Aus einem Öſterreichiſchen Haushaltsbuch um 1850. Teil 3

  • Heute wieder vier Stellen aus dem Buch. Wie immer geht es um die richtige Übertragung bzw. deren Bedeutung.


    1): Borsdorfer Apfel mit Zukergeisill. 151.
    Die Äpfel werden geschält, die kleineren

    ausgehohlt, die größere aber entzwey ge-

    schnitten, u mit Zuckergandl gefült, dan

    gibt man in ein Kastroll, ein gutes Glaß...


    Das Wort in der Titelzeile wurde überſchrieben und iſt daher nicht eindeutig zu leſen.

    Es iſt möglich, daß dies dem Begriff „Zuckergantl“ ähnlich iſt, da in dieſem Rezept nur 2x Zucker vorkommt.
    Was aber zum Teufel iſt „Zuckergantel“; dieſes Wort kommt als öſterreichiſcher Familienname vor.


    2): Milchrahm Strudeln. 12.
    Mache einen Strudlteig, ziehe in aus, treibe

    ¼ Butter ab, schlage 8 Eyer eines nach den

    andern hinein u dan ½ Rahm, salze es ein we-

    nig, nim 2 Handvoll Semelbresl, rühre es

    mit Zucker, gut untereinander, streiche es auf

    den ausgegogenen Teig, gib Weinbeer darauf

    rolle es zusamen gib in in die siedende

    Milch mit etwas Butter u backe es.


    Hier geht es um den „ausgegogenen Teig“.


    3): Fleisch Nigl. 15.
    Nim ein kaltes Bradl ein wenig Nirn-

    vetten, dan eine abgerindelte in der Milch

    geweichte Seml ein wenig Lemonieschallen

    Petersielkraütl und von 2 Eyr eingerirt

    aber kalt werden laß in treibts ein

    wenig ab 3 Eydötter die Klar zu Schnee

    geschlagen ½ Sdl frischen Rahm, dan

    gib man alles zusamen Salz u Pfeffer

    schmirt u bredlt den Jgl gut aus, fült es

    hinein u backe es u dan sprüdle ½ Sdl

    Rahm u Wein durcheinander ab, dan gibt

    mans über den Jgl u so zur Tafel.


    Was iſt ein Nigl? Und was bedeutet „Jgl“. Iſt dies eine Abkürzung?


    4): Gefanotes Pomeranzen Koch. 35.
    Nim von 8 Eyer die Klar schlage es zu

    einen festen Schnee, nim ¼ Pfund Zucker

    reib in an 2 Pomeranzen u 1 Lemonie ab

    stoße in fein auch etwas Vanillie gib

    es in den Schnee, aber nur mehr so viel

    rühren, dß es gut untereinander komt, dan

    gib es in einen geschmierten Modl, u backe


    Das 1. Wort in der Titelzeile iſt mir ein Rätſel.


    Wie immer bin ich geſpannt, was Ihr herausbekommt!

  • Nr. 1 Zuckergandl = Kandiszucker


    vgl. http://members.chello.at/heinz.pohl/KulinarLexik.htm


    beim Titel momentan noch keine Ahnung


    Nr. 3 Nigl=Kuchen= Fleischkuchen


    bei der Maßeinheit handelt es sich um das schon früher hier gelesene Seidel Sdl.


    Nr. 4 Gefamtes Pommeranzen Koch


    vgl. https://books.google.de/books?…Gefamtes%20Backen&f=false


    Hier muss ich, von der Bedeutung her, passen.

    Gefamt= gefaumt, aufgeschäumt

    Einmal editiert, zuletzt von Angemeldet ()

  • Ich muß mich hier an dieſer Stelle entſchuldigen. Bei der Erſtellung meines Beitrages ſind mir bei den Bildern einige Fehler unterlaufen. Künftig will ich da ſorgſamer ſein.

    Das Bild Nr. 2 habe ich korrigiert.


    Die Begriffe „Zuckergantel“ (Bild 1), „Fleisch Nigel“ (Bild 3) und „Gefamtes Pomeranzen Koch“ (Bild 4) ſind für mich geklärt. Der Tip von „Angemeldet“ iſt richtig gut. Dieſe Seite werde ich noch öfters nutzen. Bei Bild 3 habe ich „Jgl“ markiert, nicht „Sdl“; inhaltlich bezieht es ſich ſicherlich auf „Fleisch Nigel“.

    Es iſt schon eine Meiſterleiſtung von „habeljohann“, der ein Wort klärt, obwohl das Bild noch da iſt. Ich denke ſchon, daß er recht hat.


    Ich bedanke mich ſchon mal für die erſten Erfolge bei den Fleißigen und Emſigen!!!

  • Unter Igel finde ich in diversen oekonomischen Enzyklopädien ein Gericht aus Kalbsleber, das ähnlich hergestellt wurde wie unser vulgärer Mettigel. Die Köchin nimmt hier Braten mit Nierenfett. Statt den Igel zu spicken besprüht sie ihn hier wohl mit Wein und Rahm.

  • "Es iſt schon eine Meiſterleiſtung von „habeljohann“, der ein Wort klärt, obwohl das Bild noch da iſt."

    Jetzt ist das zum Text passende Bild 2 hochgeladen, Freitag nachmittag war noch ein anderes Bild 2 hier erreichbar.