Euro-Banknoten

  • Liebe Freunde,


    erinnert Ihr Euch noch an die deutschen Banknoten der vorletzten Generation? Da stand oben immer der Begriff "Banknote" in deutscher Frakturschrift. Der Rest war Lateinschrift. Das ist insofern egal, da es dem Lande obliegt, seine Banknoten zu gestalten.

    Nun haben wir die Euro-Banknoten, und da finden wir auf jeder Note die Bezeichnung "Euro" in drei Schriften: Lateinisch, Griechisch und Cyrillisch.

    Was fehlt? Deutsch. Hier geht es darum, daß ein Geld für ganz Europa eben alle europäischn Kulturen berücksichtigen muß, aber - wie so oft - wurde unsere Kultur "vergessen". Das ist also nichts weiter als eine Diskriminierung!

    Man müßte sich einen Stempel mit dem Schriftzug "Euro" in entsprechend großer Fraktur setzen und auf jede Banknote, die einem in die Hände kommt, in einer passenden Farbe über die drei Schriften diesen Stempel setzen. Oder man nimmt den Drucker, wobei es schwierig werden könnte, den Schriftzug präzise zu platzieren. Aber jeder, der so eine Banknote in die Hand bekommt sieht, daß unsere Kultur diskriminiert wird und daß es Menschen gibt, die das nicht hinnehmen wollen.

    Ich selbst distanziere mich natürlich davon, da ich mich nicht der Beschädigung der Banknoten schuldig machen will; falls aber andere so etwas tun, so kann ich sie natürlich nicht daran hindern. :)

  • Hallo Arpad v. N.!


    Ich empfinde jedes Verſchwinden von Fraktur in der Öffentlichkeit als einen kulturellen Verluſt. Ich denke aber nicht, daß Deutschland hier diskriminiert werden ſollte, eher das die Verantwortlichen einfach nicht daran intereſſiert waren. Deutſchland wird mit Sicherheit auch ſeine Vorſchläge eingebracht haben. Jedoch glaube ich nicht, daß es den Wunſch noch gab, hier etwas in Fraktur für Deutſchland zu ſetzen – vielleicht eben nur aus Gleichgültigkeit.

    Aber die Idee zu äußern, ſelbst Hand anzulegen und Geld zu überdrucken, auch wenn es vielleicht nur ſpaßig gemeint iſt, halte ich für völlig daneben! Auch wenn Du Dich im nächſten Moment von einer praktiſchen Handhabe diſtanzierſt.

    So ein Gedanke – entſchuldige bitte – entſpricht Stammtiſchniveau.


    Und die Beiträge in dieſem Forum ſollten nicht ſo weit herabſinken!

  • Ich empfinde das Verschwinden der Fähigkeit, Fraktur- und Kurrentschriften zu lesen, als einen großen kulturellen Verlust. Frakturschrift als etwas typisch Deutsches für Deutschland in Anspruch zu nehmen, halte ich historisch für verfehlt. Auch in anderen europäischen Ländern und Sprachen wurde in Fraktur gedruckt.


    Dass sich durch Euronoten jemand diskriminiert fühlte, wäre mir neu. Ich kenne nur Leute, die die Banknoten gern annehmen. Das Wort "Euro" ist in allen Sprachen (nicht in allen Schriftarten) der Gemeinschaft lesbar, was sicher das Ziel war und völlig erreicht wurde.


    Es ist dem Einzelnen natürlich unbenommen, den eingangs beschriebenen kulturellen Verlust zu bedauern und beklagen. Da schließe ich mich gern an. Aber man kann nicht mehr tun, als ein Beispiel zu geben und zu werben. Ob dieses dann eine Massenbewegung hervorrufen könnte oder im Krähwinkel endete, bliebe der Geschichte überlassen. Den Propheten will ich nicht geben.

    Der Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und
    Zukunft ist [...] eine Illusion, wenn auch eine hartnäckige.

    Albert Einstein (1879-1955)

  • Ich würde das Verschwinden eines Gebrauchsgegenstands nicht als kulturellen Verlust bezeichnen. Das ist irrational. Wir heben ja heute auch nicht haufenweise Notgeld auf, weil die Scheine so toll designt und Meisterwerke unserer westlichen Zivilisation waren.


    Wenn in Kanada eishockeyspielende Kinder auf Geldscheine gedruckt werden können, frage ich mich im Gegenteil sogar, ob wir uns nicht noch viel zu viel Mühe mit einer Währung geben, die doch nicht mehr durch irgendeinen Goldstandard gedeckt ist. Was das alles wieder kostet! Wir sollten uns eher mal Gedanken über die Äquivalenz von Euro und Wirtschaftkraft in der Währungsunion machen, bevor wir wirkmächtige Symbole dafür erfinden.


    Aber halt -- jetzt ist mir auch was aufgefallen. Auf der Euro-Note ist Euro auch gar nicht in alter Textura geschrieben! Deswegen also der Brexit! Na, da würde ich mich doch nicht wundern, wenn wir auf den britischen Inseln bald überall Euroscheine brennen sehen.

  • Ihr versteht mich überhaupt nicht. Es geht nicht darum, irgendetwas altes, überholtes durch neues zu ersetzen, wie man etwa den Videorecorder durch einen DVD-Recorder ersetzt oder die Vinylplatte durch eine CD.

    Es geht darum, daß die Deutsche Schrift das richtige Gewand der Deutschen Sprache ist, so wie hebräische Buchstaben Teil der hebräischen Sprache sind oder arabische Schrift für das Arabische.

    Es gab in der Vergangenheit zahllose Schriftarten, die sich im Grunde immer auf zwei reduzieren lassen: Lateinische Schriften und Deutsche Schriften. Wenn Ihr die Deutsche Schrift nur als irgendeine verschnörkelte graphische Variante der allgemeinen Schrift anseht, also den Bezug zu unserer Kultur negiert, dann frage ich mich, welchen Sinn dieses Forum hat. Dann könnten die Freunde der Arnold Böcklin-Jugendstilschrift auch gleich ein Forum eröffnen, damit mehr Menschen diese Schrift wieder nutzen, oder die Freunde der Celtic-Fonts entsprechend. Ich hingegen treten für die Deutsche Schrift ein, weil sie zu unserer Deutschen Sprache und Kultur gehört, weil es ein Kulturverfall ist, sie abzuschaffen und weil ihre Abschaffung sich speziell gegen unsere deutsche Kultur richtet, denn niemand wagt es, z. B. die griechische Schrift abzuschaffen oder das Cyrillische, obwohl man Wöter dieser Sprachen auch mit lateinischen Buchstaben übertragen kann.

    Im Klartext heißt das: Die Euro-Banknoten zeigen mir täglich, daß man die anderen Kulturen berücksichtigt und respektiert, unsere Kultur dagegen diskriminiert, obwohl unserer Volk den Euro am meisten stabilisiert. Es ist also der bekannte "Deutschenhaß", der dazu führte, daß unsere Schrift fehlt und wir uns mit der lateinischen Fremdschrift begnügen müssen.


    Übrigens ist es bei den Euro-Münzen ganz ähnlich:

    Als der Euro im Jahre 2002 in 15 Ländern eingeführt wurden, gestaltete jedes Land die nationale Rückseite jeweils frei nach eigenen Vorstellungen. Die Länder verwendeten dabei ihren Staatsnamen oder Symbole des Staates. So finden wir auf jeder Euromünzen-Rückseite österreichischer Euros die österreichische Flagge klein dargestellt, die finnischen Münzen tragen das finnische Staatswappen (Löwe mit Schwert). Frankreich und Italien kürzen ihren Staatsnamen ab mit großem „R F“ (République Française) oder „R I“ (Repubblica Italiana). Die Belgier konnten den Staatsnamen nicht verwenden, da es zum Streit zwischen Flamen und Wallonen gekommen wäre, würde der Name in nur einer der Sprachen verwendet werden, hätte man beide Sprachen verwendet, hätte die Reihenfolge der Namen auch zu Komplikationen führen können. Also entschied man sich in diesem besonderen Falle, nur den König als zusammenhaltendes Element darzustellen, der ja selbst ein Symbol des Staates ist. Auch Griechenland hat keinen Namen, da die griechischen Buchstaben nur von Griechen gelesen werden können und sie allein reichen, um die Herkunft der Münze anzuzeigen. Alle andern Euromünzen der Ersteinführung tragen den Staatsnamen des jeweiligen Landes: Irland: „Eire“, Spanien: „Espaňa“, Luxemburg: „Lëtzebuerg“, Monaco: „Monaco“, Niederlande: „Koning der Niederlanden“, Portugal: „Portugal“, San Marino: „San Marino“, Vatikanstadt: „Citta del Vaticano“.

    Inzwischen sind weitere Staaten dazugekommen, und ihre nationalen Rückseiten tragen auch die jeweiligen Staatsnamen, so Andorra, Estland, Zypern, Lettland, Litauen, Malta, Slowenien und die Slowakei.

    Von den 23 Staaten mit Euro-Münzen tragen nur zwei Staaten keinen Staatsnamen oder Staatssymbol, nämlich Deutschland und Griechenland. Lediglich ein sehr stilisierter Adler findet sich auf den deutschen 1- und 2 Euro-Münzen, der Staatsname fehlt. Obwohl unsere Wirtschaft den Euro stützt und stärkt, obwohl Deutschland treibende Kraft bei der Einführung des Euro war, darf hier offenbar der Staatsname nicht stehen. Dabei war die Einführung des Euro wie man weiß, nur eine Reaktion darauf, daß die stabile Deutsche Mark inzwischen fast überall in Europa zur inoffiziellen Europa-Währung geworden war; dies wollte man mit der Euro-Einführung beenden.

    Ich bleibe dabei: Das Ignorieren und Verschweigen unserer Kultur und Nation auf den Scheinen mit fehlender deutscher Typographie, auf den Münzen mit fehlendem Staatsnamen ist eine Diskriminierung, zumal es schlichtweg nichts gekostet hätte, "Euro" auch in einer deutschen Schrift zu setzen (siehe Bild).

  • Nachtrag: Textura ist keine speziell britische Schrift. Die Briten nehmen für sich allerdings die "Manuskript Gotisch" in Anspruch und nennen sie "Old English". Allerdings ist dort diese Schrift schon einige Jahrhunderte fort, während bei uns (und in der Czechei) die Frakturschrift erst relativ kurz (1942) und nicht vollständig (immer noch "Verkehrsschrift") abgeschafft wurde. Auch sind die Briten gar nicht im Euro, also warum sollte man ihre Schriften berücksichtigen? Mit gleichem Recht müßte man chinesisch oder japanisch auf Euroscheinen verwenden.

  • Es geht darum, daß die Deutsche Schrift das richtige Gewand der Deutschen Sprache ist

    Es gibt aber keine Deutsche Druckschrift!


    Lediglich bedingte Eigenschaften beim Setzen von Fraktur, waren oder sind in vereinzelten Gebieten im deutschsprachigen Sprachraum für die deutsche Sprache typisch. Das war es aber dann auch schon.

  • Fraktur ist kein eigenes Alphabet. Jeder Deutsche versteht Euro auch in Antiqua (selbst die hundertjährigen) und in Fraktur sieht das Wort nicht mal unweigerlich anders aus, wie du in deinem Beispiel dankenswerterweise zeigst.

    Von den 23 Staaten mit Euro-Münzen tragen nur zwei Staaten keinen Staatsnamen oder Staatssymbol, nämlich Deutschland und Griechenland.

    ...und was wäre dann bitte die national übliche Bezeichnung für die "Bundesrepublik Deutschland"? "Teutschland"? "Teutsches Reich?" Ich habe hier gerade eine Sondermünze aus Baden-Württemberg aus dem Jahr 2013. Darunter steht ein kleines, deutliches D, ich nehme ja an, nicht ohne Grund und, oh Wunder, unter dem Fuß des gewöhnlichen Adlers prangt auch noch so ein kleines D.


    Und die Briten gehörten doch zu Europa oder sind sie mittlerweile in den Atlantik abgedriftet? Und wenn wir weiter so innovativ und technologieoffen bleiben, würde ich auch die Möglichkeit nicht allzuweit wegschieben, dass irgendwann chinesische Zahlen auf unseren Geldscheinen stehen.

    Aber wo wir schon bei fixen Ideen sind, wir hatten ja bis ins 16. Jahrhundert in Mitteleuropa auch noch indische Zahlzeichen. Sollten wir nicht die Eurowerte auch noch in Indisch auf die Scheine drucken? Wer würde nicht gern mit ٢٠٠-???? Scheinen bezahlen?

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  • Ich halte es mit dem Alten Fritz.

    Die Frakturschriften sind nicht an Deutschland gekettet. Die Fraktur ist ein Zeichensatz in dem unter anderem die deutschen Eigenheiten des Schriftbildes dargestellt werden können. Als wirklich nationale Schriften (deutsch, englisch, französisch, ...) kann man im Grunde nur die jeweiligen Laufschriften bezeichnen, die stilistisch durchaus "typische" Ausprägungen zeitigen. Eine Druckschrift gibt eine solche "Typisierung" einfach nicht her.

    Und deutsche Worte kann man sicher auch mit kyrillischen Buchstaben setzen.

  • Zitat von Howard

    Es gibt aber keine Deutsche Druckschrift!


    Doch, natürlich. Die "Deutsche Werkschrift" oder "Normal-Fraktur". Eigentlich sind die ganze Gruppe der Bruchschriften als "deutsche Schriften" zu bezeichnen, also auch Schwabacher. Im ganzen Hl. Römischen Reich Deutscher Nation waren sie verbreitet, daher noch bis 1956 in der Czechoslowakei. Ausnahme bilden die gotischen Frakturen, die es auch in England und Spanien gab.

    Die Deutsche Schrift ist an die deutsche Sprache gekettet, nicht unbedingt nur an Deutschland, denn auch in andern Ländern spricht man ja Deutsch.


    Zitat von Ernaburga

    Als wirklich nationale Schriften (deutsch, englisch, französisch, ...) kann man im Grunde nur die jeweiligen Laufschriften bezeichnen, die stilistisch durchaus "typische" Ausprägungen zeitigen. Eine Druckschrift gibt eine solche "Typisierung" einfach nicht her.

    Von Druck- oder Schreibschrift hatte ich gar nicht gesprochen. Aber wenn Sie es schon einmal ansprechen: Natürlich gibt es die Deutsche Schrift als Druckschrift und in der Form der Schreibschrift - beides in diversen Ausführungen (Koch, Zentenar, Sütterlin ...). Auch das Cyrillische gibt es sowohl als Druckschrift, als auch als Schreibschrift.


    Zitat von AN

    ...und was wäre dann bitte die national übliche Bezeichnung für die "Bundesrepublik Deutschland"? "Teutschland"? "Teutsches Reich?" Ich habe hier gerade eine Sondermünze aus Baden-Württemberg

    Die Bezeichnung "Bundesrepublik Deutschland" oder verkürzt "Deutschland" wäre hier angebracht. Sondermünzen bilden schon deswegen eine Ausnahme, weil sie nur im jeweiligen Lande gelten, daß muß also die Landesbezeichnung stehen.

    Zitat von AN

    Und die Briten gehörten doch zu Europa

    Ja, aber sind nicht im Euro. Wenn ich also beklage, daß man auf deutschen Euro-Münzen keine Landesangabe findet, auf allen anderen Euro-Münzen aber schon, dann ist die Anführung der Briten, die keine Euros haben, wirklich völlig unpassend.

  • Das klingt mir alles zu nationalistisch und rückschrittlich.

    Gebrochene Schriften hat es in allen nordwest-europäischen Gebieten gegeben. Schreibung mit langem S ebenfalls. Das ist nicht typisch für die deutsche Sprache.

    Antiqua wurde auf deutschsprachigem Gebiet schon im 18. Jahrhundert als Brotschrift verwendet.

    Meinem Eindruck nach haben die wenigsten Euro-Münzen irgendetwas, das eindeutig auf die Nationalität der Prägung hinweist. Bei RF muss man z. B. erst herausfinden, dass es für Republik Frankreich steht. Die Münze mit einem Herrenportrait (belgischer König?) trägt keinerlei sonstigen Hinweis.

    Gebrochene Schriften sind ganz einfach tot, weil schlecht leserlich. Keiner will sie mehr haben ausser einer kleinen, nostalgischen Minderheit. Wer alte Schriften oder Bücher erforscht, wird sich die Fähigkeit solche Schriften zu lesen, schnell aneignen. Ich konnte schon immer Fraktur lesen, hatte aber auch Probleme mit Schwabacher. Und mittelalterliche Klosterhandschriften kann ich nur teilweise und mühsam lesen.

  • Deutsche Werkschrift? Eine typografische Romantisierung aus dem Jahr 1934? Auf historistischen Kitsch auf meinen Geldscheinen kann ich verzichten.


    Überhaupt frage ich mich, warum zuerst die Gestaltung der Scheine beklagt wurde, dann aber bei den vermeintlich "nationalen" Rückseiten auf die Münzen eingegangen wurde. Könnte es vielleicht tatsächlich so sein, dass die Scheine in jedem Euro-Land gleich sind, weil es bei dem Aufdruck der Währungsbezeichnung überhaupt nicht auf nationale Rücksichten ankam oder ankommen musste? Nur so eine wilde Spekulation. Könnte es weiterhin vielleicht so sein, dass Deutschland, genau wie alle anderen Länder, seine Münzrückseiten "national" mit dem Bundesadler und einem kleinen D gestalten durfte? Könnte es sein, dass das eigentlich Strohmann-Argumente sind und wir hier die ganze Zeit um Windmühlen diskutiert haben? Nur eine wilde Spekualtion, wie gesagt.

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  • Gebrochene Schriften sind ganz einfach tot, weil schlecht leserlich. Keiner will sie mehr haben ausser einer kleinen, nostalgischen Minderheit.

    Da muß ich doch intervenieren, ich empfinde sauber gearbeitete Frakturschriften als sehr angenehm und gut leserlich. Hat aber mit Gewohnheit zu tun, wenn ich jetzt sage ich lese sie einfacher als Antiqua.

  • Ich bin Weltbürger und meine Heimat ist Europa, es schmerzt mich zusehen müssen wie manche danach streben Grenzschranken zu montieren, egal ob innerhalb oder außerhalb.


    Die Gestaltung des Euro sollte aus meiner Sicht das freie, offene Europa repräsentieren.

  • Zitat von “wo“

    Das klingt mir alles zu nationalistisch und rückschrittlich.

    Wenn man sich für eine Schrift, die nur noch von einer Minderheit benutzt wird, einsetzt, dann ist das tatsächlich „rückschrittlich“. Und wenn es sich um die nationale Schrift der Deutschen handelt, könnte man es „nationalistisch“ nennen. Na und? Genauso ist das Spielen mit deutschen Spielkarten zu betrachten, oder die Verwendung unserer Sprache. „Modern“ wäre wohl das Englische.

    Es ist also nicht irgendwie negativ, sondern aktive Pflege unserer Kultur.


    Zitat

    Gebrochene Schriften hat es in allen nordwest-europäischen Gebieten gegeben.

    Na und? Nirgends stand die gebrochene Schrift so eindeutig für eine Sprache und Kultur, wie bei uns. Nirgends blieb sie so lange (bis heute) Verkehrsschrift. Nebenbei: Daß andere Länder sie einst benutzten, hat auch damit zu tun, daß sie im Mittelalter teils zu unserem Staat gehörten.


    Zitat

    Gebrochene Schriften sind ganz einfach tot, weil schlecht leserlich.

    Es gibt 6 wissenschaftliche Untersuchungen aus verschiedenen Zeiten, die das widerlegt haben. Kann man übrigens leicht nachvollziehen, denn die deutsche Schrift läuft enger und so können die im Deutschen häufigen langen Wörter vom Auge leichter erfaßt werden. Die Kleinbuchstaben haben mehr Ober- und Unterlängen und fallen so dem Auge leichter auf, die Großbuchstaben haben ihre Charakteristika auch links, von wo aus man liest (die Lateinbuchstaben fangen häufig dagegen mit einer Senkrechten an: B, D, E, F, H, I, K, L, M, N, P, R).


    Zitat von “AN“

    Deutsche Werkschrift? Eine typografische Romantisierung aus dem Jahr 1934?

    Weiß ich nicht. Die Schrift war doch schon lange zuvor weit verbreitet unter dem Namn „Deutsche Fraktur“ oder ähnlich. Im Brockhaus von 1998 findet sich das Stichwort „Deutsche Schrift“. Delbanco nennt sie „DS-Normalfraktur“.


    Zitat von “Howard“

    Ich bin Weltbürger und meine Heimat ist Europa, es schmerzt mich zusehen müssen wie manche danach streben Grenzschranken zu montieren, egal ob innerhalb oder außerhalb.

    Die Pflege unserer Schrift ist also eine Grenzschranke? Dann sollte man auf den Euro-Scheinen auch die griechischen und cyrillischen Buchstaben wegnehmen.


    Meine Heimat ist übrigens Deutschland, und ich bin in der deutschen Kultur verwurzelt, zu der natürlich die deutsche Sprache mit der zugehörigen deutschen Schrift gehört. Und mich stört es gar nicht, ob irgendeine Bezeichnung 1934 oder 1900 entstand, wenn sie nur zutreffend ist.

  • Gebrochene Schriften sind ganz einfach tot, weil schlecht leserlich.

    Da muß auch ich intervenieren.

    Das gebrochene Schrift wieder Gebrauchsschrift wird, ist sicher eine träumerische Schwärmerei und nicht zu erwarten. Aber sie ist nicht tot.


    Gebrochene Schriften werden durchaus verwendet.

    Gut, Ligaturen scheinen gar nicht mehr und Lang-S nur noch bedingt zu existieren, aber es sind durchaus aus allen Lebensbereichen Beispiele der Verwendung zu finden, die ein wenigstens ästhetisches Interesse auch weiterhin erkennen lassen.


    Und:

    Hat aber mit Gewohnheit zu tun, wenn ich jetzt sage ich lese sie einfacher als Antiqua.

    Geht mir auch so.

  • Weiß ich nicht. Die Schrift war doch schon lange zuvor weit verbreitet unter dem Namn „Deutsche Fraktur“ oder ähnlich. Im Brockhaus von 1998 findet sich das Stichwort „Deutsche Schrift“. Delbanco nennt sie „DS-Normalfraktur“.

    Also, Normalfraktur kenne als die im 16. Jahrhundert entstandene Verkehrsform aus den Urtypen gebrochener Schriften. Davon wird es sicherlich auch deutsche Varianten geben. Da sich das gedruckte Wort stark über die Reformation verbreitete, sag mir bitte, ob ich jetzt alle Reformatoren als deutsch bezeichnen muss.

  • Die griechische Schrift ist ursprünglich aus phönicischen Buchstaben entstanden, noch heute sehr ähnlich zum Hebräischen, wie man an den Namen des Alphabets sieht. Griechisch: Alpha, Beta, Gamma, Delta ..., Hebräisch: Aleph, Beth, Gimel, Daleth, ..., dennoch verstehen die Griechen die griechische Schrift als ihre Nationalschrift. Die cyrillischen Zeichen sind eine Übername vom Griechischen (16 Zeichen wurden direkt übernommen), dennoch sehen Russen, Balkanvölker diese Schrift als zu ihrer Sprache und Kultur gehörig an. Die Iren versuchen teils bis heute, ihre celtisch-altirische Schrift wieder zu etablieren, was auch mit ihren nationalen Bestrebungen für ein einiges Gesamt-Irland zu tun hat.

    Und wir Deutschen haben zu unserer Sprache auch unsere Deutsche Schrift. Die deutsche Sprache in lateinische Schrift zu pressen ist ein Frevel und wird ihr nicht gerecht. Da interessiert gar nicht, wie sich diese Schrift in der Reformationszeit entwickelt hat oder wer sie noch benutzte. Das interessiert nämlich Russen oder Griechen bei ihren Schriften auch nicht.


    Rechtlich gehört die Deutsche Schrift als Druckschrift und Schreibschrift noch immer zu den zugelassenen "Verkehrsschriften", d. h. es kann nicht abgelehnt werden, so auch zu Behörden zu schreiben. Ein Verbot wäre rechtlich schon deswegen nicht möglich, weil es auch einem Verbot der Sprache oder des Brauchtums gleichkäme. Die deutsche Sprache kann vom Bundestag nicht per Gesetz etwa zu Gunsten der englischen Sprache abgeschafft (verboten) werden, das wäre gegen das Grundgesetz, nämlich gegen das Menschenrecht auf die eigene Kultur. Daher wird ja auch das Sorbische nicht abgeschafft.

    Weil also die Deutsche Schrift nicht abgeschafft oder verboten ist, deswegen ist ein Eintreten für sie noch möglich. Die Runen z. B. sind keine Verkehrsschrift mehr und zu versuchen, daß Behörden, Institutionen usw. noch Briefe in Runen akzeptieren müssen, ist daher aussichtslos.


    Daß die Deutsche Schrift (dann, wenn man sie gelernt hat) leichter lesbar ist, als Lateinschrift, ist durch verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen belegt, darüber können wir gerne in einem eigenen Thema diskutieren.


    Zu den Euro-Münzen: Ich hatte sie angeführt, um aufzuzeigen, daß das Verschweigen des Namens unseres Landes durchaus nicht zufällig geschieht, sondern absichtlich. Fast alle andern Länder des Euro nennen ihr Land auf den "nationalen" Rückseiten der Münzen, nur wir nicht. Jemand wendete hier ein, dort stünde ja klein ein "D". Das trifft nur auf einige Münzen zu, auf andern steht ein "A", "J" oder "F", denn diese Buchstaben stehen nicht für das Land, sondern die jerweilige Münzprägeanstalt. "D" steht also für die Münzprägeanstalt München. Die Buchstaben wurden in alphabetischer Reihenfolge für alle Münzprägeanstalten vergeben; "D" steht also eindeutig nicht für "Deutschland".

    Selbst Belgien hat inzwischen neben dem Königsportrait die Kennung "BE". Somit werden wir Deutsche auf den Münzen diskriminiert, weil unser Land offenbar nicht genannt werden darf, wie auch Österreich. Ein Schuft, der böses dabei denkt.


    Und zum Thema: Bei der nahen Verwandtschaft zwischen griechischen und cyrillischen Buchstaben wundert man sich fast, daß dennoch beide Schriftarten auf den Euro-Geldscheinen (neben der Lateinschrift) zu finden sind. Nur unsere Deutsche Schrift fehlt eben. Das ist zu kritisieren, denn es ist ein Ignorieren unserer Kultur und Sprache.


    Ich wundere mich, daß hier in diesem Forum das Eintreten für unsere Schrift als Aufbauen neuer Grenzen und anti-europäisch, nationalistisch, angesehen wird. Wißt Ihr denn nicht, daß es kein Geringerer als Adolf Hitler war, der 1941 per Erlaß die Abschaffung der Deutschen Schrift verfügt hatte? (siehe Abb.. hier: https://upload.wikimedia.org/w…ifterlass_Antiqua1941.gif ). Sich also für die Beibehaltung der Lateinschrift einzusetzen bedeutet, den Hitler-Erlaß bis heute anzuwenden und zu verteidigen. Hitler wollte vielleicht die Deutsche Schrift loswerden, weil sie ihm in seinem Wahn vom (unter dem NS) vereinigten Europa gestört hätte. Oder es war seine Nähe zu Rom, die sich auch in der Baukunst und den Ave-Grüßen und Standarten zeigte, wer weiß.

    Jedenfalls kann daher das Eintreten für die Deutsche Schrift und gegen Hitlers Erlaß niemals irgendwie nazistisch sein.

  • Ein Schuft, der böses dabei denkt.

    Ein Schuft, ja, oder jemand, der krude Theorien um seine vermeintliche Entdeckung entwickelt. Wenn du wissen willst, warum keine dir ausreichende Landesbezeichnung auf den Euro-Münzen steht, dann ruf doch bei der Bundesbank oder bei der EZB an und frag nach, warum da keine Landesbezeichnung auf den Euro-Münzen steht. Dann kannst du berichten, was du aus erster Hand herausgefunden hast. So läuft das, wenn ich eine Theorie entwickle. Ich stelle erst eine Hypothese auf und dann recherchiere ich, um sie zu belegen. Ich stelle nicht eine Hypothese auf und entwickle dann irgendein Gedankenkonstrukt darum, dass ich im Netz verbreite.


    Ich sehe nicht, warum die nationale Motivlage der deutschen Sprache und Kultur, wie du sie nennst, so dicht ist, dass es ein Frevel wäre, sie in einer anderen Schriftart darzustellen. Was sagt diese Schriftart über uns aus? Kann man Goethe auch in Antiqua lesen? Geht dadurch etwas verloren? Ich sehe nur, dass die Überlegung, dass die meisten Deutschen wohl kein griechisch oder kyrillisch lesen können, hier schon eine nationale Rücksicht war, welchen Sonderstatus darf man denn bitte noch beanspruchen? Die Hervorhebung Griechenlands als Symbolort europäischer Kultur ist da eigentlich viel eher einleuchtend, sind doch auch sprachlich sowohl Latein als auch Kyrillisch auf das Griechische zurückzuführen. Karl der Große hat übrigens die lateinische Schrift nicht nur deswegen gegen die Runenschrift eingeführt, um die Christianisierung zu erzwingen, sondern, wie man heute weiß, auch dem kulturellen Verfall seines Herrschaftsraumes vorzubeugen. Kann sein, dass er dachte, dass der Erfolg des römischen Imperiums auch mit der einheitlichen Verkehrsschrift Latein zusammenhing. Aber ich will mich da nicht in irgendwelche Theorie flüchten.


    Letztendlich ist es selbstredend entscheidend, wer die "deutsche Schrift", wie du sie nennst, verwendet hat, denn nur darauf stützt du doch deine Argumentation. Oder ist die Schrift aus der Luft zu uns geflogen, hat sie sich irgendwo in der Natur entwickelt? Hat jemand mal unter einer deutschen Eiche gegraben und dort den Letternsatz für Kurrent- und Frakturschriften gefunden? Fraktur wurde genauso in Polen, in der Schweiz, in Luxemburg, in Dänemark, Holland, Italien, ja sogar Spanien verwendet. Dürften die nicht protestieren oder sind sie vermeintlich schon mit einer Landesbezeichnung auf ihren Münzen zufriedengestellt worden?


    Und was soll der Normalschriftenerlass hier? Warum sollten wir den nicht kennen? Du sagst doch selbst, dass bis heute Fraktur eine zulässige Verkehrsschrift ist. Also ist sie doch offenbar, entgegen diesem lächerlichen Verbot, wieder zugelassen worden?