Neuer Bericht

  • Liebe Forumsmitglieder,

    hier sind die neuen für mich harten Nüsse, ich bitte um Hilfe.


    IMG 2238
    In diesem Absatz sind zwei Wörter, welche ich nicht entziffern konnte.

    Die Deutung der letzten 2 Zeilen ist für mich unklar. Was meint der Schreiber mit seinen Feinden? Für die Gräfin hofft er noch nützlich zu sein, für sich ergötlicher und seinen Feinden? Auch der letzte Satz mit seinem Ableben ist für mich noch unklar. Was meint er damit?

    „damit mich Hoch Selbige (da mir die mülte (?) meinen zweck,

    welchen zu erreichen ich durch 24 Jahre alles was einem

    ehrlichen Mann gebühret, und bekannten eyfer gethan habe,

    verschwunden sindt) in diese lage in die zukunft zu ver-

    setzen gnädigst geruhen möchte, in welcher ich Hoch Selbigen

    noch nach möglichkeit nützlich, mir Selbst etwas ergötzlicher

    und meinen feinden, deren öffentliches Gelächter ich schon

    worden bin. Wie (?) ersätzlicher, noch bey meinem ableben, werden kunnte.”


    IMG 2239A

    1 eiferung


    IMG 2239B

    2 Buecher ?

    (nicht nach dem Malatinskyschen ???

    sondern nach meinem Concept…)


    IMG 2240

    1 Pratoni…

    2 zu ver… Worten

    3 die Sündt erkämen

    4 vein- müthig

    5 Entzweidt

  • IMG 2238


    Nr. 1 (Da mir die müttel...verschwunden sind.)

    Nr. 2 ...und meinen Feinden, deren öffentliches Gelächter ich geworden bin, wiedersätzlicher...


    IMG 2239A


    Entweder Rechtschreibfehler oder Miserung (?)



    IMG 2239B


    schwierig...


    Malahrskischen (?) Malakeskischen (?) Malaketischen (?) ohne Wissen um die Eigennamen könnte hier fast jeder Buchstabe vieles sein.


    IMG 2240

    1. Kann ich wegen des Gegenlichts kaum erkennen

    2. zu verantworten

    3. die Sündt erkännen

    4. rein-müthig

    5. Entzweidt

    Einmal editiert, zuletzt von Angemeldet ()

  • Lieber AN!

    Danke vielmahls für die selbstlose Hilfsbereitschaft, es sind einige Rätsel im Text für mich wieder gelöst.


    Bezieht sich das "schwierig" bei 2239B auf das letzte, unterlinierte Wort, oder auf "Malahrskischen"?
    Das letztere ist ein Familienname, im Text Malatinshische, die heutige Schrift des Namens ist Malatinszky. Der Gutsverwalter konnte nicht ungarisch, die Namen stehen in verschiedenen Versionen, wie er sich sie bemerken konnte.
    Das letzte Wort ist für mich eigentlich das Rätsel. Zwei verschiedene "e" Buchstaben im selben Wort? Auch vom B (uecher?) bin ich nicht ganz überzeugt. Ebenso auch von den danach stehenden 2 spitzigen Haken (u?) nicht, aber ein anderes sinnvolle Wort kann ich nicht auslesen.

  • Hallo Johann,


    zu IMG 2239A mal wieder ein komischer Vorschlag:


    Eiserung


    Ich habe folgendes Zitat von Ludwig Thoma gefunden:

    "Mein liber Man, bald sie mit solchenen Eiserungen in die Wirdshäuser herumschmeisen, da miesen sie ersd sehen, ob ienen die..."


    und da es ja um Wein geht, ... wer weiß?


    Da ich des Bayrischem nicht mächtig bin, kann ich Dir leider nicht helfen, was es bedeutet.

    Gruß Erna

  • Liebe Erna, danke für die Mühe.
    Der Gutsverwalter lebte in der Zips - heute in der Nordslowakei. Seit dem13. Jh. sind dort deutsche Siedlungen. Wer weiss, wie alt dieses Wort ist? Wörterbücher aus de rersten Hälfte des 19. Jh. enthalten dieses Wort nicht (mehr).
    Gruß

    Johann

  • Ja, nochmal in Ruhe besehen, würden ich auch, allein schon von der Grammatik her, in Zweifel ziehen, dass das zwangsweise Buecher heißt... Die separate Verwendung lateinischer Buchstaben in Umlauten ist sonst jedoch nichts ungewöhnliches. Aber auch bei diesem hier muss ich mit weiteren Vorschlägen passen (Stuecken?). Mir fehlt hier wohl im Moment einfach die Fantasie.

  • Lieber AN, ja so ist es, ohne Fantasie geht es manchmal überhaupt nicht.

    Ich werde mit der Entzifferung dieser Briefe aufhören, weil sie schön zeitraubend ist und ich dabei kaum Erfolgserlebnis habe. Ohne Deine selbstlose Hilfe wären noch mehr ungelöste Stellen im Text.

    Allein in meinem neusten Beitrag ("die letzte Seite des Briefes") sind für mich 10 Zweifelsfälle - das ist eigentlich allzu viel.

    Ich werde mich in der Zukunft lieber mit der Korrespondenz zweier Grafen beschäftigen. Hoffentlich mit mehr Ergebnis und weniger Frustration.


    Zu "eiserung" ist mir heute plötzlich eingefallen, dass das Wort wahrscheinlich Äußerung sein wird. Allerdings passt es in den Briefkontext gut: "diese meine Äußerung zu verstehen"

    und im Ernas Beispielsatz: "Mein liber Man, bald sie mit solchenen Äußerungen in die Wirdshäuser herumschmeisen"


    Es ist doch kein altes deutsches Wort aus der Zips, was ich noch in meiner Antwort an Erna annahm, sondern ein Rechtschreibfehlrer, wie Du es meintest.

  • Hallo Johann,


    kommt Zeit, kommt Rat (wie wir sehen). Aber wenn man wenig Zeit hat, können die vielen Blindstellen, die man offenlassen muss, natürlich erstmal sehr frustrierend sein. Ich ergänze das sicherlich noch, ich gehe nur immer davon aus, dass der Fragesteller eine gewisse Dringlichkeit bei Enzifferung seiner schwer lesbaren Textstellen sieht (weil er sie z.B. für eine Veröffentlichung braucht). Wenn das hier nicht der Fall ist, werden wir sicher mit der Zeit, nach und nach, auch diesen eigentümlichen Schreiberling enträtseln können.

  • Hallo AN,


    ich möchte nur die mit der jüdischen Geschichte meiner Region zusammenhängenden Dokumente übersetzen und publizieren (es gibt schon bescheidene Ergebnisse). Die Judenheit der ungarischen Provinz ist praktisch verschwunden, es existieren (pro Forma) jüdische Kultusgemeinden in einigen Großstädten, aber oft sind nur 1-2 Familien dahinter, sonst niemand. Ihre Geschichte ist teilweise in deutscher Schrift in den verschiedenen Archiven aufbewahrt. Aber wer kann sie in Ungarn lesen? Es sind sehr wenige solche Menschen. Selbst in Budapest bechäftigen sich nur wenige Personen mit der jüdischen Geschichte des 19. Jh., und wenn schon, die Pester Judenheit ist ein riesengroßes Thema, für die Provinz gibt es überhaupt keine Kapazitäten.

    Ich bin ein Freiwilliger in dieser Sache.

    Ich möchte die wichtigsten deutschsprachigen Quellen (Fraktur und Handschrift) aus meinem Kreis ins Ungarische übersetzen, falls jemand sich in der Zukunft dafür interessiert, soll er etwas darüber finden.

  • Dieses Thema wählte ich mir selbst, weil es mich interessiert, wie die Ideen der jüdischen Reformgemeinden in deutschen Landen durch Wiener Vermittlung stark abgestumpft in Ungarn ankamen und was sie in den hiesigen Gemeinden auslösten.

    Mit Quellenübersetzung aus dem 19. Jh. beschäftigt sich in Ungarn keiner, weil die Juden in Ungarn (nach Auschwitz) mit wirklich sehr wenigen Ausnahmen nicht mehr deutsch lernten und die deutsche Schrift sowieso nicht.

    Ich lerne bei der Beschäftigung mit diesen Quellen sehr viel, das macht mir wirklich Spaß. Ich erhalte immer Untertützung von jüdischen Forschern, wenn ich hebräische Wörter im deutschen Text finde, wie von Dir auch zu den problematischen lateinischen Wörtern.