Olympia Schreibmaschine mit Frakturschrift und Typenräder erworben

  • Endlich bin ich im Beſitz einer Schreibmaſchine mit Frakturſchrift. Es iſt eine wunderſchöne Olympia Monica in hervorragendem Zuſtand.

    frakturschriften.de/index.php?attachment/1965/

    Dazu kommt, daß ich geſter auch noch einpaar Fraktur-Typenräder finden konnte.


    Es wundert mich aber ehrlich gesagt, daß es noch keine dieſer nichtproportionalen Frakturſchriften für den Heimrechner gibt. Schriften wie Courier New werden immer noch gern für z.B. Geſchäftsbriefe verwendet, und von ſo ziemlich jedem Schriftsyſtem gibt es eine Rechnerſchrift mit fixer Breite. Sogar Iriſch!


    Wäre doch ſchade wenn dieſe Schriften den Sprung ins digitale Zeitalter nicht ſchaffen würden.

    Oder was meint Ihr?

    2 Mal editiert, zuletzt von Vaidl ()

  • Sicherlich werden alle hier in dieſem Forum die Frakturſchriften lieben.

    Jedoch haftet es, zu unſer aller Leidwesen, die so genannte „Nazischrift“ an; auch wenn dies nicht immer ausgeſprochen wird.


    Hier mein jüngſtes Beiſpiel:

    Für die Leſeübung in „Die deutſche Schrift“ habe ich in einem Muſeum einen herrlichen Brief von 1760 gefunden, der einfach nur eine Augenweide iſt (ſo was hat garantiert noch keiner von Euch geſehen!).

    Ich bin in die Stadtverwaltung gegangen, habe eine Auſgabe dieſes Heftes mitgenommen und wollte um die Druckerlaubnis nachfragen. Und ich habe gleich betont, als ich das Heft zeigte, daß wir nichts mit „Rechts“ zu tun haben.

    Da die Sekretärin vermutlich mir nicht ganz folgen konnte, habe ich einen höflichen Brief verfaßt und meine in Fraktur geſetzte Visitenkarte beigefügt und perſönlich abgegeben.

    Ich habe, um einen perſönliches Geſpräch mit der Kulturverantwortlichen gebeten, um eventuelle Mißverſtändniſſe von vornherein aus dem Weg zu räumen. Am Telefon wurde ich dann ſtändig abgewimmelt: Die Verantwortliche hätte viel Arbeit und ſei nicht im Hauſe. Ich habe dann eine andere Telefonnummer verwendet und ſiehe da, die Dame war plötzlich am Telefon. Der Ton war harſch; ich ſollte doch ihre Mitarbeiter nicht so bedrängen und ich werde ſchon eine Antwort erhalten. Ich warte seit ca. 6 Wochen darauf und ich ſtelle mir vor, ich hätte mein Schreiben in Fraktur verfaßt und als Post verſandt. Das wäre mit Sicherheit in den Papierkorb gelandet.

    Ich befürchte, daß mein Vorhaben eigentlich ſchon geſcheitert iſt.


    Ich halte es für ſehr wichtig, daß wieder Bücher in Fraktur verlegt werden. Jedoch die renommierten Verlage werden darüber ſich keine Gedanken machen. Zum erſten zählt da nur der Umſatz. Und ſchließlich würde das Kaufverhalten zurückhaltend sein, da der Normalbürger es nicht mehr gewohnt ist, Fraktur zu leſen. Wir empfinden die Schrift als schön, der Otto-Normalverbraucher hat hier Schwierigkeiten.

    Hier ein Beiſpiel:

    Ich handle mit antiquariſchen Büchern. Iſt ein Buch in Fraktur geſetzt, iſt es üblich in der Beſchreibung „Achtung Fraktur!“ zu vermerken. In dem dortigen Forum wurden Erfahrungen ausgetauſcht, daß Bücher mitunter zurück geſandt wurden, mit der Begründung, man könne die Schrift nicht leſen.


    Ich habe meinen Sohn, der ein guter Leſer ist, mit etwa 10 Jahren ein Robinſon-Ausgabe vorlesen lassen, die in Fraktur geſetzt war. Er hatte Schwierigkeiten mit dem kleinen x und mit Ligaturen. Es ist ihm ſchwer gefallen, aber er hat es letztende doch geſchafft. Er dürfte, der Einzige in ſeiner Schule geweſen sein, der ſo etwas geschafft hat. Die große Maſſe würde bei ſo einem Buch die Finger laſſen. Da wir in einem Zeitalter der Überinformation leben, stelle ich feſt, daß nur noch flüchtiges Schreiben und Leſen angeſagt iſt, egal ob in „Meſſenger-Diensten“ oder in Preſſemitteilungen im Netz. Es wird nur überflogen und nicht wirklich geleſen. Ein Beleg für mich iſt die mit unter ſehr mangelhafte Rechtſchreibung.


    Grundlegend müßte Fraktur verſtärkt wieder in den öffentlichen Raum; egal ob als Buch, in der Werbung, im Netz, in der Verwaltung oder als ein paar Stunden im Schulunterricht.


    Und noch ein Gedanke: Wenn ich auf den Rechner in Fraktur ſchreiben möchte, will man natürlich alles richtig machen; das gilt für die richtige s-Schreibung und den Ligaturen. Leider haben die Schriftanbieter zu unterschiedliche Hilfsprogramme und man muß vieles mit der Hand korrigieren, was die Handhabung nicht ganz einfach macht.

    Ich habe mich an den frei zugänglichen Schriften verſucht und ein mäßiges Ergebnis erhalten. Selbst Ligafaktur 10, das vielleicht beſte Programm, will bei mir nicht wirklich funktionieren.


    Nun zu meinen Schlußgedanken: Zwar ist Fraktur eine offiziell zugelaſſen Schrift, doch eine öffentliche Rehabilitierung hat nach dem Krieg nie ſtattgefunden. Auch ſteht man gleich im Verdacht der Deutschtümelei. (Ich kann von allem dem bei mir nichts finden.) Und hier liegt der Schlüſſel!


    Ich möchte mit dieſem Beitrag nicht falſch verſtanden werden – ich bin kein Peſſimiſt.

    Einmal editiert, zuletzt von mingo28 ()

  • Fraktur sehe ich nicht als schön an. Es ist eine wertfrei gute oder schlechte Schriftart, die aber, sicher in Zeiten des globalen Massenkonsums von Informationen, eine geringe Leserlichkeit besitzt und daher Mühe und Übung erfordert. Für schnelles Überfliegen eignet sich eben besser eine Nonserifenschrift, die sicher auch mit der maschinengenerierten Sprache und Ausdrucksweise unserer Tage zusammenhängt. Das erforderliche Verständnis für die Gleichbehandlung von Schriftarten können wir wohl in einer Zeit, in der Lesen und Schreiben durch lokale Schulbildung einen immer geringeren Stellenwert besitzt, kaum noch erwarten. Aber will man Schule als Gegenbewegung zur allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung etablieren?


    Den rechten Spinnern, die Fraktur als "Ihre Schrift" zweckentfremden und die dadurch beweisen, wie bewandert sie in der "Kulturgeschichte" des Dritten Reichs und ihres geliebten Nationalstaatskonstrukts doch sind, sollte man mit gleichen Mitteln begegnen und sich Fraktur als öffentlich sichtbare Symbolform wieder aneignen (z.B. auf Schildern von Demonstrationen, auf T-Shirt-Merch für Punkbands oder sonstwie). Damit kann man diesen mittlerweile globalen Missstand einer rund um die Welt geteilten Symbolwirkung von Fraktur als der "echten" oder "urtümlichen" Schrift, die ja möglichst authentisch sein soll, das Wasser abgraben und positiv begegnen. Vielleicht hören dann auch zahlreiche Ahnenforscher auf, die ihrem wenig gebildeten Geschäftsmodellen einen urigen Anstrich geben wollen, Fraktur für Stammbäume usw. zu missbrauchen und geben sich mal wieder mehr Mühe bei ihrem Geschäft.


    Die einzige Antwort, die ich auf die globale Entfremdung einer einzelnen Schriftart und das Verschwinden ihres Letternsatzes vom Markt habe, wäre Integration. Aber da sehe ich auch das Problem. Wenn wir nicht als ewig Gestrige und gegen die Gesellschaft Gewandte erscheinen wollen, müssten wir Schreiben in der Schule eigentlich "bilingual" machen (einmal quasi modern, einmal quasi historisch in Fraktur, Sütterlin, Kurrent usw.) . Allerdings -,bei dem ganzen Lernstoff, der heute in den Schulen gepaukt wird, - wer soll das dann noch leisten können?

  • Das sich Frakturschriften nicht für´s schnelle Überfliegen eignen würden, dem widerspreche ich.

    Gut, ich hatte das Glück als Kind in manchmal langweiligen Schlechtwetterferienzeiten auf dem Lande, all die Jugend- und Abenteuerbücher meines Großvaters auf dem Boden zu finden. Daher war das Lesen von Fraktur nie ein Problem, und die Lesegeschwindigkeit richtet sich nach dem Spannungsgehalt des Buches.

    Heute stehen bei mir die Bücher vermischt im Schrank, meist nach Themengebieten zusammengefaßt. Sicherlich sind es mehr Bücher, die nicht frakturgesetzt sind, aber das liegt an der vergangenen Zeit. Das meint, bei mir spielt es (offen sichtlich) keine Rolle in welcher Schriftart ein Buch gesetzt ist. Da steht selbstverständlich ein "Fraktur- Werther" neben einer "Antiqua-Gedichtsammlung" von Goethe; Büchmanns "Geflügelte Worte" in Fraktur neben einem "neuen" Fremdwörterbuch; eine "Antike Mythologie" in Fraktur neben einer "Germanischen Mythologie" in Antiqua.

    Die Botschaft, für jeden der hinsehen will. Die Schriftart ist egal, es kommt darauf an, was darin steht. Und mit der selbstverständlichen Verwendung der Bücher, fällt eine ideologische Abwertung jedem schwerer.

    Für alle persönlichen Notizen verwende ich deutsche Kurrent (in Alltagsform, nicht Schönschrift), sei es nun der Einkaufszettel oder kleine Vermerke, die auf dem Schreibtisch herumliegen, wo es durchaus jeder sehen kann. Das ist die selbe Botschaft.

    Und wenn jemand meint ich sey damit rückschrittlich, kann ich immer noch einfach behaupten: Ätsch, ich kann beides und deine Engstirnigkeit interessiert mich nicht.


    Lange Rede, gar kein Sinn.

    Ich mache keine große Kultveranstaltung aus der "Schriftfrage", lasse die Ideologie "verblüfft" abtropfen, und wenn das jemand nicht lesen kann/will, bin ich "verwundert" und äußere mein Bedauern/Mitleid. Hat mir schon mehr Interessenten beschert als jede Diskusion.

  • Das mag eine legitime Einzelmeinung sein, die ich vollkommen teile (bis auf den Vergleich von Fraktur und Antiqua in punkto Überschaubarkeit), aber der Kollege oben sprach ja den gesellschaftlichen Missbrauch und die grundlose Marginalisierung einer Schriftart am heutigen Lese- und Schreibmarkt an. Ich frage mich da schon häufiger, wenn ich wieder mal irgendwo als "Dolmetscher" herangezogen werde (sei es für ein in Fraktur geschriebenes Buch oder Briefe in Kurrent), ob man da nicht mehr machen müsste, ob die Leute, die quasi bi- oder multiscriptal sind, auch eine gesellschaftliche Verantwortung oder einen Bildungsauftrag haben; das zumal, weil man bei Lesebefähigung diverser Handschriften immer gleich als eierlegende Wollmilchsau behandelt wird und öfter mal ohne Not vor irgendwelche Minuskeln aus dem 14. oder 15. Jahrhundert geparkt wird, bei denen man beginnt zu verstehen, warum die Bastardschrift Bastardschrift heißt.

  • Haben wir dahingehend eine gesellschaftliche Verantwortung?

    Eher eine kulturelle, die durch Veralltäglichung meines Erachtens das meiste Interesse erwecken kann. Und ab Interesse kann gegebenenfalls auch an Zweischriftigkeit gearbeitet werden. Aktive Missionierung erzeugt oft nur oben beschriebene Gegenreaktion, eine Abwehr aus Faulheit oder Desinteresse. "Ach, laß mich doch in Ruhe!"

    Wir leben momentan in einer extrem tradition- und damit kulturfeindlichen Zeit. Die Kulturzerstörer sind sehr rege und schlagen auf alles ein, was irgendwie nach Tradition oder Erhalt riecht. Also nicht "bewahren", sondern leben als sei es das normalste überhaupt.

    Dem Mißbrauch kann man durch Veralltäglichung vermutlich am besten entgegentreten. Einfach für die banalsten Sachen, solche Schriftformen verwenden, dann fällt die Ideologisierung schwer. Wenn einer etwas nicht lesen kann, nicht den genervten "Dolmetscher", sondern kleine Hinweise und dann kümmer dich selbst. Fraktur zu lesen ist nicht schwer, die Meisten sind nur einfach zu faul. Wenn sie wissen wollen, was da steht, können sie es in der Regel erstaunlich gut.

    Natürlich ist es schade, daß so wenig in Frakturen neu gesetzt wird. Aber es rentiert sich nicht, bleibt also ein Feld für die Kosten nicht scheuende Idealisten. Und solange dem so ist, wird sich daran nichts ändern.


    Also ja, wir haben eine Verantwortung. Ein kulturelles Erbe zu bewahren, Interesse zu wecken und etwas, was die Meisten für außergewöhnlich halten, alltäglich erscheinen zu lassen.

  • Liebe Leute, euer Loblied auf deutsche Kultur kann ich ganz und gar nicht teilen, denn nüchtern betrachten besteht Deutsche Kultur nur aus Ausgrenzung und Abgrenzung in jeder noch so schändlicher Form. Wahre Kultur hingegen bleibt nicht stehen, grenzt nicht aus, hat die Eigenschaften Gutes aufzunehmen und negatives abzulegen.


    Frakturschrift ist kein deutsches, sondern ein europäisches Kulturgut, das weltweit mehr oder weniger gepflegt wird. Lediglich einige Besonderheiten beim Setzten darf sich typisch für den deutschen Sprachraum nennen. Aber auch da gab es zu keiner Zeit eine Einheitlichkeit.


    Wenn ich Frakturschrift nutze, und das tue ich bei allem das gedruckt das Haus verläßt, dann weil ich Freude an dieser Schriftart habe.


    Gedichte mit dem Inhalt des vorherigen Beitrags sind aus meiner Sicht der Frakturschrift abträglich.

  • Solche Kommentare zeigen mir echt, dass meine Überlegungen ganz und gar nicht von der Hand zu weisen sind. Nüchtern betrachtet bestand übrigens deutsche Kultur immer aus Vielfalt vieler kleiner Länder mit unterschiedlichen Lebensweisen, wenn diese sich auch durch Abgrenzung untereinander selbstverständlich verstärkt haben. Allerdings war die Herrschaft in deutschen Staaten auch sehr viel stärker auf Konsens angelegt. Es ist in vielen Fällen aufschlussreich, mal differneziert auf die Behandlung von Minderheiten im Heiligen Römischen Reich zu schauen und dabei vielleicht festzustellen, dass sie an vielen Stellen einen wertfreieren Umgang erfahren haben, als das heute der Fall ist (seien es die Hugenotten, seien es Salzburger Emigranten in Nürnberg, seien es spanische Juden). In Frankreich, den Niederlanden oder Spanien, auch in anderen europäischen Staaten dieser Zeit, sehe ich das irgendwie nicht. Bei allen Besonderheiten, es ist in der Forschung heute Konsens, das ehemalige heilige Römische Reich als europäisches Reich zu bezeichnen.


    Und überhaupt - wo habe ich denn an einer Stelle erwähnt, dass Fraktur ein deutsches Kulturgut sei? Sie mengen das alles mit einer 150jährigen, auf Mythen, Fantastereien und kitschiger Romantisierung basierenden, nie stattgefundenen "nationalen" Vergangenheit zusammen, deren Abwertung nicht besser ist als das, was rechte Schmierfinken von den Dächern schreien.


    Es ging hier um den Fortbestand von Fraktur am Schriftmarkt und zwar ganz klar als europäisches Kulturgut und meine Ansicht dazu ist, dass typografische Vielfalt auch kulturelle Vielfalt ist und dass Fraktur zwar historisiert aber damit zu Unrecht auch marginalisiert wird. Ihr persönlicher Geschmack ändert daran nichts. Darum ging es, nicht um irgendwelche Deutschtümelei mit vaterländischen Gedichten im Frakturschriftsatz.

  • Es gibt durchaus "Nichtdeutsche", die die deutsche Kultur lobpreisen. Und in dem großen Konzert der Kulturen muß sie sich auch wahrlich nicht verstecken.

    Aber, da gebe in AN recht, es ging hier um SchriftFORM, und die ist durchaus nicht an die deutsche Sprache oder Kultur gebunden. Sie ist frei verfügbar und es ist schade, daß sie verschwinden soll. Das allerdings allein das Sujet reicht, einen antideutschen Reflex auszulösen, zeigt wie tief die Vorurteile gegen diese Schriftform sitzen.

    Mal ganz abgesehen davon, daß "die Ausgrenzung und Abgrenzung in jeder noch so schändlichen Form", bei Licht betrachtet, auf alle zutrifft.

  • Eine Schreibmaschinenschrift für den PC ist mir bekannt. Sie heißt F25 Blackletter Typewriter. Ich habe sie auf meinem Rechner als OpenType- und als TrueType-Schrift, weiß aber leider nicht mehr, wo sie angeboten wurde. Anliegend eine kurze Schriftprobe:

    »Solange etwas ist, ist es nicht das, was es gewesen sein wird« (M. Walser)

  • Endlich jemand der auf meinen Beitrag eingeht!

    Ja, ich kenne die F25 Blackletter Typewriter. Sie baſiert auf der Schreibmaſchinen-Schwabacher. Es gibt auch die Schiet Schriefmaschin von PeterWiegel und die Erika Mono Fraktur.


    Ich ſpreche jedoch nicht von Schriften mit abgenütztem Schriftbild, ſondern Digitaliſierungen wie ſie z. B. Herr Gerhard H auf ſeiner Seite anbietet.

  • Zu den letzten Beiträgen hier noch ein paar Randbemerkungen:

    Bei der Verwendung von Fraktur im perſönlichen Gebrauch liebäugel ich mit einer „leichten“

    Schrift wie etwa die Peter-Jessen-Schrift.

    Dann habe ich kürzlich einen Artikel geleſen, der zur Zeit des Schriftenſtreites um 1920 handelt. Damals wurden u.a. drei Schriften erkoren, die leſefreundlicher waren als viele gängige Frakturen und für den Schulunterricht als gut geeignet erſchienen, was ſogar Kritiker zugeben mußten. (Mir fallen die Bezeichnungen dieser Schriften leider nicht mehr ein, ebenſo wenig der beſagte Artikel.)

    Fazit: Einige Texte (Geſchichten, Gedichte) in „leichter“ Fraktur in den Lesebüchern in der Schule könnten dazu beitragen, einen Einſtieg in das Leſen von Fraktur zu schaffen, um damit der Unfähigkeit des Frakturleſens entgegen zutreten. Das wird ſicherlich nur am Rande des Gesamtdeutſchunterrichts stattfinden, würde aber vollkommen genügen. Letzternde bleibt es den Schülern dann überlaſſen ob ſie „ohne Angſt“ zu einem Buch mit Fraktur mal greifen werden.

    Den Aſpekt, über den zu umfangreichen Lernstoff kann ich nicht voll zuſtimmen; im Unterricht in der Grundſchule wird nicht viel abverlangt, von Hausaufgaben ganz zu schweigen. Und ſchließlich die viele Ausfall- oder Ersatzſtunden, in denen gern mal eine DVD eingelegt wird.

    Den Faden aber zu Ende geſponnen: Bücher in einfacher Fraktur. Das müſſen nicht automatiſch Klaſſiker sein; weshalb nicht Gegenwarts- oder gar utopischen Romane? Was hierzu fehlt, ist die Bereitſchaft und den Mut der Verleger und große renommierte Verlage könnten ſo ein Risiko eingehen.

    Problematiſcher ſehe ich es da ſchon den Umgang mit der „alten“ Schreibſchrift. Die verlangt zum Erlernen nun mal ein ſtändiges Üben. Beſtenfalls hätte ſie in der Schule nur in Form von Arbeitsgemeinſchaften eine Chance. Dies ſetzt natürlich auch den Willen der Lehrer voraus.

    Nun noch zum Urthema der Diskussion, nämlich die beſagte Schreibmaſchine. Eine Schreibmaſchine mit Ligaturen ist faſt schon ein Traum. Schreibmaſchinen im Allgemeinen werden kaum noch produziert, eine mit Fraktur ist da ſchon ein Exot. Schreibmaſchinen werden nicht mehr die Maſſen erreichen. (Und im beſagten Gedicht von Vaidl kann ich nichts Anrüchiges erkennen. Eher das dieſes Gedicht nicht jedermanns Geſchmack iſt.)

    Kehren wir wieder zur Schriftendigitaliſierung zurück. Es wäre ſchön wenn die Schriftenanbieter nicht jeder ſein eigenes Süppchen kocht. Und bei der ſtändigen Veränderungen der digitalen Welt iſt eine Zusammenarbeit nötig. Das würde die Verwendung für den Privatanbieter erleichtern und die Frakturſchriften „maſſentauglich“ machen.

    Zum Schluß noch das leidige Thema „Rechts“. Mein Argument in Diskuſſionen hierzu iſt, daß es keine „Naziſchrift“ gibt. Nur der Inhalt einer Druck- oder Schreibſache ist rot, grün oder braun!

    Einmal editiert, zuletzt von mingo28 ()

  • Ich möchte hier, um kein Mißverständnis aufkommen zu laſſen, eine Lanze für die Schreibmaſchine brechen.

    Ich ſelbst habe erst kürzlich eine gängige Maschine aus den 80er geſchenkt bekommen. Obwohl ich kaum Platz zu Hauſe hatte, habe ich ſie genommen, da der Vorbeſitzer ſie verſchrotten wollte.


    Der Vorteil der Schreibmaſchine ist immer noch, daß der Drucker integriert iſt und ſo ſcharfe Buchſtaben wie die Maschine ſchlägt, habe ich noch bei keinen meiner Drucker geſehen. Während Vaidl die Typenräder bei ſeiner Maſchine wechſeln muß, ſo iſt es doch heutzutage möglich bei der Schreibmaſchine mehrere Schriften zu inſtallieren. Ich entſinne mich noch einer Maſchine um das Jahr 2000 herum, die einen Speicher hatte und man vorm Ausdruck die Zeile kontrollieren konnte. Dies ging, ſo glaube ich, ſchon in Richtung Schreibcomputer.


    In der Regel werden mehrere Schriften inſtalliert, warum kann nicht auch mal eine in Fraktur dabei ſein und da liegen bei unſereins die Wünſche offen; mit langen s und wenigſtens den wichtigſten Ligaturen.

    So eine Schreibmaſchine würde natürlich nur wenige Liebhaber intereſſieren und der Preis wäre dementſprechend.

    Schaut man sich im Netz um, ſo werden nur noch wenige Maſchinen produziert und das ſind rießige „Klopper“, eher für Großbüros gedacht und der Preis liegt im vierstelligen Bereich.


    Schade!

  • Für Textsatz und Datenverarbeitung finde ich bestimmte Funktionen in Word (z.B. Suchen und Ersetzen, Textfeldoptionen) unersetzlich. Das schafft keine Schreibmaschine mehr bei der Menge an Informationen, die wir täglich bewegen.


    Ich stimme aber zu, dass maschinegeschriebene Schriftbilder viel schärfer und deutlicher sind, teilweise sogar deutlicher als ein Konica Minolta in HD. Ich lese z.B. auch alte Bücher ein, um Sie in Adobe in Text zurückzukonvertieren und da landeten die in Courier geschriebenen Scans der Schreibmaschinenmanuskripte bisher meilenweit vor den unbrauchbaren Buchscans der mit Rechner geschriebenen Antiqua-Varianten. Allerdings muss man auch dazu sagen, dass das Texte waren, die unter optimalen Bedingungen geschrieben wurden. Von der Wartung einer guten Schriebmaschine bis zur Papierwahl ist da nämlich noch eine ganze Menge zu bedenken, was natürlich auch die Kosten für so ein Gerät nochmal erhöht.

  • Ich will ganz bestimmt niemandem die Freude an seiner Fraktur-Schreibmaschine trüben. Das liegt mir fern. Ich will aber auch meinen Mangel an Begeisterung in diesem Punkt nicht verschweigen.


    Für meinen Geschmack waren und sind Frakturschriften und Schreibmaschinen Gesellen, die sich sich einfach nicht vertragen. In dem Moment, in dem Frakturschriften nicht mehr als Proportionalschriften gesetzt oder getippt werden, verlieren sie für mein Empfinden ihren ästhetischen Vorsprung und werden auch schwerer lesbar, weil meist gesperrt wirkend. Die bei nichtproportionalen Schriften notwendige Behandlung der Ligaturen als Einzelbuchstaben unterstreicht dies besonders.


    Ich meine: Fraktur? Natürlich, sehr gern! Aber bitte aus dem Setzkasten, der Setzmaschine oder dem Computer! Nur so können Frakturschriften ihre ästhetische Wucht entfalten. Meine zwei Cent.

    Der Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und
    Zukunft ist [...] eine Illusion, wenn auch eine hartnäckige.

    Albert Einstein (1879-1955)

  • Eine Blickensderfer 7 wird auch angeboten:


    Es wäre ſchön wenn dieſe Stücke in den Beſitz eines Vereinsmitgliedes übergehen.



    Was den Alten Fritz betrifft:

    Nichtproportionale Schriften müſſen andere Kriterien erfüllen als die aus dem Setzkaſten.

    Trotzdem finde ich daß ihre Äſthetik einen gewiſſen Reiz hat, und für beſtimmte Bereiche wie z. B. Geschäftsbriefe oder zum Programmieren werden dieſe Schriften nach wie vor benutzt.


    Mein Sorge iſt dieſe: Schreibmaſchinen und Typenhebel halten nicht ewig, irgendwann werden die Typen verſchliſſen und ihre Schriften verloren ſein. Die einzige Möglichkeit dies zu verhindern iſt die Digitaliſierung dieſer Schriften.


    Gleichſchrittſchriften ſind heute Teil vieler Schriftfamilien, und auch die nichtproportionalen Frakturſchriften leiten ihre Form von Schriften aus dem Setzkaſten ab z. B.

    kleine Frakturſchrift = Normalfraktur,

    Schreibmaſchinenſchwabacher = Neue Schwabacher,

    Große Frakturſchrift = halbfette Kochfraktur

    olde English = Angelsächſiſche Gotiſch