Sütterlin & Co. in der DDR

  • Hallo,

    kann mir jemand ſagen oder am beſten belegen, ob die Ausſage zutrifft, daß in der DDR Sütterlin bis in die 60er Verwendung fand? Unklar iſt dabei natürlich, ob das in Lehrplänen verankert war oder damit nur die alltägliche Verwendung ſeitens derer gemeint iſt, welche dieſe Schrift noch gelernt hatten. Wer kann aus Erfahrung berichten, ob er oder ſie in der Schule (ab 1949 bis in die 60er) dieſe noch gelernt hatte? In Deutſch, in Kunſt, in Schönſchreiben ...? Kennt jemand Literatur oder andere Quellen, wo das vielleicht ſteht?

    Eine Anfrage beim Bund für deutſche Schrift brachte leider auch keine Antwort. Vielleicht iſt das noch nicht erforſcht.

    Für hilfreiche Antworten wäre ich außerordentlich dankbar.

  • Leider kann ich zu möglichen Verwendungen im Schulbereich nicht viel beisteuern, dafür bin ich zu jung. Das es in den Lehrplänen vorkam, kann ich mir aber nicht vorstellen, da meine Mutter, die in der zweiten Hälfte der 50er in die Schule kam, die Schrift nicht mehr gelernt hat.


    Verwendung fand sie aber durchaus. Ich habe im Familienbestand beispielsweise eine Urlaubskarte aus Mai 1961, der man das ansehen kann.

  • Vielen lieben Dank!

    Dann liegt es wohl in der Tat nahe, das mit einer Verwendung der deutſchen Schrift bis in die 60er eher ihre allgemeine Verwendung gemeint iſt. Ich kenne derlei Karten auch. Und ich erinnere mich an ein Gerichtsprotokoll aus den 70ern, wo der Protokollant eine ausgefeilte Schreibe hat, in der er die eine oder andere Steno-Form für g oder -ung verwendet hat. ...

    Danke!

  • Ich bin Jahrgang 1940 und kam 1946 in Dresden-Briesnitz in die Grundschule. Meine Klassenlehrerin Fräulein Schneider war noch vom alten Schlage und schrieb eine gestochene lateinische Schreibschrift. Nix da mit Sütterlin! Mein Vater war selbst Grundschullehrer, durfte aber als Wehrmachtsoffizier und NSDAP-Mitglied bis 1953 nicht mehr im Schuldienst tätig sein. Zu meinem Glück besaß er aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg noch eine Fibel, die zweischriftig war: eine Seite Sütterlin - dem gegenüber lateinisch. Ich war schon immer wissbegierig, und so bin ich bis heute der Gilde der Sütterlinleser und -schreiber noch anhängig.

  • Mir iſt persönlich nichts bekannt. Jedoch war im Tafelwerk der DDR (Sammlung von Tabellen und Formeln) das Sütterlin-Alphabet in den 1970er Jahren noch abgedruckt (auf einer linken Seite ganz unten; ich habe es noch deutlich vor Augen); in den 1980er Jahren verſchwand es aber. Das Tafelwerk hatte hauptſächlich in Chemie, Mathematik und Phyſik Verwendung. Es wurde aber nie das Sütterlin-Alphabet ſeitens der Lehrer auch nur erwähnt. Es ſpielte im Unterricht keine Rolle.


    Ein Freund von mir hat eine handſchriftlich ausgearbeitete Rede zum „Tag des Lehrer“ von 1953 in Sütterlin zur Diskuſſion geſtellt, da ſich für ihn einige unleſerliche Stellen darauf befanden. Das kann ich leider nicht hochladen, da dieſe Datei in WortPad und obendrein zu groß ist.

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  • Oh ja, ich kann mich auch erinnern. Ich glaube oder hörte mal, daß dieſe Schrift in der Vektorrechnung verwendet worden iſt bis irgendwann. Denn irgendeinen Grund muß es ja gehabt haben. ...

    Ließe ſich dieſe Datei nicht als PDF ſpeichern? Dann könnte man dieſe ja am Bildſchirm vergrößern und die Schnappſchuß-Funktion nutzen. Damit kann man dann wieder eine Bilddatei herſtellen. ... Oder einen „Screenshot“? Oder mit dem Handy ein Foto? Es gibt ſicher einen Weg. Hauptſache man kann es gut erkennen.

  • Zunächſt noch einen Nachtrag zu meinem vorherigen Beitrag:

    Ich hatte vergeſſen zu ſchreiben, daß die Rede mit Sicherheit von einem Lehrer verfaßt worden iſt, der dieſe Schrift noch gelernt hat.


    Dieſe Rede ist typiſch für die DDR. Inhaltlich will ich ſie nicht werten. Aber wie immer und überall klaffen Anſpruch und Wirklichkeit voneinander.


    Einige unklare Leſestellen beim Tranſkribieren bleiben aber.


    Auffällig iſt, daß das große „B“ wie ein kleines „b“ wirkt. Vergleicht man aber ein Wort mit kleinem „b“, ſo findet man einen ganz kleinen Unterſchied. Beim erſten Lesen glaubte ich noch, daß dem Schreiber Rechtſchreibefehler unterlaufen ſind.


    Was man nicht alles zuſtande kriegt, wenn man ſich nur Mühe gibt. Danke noch mal für den Screenſhot-Tip. Da habe ich einen Tag rumgefummelt, bis ich die angehangenen Dateien fertig hatte. Vielleicht kannſt Du ja was damit anfangen.

  • Tolle Leiſtung! Und ich denke , es iſt alles richtig.

    Der Text iſt gewiß schon sozialiſtiſch angehaucht. Das hält ſich aber noch ſehr in Grenzen. Ich glaube, daß der Text eher von der noch ziemlich neuen Zeit und vor allem vom Frieden geprägt iſt, wo noch nicht ſo ſehr Parteichineſiſch die Sprache bei Reden regierte. Der Krieg war erſt vor kurzem, und das Neue war noch frisch und hoffnungsvoll.