuren einzubilden. Wenn es wirklich um das beschriebene Bild gehen sollte, könnte ein Hinweis, wo man suchen soll, nicht schaden. Oder zeigt das Dropbox-Bild einfach nur irrtümlich die falsche Seite?

    Der Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und
    Zukunft ist [...] eine Illusion, wenn auch eine hartnäckige.

    Albert Einstein (1879-1955)

  • Alter Fritz, danke für deine Antwort und Bemühung. Doch, es geht um dieses Bild. Ich habe es mit Windows Fotoanzeige geöffnet und vergrößert. Gerade unter dem Klecks kann man etwas erkennen.

  • Ich kann leider beim beſten Willen keine Schrift erkennen. Zwar ſieht man zwei Bögen, jedoch vermute ich eher, daß sich hier dunklere Fasern befinden. Überhaupt ist das Papier ſehr faſrig.


    Betrachtet man das ſehr gut erhaltene Datum bzw. den „hervorragenden“ Tintenkleks, fragt man ſich, warum ſollte denn ausgerechnet Adreſſe oder Text mit einer anderen Tinte geſchrieben worden ſein, daß man gerade noch ſo u-Bögen oder i-Pünktchen erkennen kann.


    Aber die Frage an ſich iſt ſehr intereſſant. Ich ſelbst habe Texte, die durch ſchlechte (vermutlich ſelbst hergeſtellte) Tinte, ſtark ausgeblichen ſind oder durch ſchlechtes Papier zerlaufen iſt. Ein Toll, zur Verbeſſerung der Lesbarkeit gibt es mit Sicherheit, aber nicht für die Allgemeinheit. Eher iſt ſo ein Tool mit entſprechender Spezialtechnik verbunden.

  • Also, ich habe die Kontrastspreizung entfernt und die Tiefenschärfe verstärkt, aber selbst wenn ich den Farbwertregler bis zum äußersten Ende bewege, wäre da nichts mehr deutlicher zu machen, ich fürchte, nicht mal mit noch höherer Dpi-Zahl.


    Ich bilde mir ein, zu wissen, was du meintest und ich habe es jetzt mal von den Farbwerten her so eingestellt, dass man es noch mit viel Fantasie erkennen kann. Ich sehe da eine Art "19" o.ä., würde aber mal stark vermuten, dass es sich um durchscheinende Schrift von der anderen Seite handelt. Ob das wirklich so ist, hängt natürlich immer davon ab, welcher Scanner verwendet wurde, wie hell etc.

  • Die Anmerkung von "Angemeldet" bezüglich der Diskrepanz zwischen exzellent lesbarem Datum und möglicherweise verblichener Schrift ist natürlich angebracht. Wenn nichts von der Rückseite durchgeschlagen ist, könnte vielleicht durch jahrzehntelanges unangetastetes Lagern zusammen mit anderen Schriftstücken oder Bildern etwas von einem anderen Exemplar "abgefärbt" haben.


    Nach meiner Erfahrung ist es sehr aussichtsreich, durch ein gutes Bildbearbeitungsprogramm schwache Schrift lesbarer zu machen, sofern die schwache Schrift als solche noch erkennbar ist. Im vorliegenden Fall würde ich das nicht erwarten, da die bereits von "mingo28" erwähnte Faserstruktur hier sehr leicht etwas vorgaukeln kann. Hinzu kommen Dateiformatprobleme (s.u.).


    Durch beherztes Experimentieren mit den Einstellmöglichkeiten bei Bildbearbeitungsprogrammen für Kontrast und Tonwerte kann man sich leicht Erfahrungen für geeignete Vorgehensweise aneignen. In Extremfällen kann eine Tonwerttrennung mit unterschiedlicher Einfärbung der getrennten Bereiche Gewinn bringen. Wenn man sich etwas Zeit nimmt, ist man nach meiner Meinung nach fünf oder zehn verschiedenen Problemproben so weit, dass man Ergebnisse erzielen kann. Es kann im Einzelfall auch hilfreich sein, dieselbe Probe mit verschiedenen Helligkeits- und/oder Kontrastwerte mehrmals zu scannen und zu einem Bild verrechnen zu lassen, mit dem man dann weiterarbeitet.


    Vor allem sollte man beim Scannen auf jeden Fall ein Bildformat ohne Kompression (z.B. TIFF) wählen und in Farbe mit mindestens 16 Bit Farbtiefe pro Kanal (48 Bit RGB) scannen, auch wenn der Bildschirm die Nuancen nicht anzeigen kann. Eine hinreichende Auflösung beim Scannen ist selbstverständlich, wenn es um die Sichtbarmachung feinster Details geht. Völlig ungeeignet als Ausgabeformat ist für diese Aufgabenstellung das JPG-Format, das die vorhandene Farbtiefe auf jeden Fall auf 8 Bit pro Kanal (24 Bit RGB) reduziert und außerdem die Daten mehr oder weniger komprimiert und dadurch Artefakte schafft, die im Ausgangsmaterial nicht vorhanden sind.


    Forensische Untersuchungsmöglichkeiten gehen natürlich noch weiter. Da setzt die Analyse aber schon bei erweiterten Möglichkeiten der Aufnahmetechnik ein, die einen Feld-Wald-Wiesen-Scanner überfordern.

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    Albert Einstein (1879-1955)

  • Eine Möglichkeit, die manchmal bei sehr dunklen Scans mit einem sehr differenzierten Farbspektrum hilft, wäre das Invertieren mit Photoshop und die Freistellung der Tiefen bei duplizierter Ebene mit dem Filter "Abwedeln". Dann erkennt man, je nachdem, wie oft man es gemacht hat, feinste Farbspuren ohne störende Hintergrundfarbe, die beim Abgleichen sonst immer mit rauf oder runtergeregelt wird. Schon etwas höhere Mathematik, aber den gleichen Effekt erzielt man bei der Arbeit mit einer Ebenenmaske. Vielleicht wird deswegen für die gängigen Bibliotheksscans Graustufen als "bestlesbarste" Variante empfohlen, weil man da solche Bearbeitungen unmittelbarer durchführen kann als bei Farbscans. Die allgemeine Empfehlung, dass das besser lesbar sei, teile ich nicht unbedingt. Manchmal sind die Schriften aber, vielleicht wie in diesem Fall auch, sehr mit der Hintergrundfarbe verschmolzen, sodass es besser wäre, verschiedene Ebenen mit einem Farbabgleich zu behandeln, so wie Alter Fritz das vorschlägt. Eine freie Variante zu Photoshop ist übrigens Gimp.


    Randfakt: Ich habe neulich auch noch von einer Variante gehört, die man im Bach-Archiv an Briefen mit verbleichter Tinte angewandt hat. Dabei wurde die obere Papierschicht quer vom Blatt abgelöst, um die darunterliegenden Einkerbungen der Feder wieder neu einzufärben. Natürlich blickt man mit Neid auf solche Experimente, mit denen entsprechend reich ausgestatte Archive wertvolle Inhalte ganzer Corpora wieder ans Licht bringen. Das geht dann freilich aber nur mit entsprechenden Papierrestauratoren und der passenden Papierstruktur und vermutlich auch etwas Glück. Bei uns kann man froh sein, wenn die Dienststellen das Papier nicht gleich in den Müll werfen, wenn mal Stockflecken oder Kleckse drauf sind.