Aus einem Öſterreichiſchen Haushaltsbuch um 1850 – Teil 4

  • Heute wieder ein paar ſchwierige Stellen aus dem Buch. Wie immer geht es um die richtige Übertragung bzw. deren Bedeutung.


    S. 201:

    Zeumel Koch.

    Schwölle u stoße ¼ Pfund Mandln dan siede

    in einen Reindl ¼ Pfund Zucker, bis er fulspint

    gib die Mandln darunter, und ausgestoßenes

    gesähtes Zimt, dß es brauner wird, dan treibe

    ¼ Pfund Butter pflaumig ab, schlage 8 Eyerdötter

    hinein, die klar zu Schnee geschlagen,

    u darunter gerührt, auch klein geschnittene

    Lemonieschallen darunter gegeben u

    in Rohr gebacken.


    Urſprünglich habe ich „Zeumel“ übertragen. Es könnte aber auch „Zinnerl“ oder „Zimmel“ heißen.
    „Zimmel“ könnte eine Dialektform für Zimt ſein, was Sinn machen täte.
    Aber wieſo ein „Koch“ (im Titel), wenn zum Schluß im Rohr gebacken wird?


    S. 205:

    Für die Wassersucht.

    Um 6x Märzwiebeln, 6x Zimtrinden

    6x Zuckergandl, 3x Fennöchl, die 3x Prezrirten

    Weinstein, zusamen in 1 Seidl guten

    Wein ansetzen, und 24 Stund zu

    destelliren.


    In dieſem Haushaltsbuch befinden sich viele (mitunter ſehr fragwürdige) Arznei-Rezepte:

    1. Unſicher iſt gleich das 1. Wort; heißt es „Um“ oder „Am“?

    2. Dann die Maßangaben: Zuerſt glaubte ich, daß es ein kleines „x“ und damit „mal“ gemeint iſt. Hier könnte es aber auch
    eine Abkürzung für die Mengenangabe „Loth“ ſein, die ich aber ſo noch nicht geſehen habe.

    3. Dann kann "Fennöchl" nicht richtig übertragen ſein.

    4. Iſt „Prezrirten“ ein Adjektiv zu Weinſtein, wenn ich es richtig übertragen habe und was iſt damit gemeint?


    S. 206:

    Stuxvonmikatinktur 3 Lth Goldschwefel

    6 Lth zum Einreiben für die Rursucht

    beym Rindvieh auf dem Treitz.


    1 Pakl Külßup, ½ Pfund Federweiß, ½ Schweblblüh,

    ½ Pfund Weinstein.


    Heißt es im erſten Rezept „Treitz“ oder „Kreutz“?

    Und im Zweiten: Was für ein Pakl ist gemein: „Külßup“ oder „Külstuz“?


    S. 208:

    Schirauf Mehlspeiß. 4.

    In einen Kastroll wird ¼ Pfund Butter heiß

    gemacht gib ¼ Pfund feines Mehl hinein, laß es

    anlaufen dan gib 1 Sdl Rahm, dazu, trokne

    es gut ab, dan gib es in einen Weidling, rühre

    es bis es überkühlt ist, dan gib 14 Dötter …


    Hier leſe ich „Schirauf“, bin mir aber keineswegs ſicher; vielleicht iſt es verſehentlich zusammen geſchrieben worden und ſoll „Schir auf Mehlspeiß“ heißen.

    Und ich kann mir überhaupt nichts drunter vorſtellen.


    S. 210:

    Thein Brod. 13.

    1 Pfund schönes Mehl auf ein Nudlbreth 3 Lth Germ …

    Ich leſe „Thein Brod“, bin mir aber beim letzten Buchſtabe nicht ſicher, da er nicht ausgeſchrieben worden iſt.


    Wie immer kann ich vor Spannung Eure Vorſchläge kaum erwarten!

  • S. 201:


    wie klingt denn


    Zimmet Koch.

    Schwölle u stoße ¼ Pfund Mandln dan siede

    in einen Reindl ¼ Pfund Zucker, bis er sich spint

    gib die Mandln darunter, und ausgestoßenes

    gesähtes Zimt, dß es brauner wird, dan treibe

    ¼ Pfund Butter pflaumig ab, schlage 8 Eyerdötter

    hinein, die klar zu Schnee geschlagen,

    u darunter gerührt, auch klein geschnittene

    Lemonieschallen darunter gegeben u

    im Rohr gebacken.


    ?


    https://www.kochjournal.at/rez…Z&id=3358&rezept=Zimtkoch


    Mir wäre hier allerdings unklar wie man Mandeln schwellt, ohne eine böse Entzündung zu riskieren. Ob hier eine Art Aufschwemmen gemeint ist?

  • Alſo wie ich es geahnt habe, heißt es doch „Zimmet“, es wirkt wie eine Koſeform für Zimt auf Österreichiſch. Damit wäre der Punkt 1 gelöſt.


    Der Begriff „geſchwelte“, „geſchwölte“ oder „geſchwälte“ Mandln kommt mehrfach im Buch vor. Unter „geſchwellte Mandeln“ verſteht man, daß die Mandeln in einer Schüſſel mit kochend heißem Wasser übergoſſen werden und ein paar Minuten liegen bleiben. Dann kann man die Haut beſſer entfernen.


    Die Formulierung „bis der Zucker ſich ſpint“ hätte ich ſelbst finden müſſen, da dieſe im Buch noch an anderer Stelle vorkommt. Damit iſt gemeint, daß Zucker ſo erwärmt wird, bis er Fäden zieht.


    Die österreichiſche Küchenſprache könnte man faſt als eine Fachsprache betrachten, die ein Außenſtehender nicht ſofort verſteht.

    Und nebenbei: Ich habe von Kochen und Backen überhaupt keine Ahnung und kann mir gerade mal eine Bockwurſt warm machen. Und ſo weit im Süden war ich noch nicht geweſen.

  • Du meintest dann wohl eher eine Bockwurst schwälen?


    Aber weiter im Text


    Nr. 4 Ich würde Thau Brod vorschlagen, korrspondierend zum norddeutschen Zubrot.

  • Zunächſt muß ich ſagen, daß „Thau Brod“ meine erſte Verſion war. Aber der Strich oberhalb wirkte nicht wie ein u-Bogen, wie man ihn in der 2. Zeile ſehen kann.


    Dann hatte ich mich doch für „Thein Brod“ entſchieden. Der 3. Buchstabe wirkte wie ein kleines e und der Strich über den letzten/vorletzten Buchstabe eher wie ein i-Punkt. Demzufolge vermutete ich, daß der letzte Aufſtrich beim n nicht ausgeſchrieben worden ist.


    Bei der Suche im Netz findet man unter „Thein“ nichts. Aber eben bei „Thau“ als Begriff für „Zubrod“ aus dem Norddeutſchen.


    – Recht ſchönen Dank! -


    Hier mal das Gesamtrezept:


    Thau Brod 13.

    1 Pfund ſchönes Mehl auf ein Nudlbreth 3 Lth Germ in 1 Sdl Obers 3 Dötter, 1 Stükl zerlaſſenen Butter, den Teig fein arbeiten, dan backe Strizl oder was du willſt.


    Wenn als Geſamtprodukt eine Striezel rauskommen täte, wäre dies eine mögliche Erklärung, denn das könnte man unter Zubrod verſtehen.

  • Tja...und bei S. 208 lese ich auch Schirauf, allenfalls noch Schwauf. Keine Ahnung, was das sein soll. Vielleicht gibt ja das Rezept noch Hinweise.Mehl, Eier, Butter und Rahm werdem ja zu so einer Art Fettkuchen. Ich kann aber auch hier wieder nur auf die Literatur verweisen.


    In diesem Buch, S. 523,


    https://books.google.de/books?id=OzFiAAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false


    habe ich ein Rezept "Gebackene Creme mit Schmalz" gefunden, das sich wenigstens so ähnlich anhört. Aber da geht es über hundert Seiten lang nur um Mehlspeisen, vermutlich kommen da noch in ein Paar mehr Varianten vor...

  • Heute das Gesamtrezept – Nachkochen/-backen erwünſcht!

    Ich denke, daß in den ſeltensten Fällen der vielen Rezepte aus einem gedruckten Werk etwas komplett

    abgeſchrieben wurde. Eher wurden die Rezepte in der Nachbarſchaft weitergereicht und jeder hat nur das für ſich Wichtige notiert. Was jedoch selbſtverſtändlich war, wurde ſchlicht weggelaſſen.


    Der zuerst veröffentlichte Teil:


    Schirauf Mehlspeiß. 4.

    In einen Kastroll wird ¼ Pfund Butter heiß

    gemacht gib ¼ Pfund feines Mehl hinein, laß es

    anlaufen dan gib 1 Sdl Rahm, dazu, trokne

    es gut ab, dan gib es in einen Weidling, rühre

    es bis es überkühlt ist, dan gib 14 Dötter,


    Hier der ergänzende Teil:


    zucker 10 Schnee. Theile es in 2 Theile, einen

    laß wie er ist, den andern Theil färbe stark

    mit Schoklath, dan fülle einen geschmirten

    Modl gemischt Löflweis ein, gib es in Dunst

    beym Anrichten Schoklathkrem dazu.

  • Für die Waſſerſucht. (Bild 205 ſiehe oben)


    Ich hatte hier ein Krankenrezept zur Diskuſſion gegeben, wo die Abkürzung nach der Mengenangabe unklar war.


    Ähnliche Abkürzungen finden ſich in drei Varianten im Buch.


    Am Beiſpiel von S. 169 bin ich dahintergeſtiegen (Anhang):

    Deutlich iſt bei „Saffran“ ein x mit angehangenem Kringel zu erkennen.

    Bei „Blöbzeldel“ (was das auch immer ſein ſoll) wurde die Feder nicht abgeſetzt, ſondern es wurde zusammengeſchrieben und der Kringel drangehangen.

    Und bei „Waſſersucht“ iſt als weitere Variante nur ein x zu erkennen.


    Das xr oder nur ein x ſteht ſchlicht und einfach für Kreuzer; für die Kleinmünze. Vielleicht waren es die handelsüblichen Preise auf dem Markt.


    Im „Das kleine Linzer Kochbuch“ von 1841 kommt es, als Wort ausgeſchrieben, öfters vor.


    Zitat wikepedia: Kreuzer iſt die Bezeichnung für das Grundnominal verschiedener kleinerer Münzen, die im süddeutſchen Raum, in Öſterreich und in der Schweiz verbreitet waren. Die Abkürzung war Kr, kr, K oder Xr.



    Kleiner Nachtrag: Das erſte Wort im Rezept wird „Nim“ heißen; nur das macht Sinn – es

    iſt beim Schreiben verunglückt.