Aus einem österreichiſchen Haushaltsbuch um 1850, Teil 1

  • Willkommen in der öſterreichiſchen Küche um 1850!


    Aus dem Haushaltsbuch (Großteil besteht aus Back- und Kochrezepte) aus Öſterreich, das ich übertrage, habe ich ſchon öfters hier geschrieben. Ich würde jetzt regelmäßig Beiträge hier herein ſetzen. Einige wenige Wörter kann ich nicht ganz leſen (orange unterlegt). Da man aber ſchrieb, wie es einen ſo einfiel, kann das urſprüngliche Wort derart verhunzt worden ſein, daß ich nicht dahinter ſteige, was es bedeuten ſoll. Mir iſt daher die Bedeutung des Wortes ebenfalls ſehr wichtig. Es kann auch ein regionaler Begriff der Küche Öſterreichs ſein; das Haushaltsbuch, daß ich übertrage, ſtammt aus dem Raum Steyr.


    Wer ſich die Mühe macht, hier mitzuhelfen, darf zur Belohnung ſich anſchließend an den Rezepten austoben …


    S. 41

    Matrosen Bratten 76.

    Spicke ein Beyrind mit Kernfetten, dünste es

    mit Esig, Rahm u Wurznal mit rothen u weißen

    Krem einganieren.


    S. 42 (Die Überſchriften der Rezepte, wurden in lateiniſchen Buchstaben geſchrieben, wobei der Schreiber hin und wieder damit Schwierigkeiten hatte.)

    Kalbs Esholop mit feinen Kräutern. 78.

    Mache länglichte Schnitzel 2 auf eine Portzion, u

    Naturgebraten, dan eine Körbelkraut Petersiel

    Saurampfen, Spenath, alles sehr fein geschniten

    in Butter anlaufen laßen, u darüber, auch kan

    man Einmachsoß dazu geben, dß es sich bindet.


    S. 74 (Hier handelt es ſich um eine handgeſchriebene Viſitenkarte, eventuell zweier Perſonen.)

    Johann Baset Geolost

    Vincent Mirozere

    Wundarzt.


    S. 104

    Italienische Tortte. 81.

    Reib ½ Pfund Zucker auf Bomeranzen ab,

    Lemonie, dan rühre 14 Dötter in den

    Zucker ab, ½ Pfund Mandle 3 Lth Breßl, den

    Saft Budl zierlich Dordle, dan backe es

    auf 3 Theile mit Früchten unterlegt u ein

    wenig gesalzen.


    Ich freue mich über jeden noch ſo kleinen Beitrag!

  • #1 Wurzmel (ohne h)


    #2 Kalbs Eskalop (für Escalop, französisch für Wiener Schnitzel, von griechisch Skolop=Schnitze, Splitter)


    #3Johann Bapt(ist) Geslostviag (????)

    #3Vincent Minzkiel Wundarzt


    #4 dan Saftbudl zierlich kandle (eine Saftrinne kehle aus?)


    vermutlich nicht sonderlich hilfreich, naja...

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  • Hallo „angemeldet“!


    Recht ſchönen Dank erſtmal!


    S. 41 Das Wort Wurzmel (ohne h) habe ich jetzt auch im Netz gefunden, aber die Bedeutung iſt noch unklar. Ich halte mir beide Varianten daher noch offen.

    1. Variante: Wurznal

    2. Variante: Wurzmel


    S. 42 Das Rätſel des Kalbs Eskolop ist für mich gelöſt. (Kleinvieh macht auch Miſt!)


    S. 74 „Viſitenkarte“: Ich könnte mir vorſtellen, daß die Schreiberin dieſe Ärzte auf dem Markt getroffen hat und ſie ſich eingetragen haben. Oder ſie hat es als Tip aus der Apotheke bekommen. Dieſe Handſchrift findet ſich auf den 300 Seiten nicht wieder, daher kann ich leider keine weiteren Schriftproben geben.

    Ich bin Deine und meine Variante nochmals mit Hilfe des Telefonbuchs durchgegangen, habe aber nichts finden können. Bekanntlich halten ſich Familiennamen mitunter ſehr lange in der Region.

    1. Variante:

    Johann Baset Geolost

    Vincent Mirozere Wundarzt.

    2. Variante:

    Johann Bapt(ist) Geslostviag (????)

    Vincent Minzkiel Wundarzt

    Beim 1. Name kann mich die Abkürzung Bapt. überzeugen; der Familienname aber nicht, aber das kleine v kann ich jetzt auch erkennen. Beim 2. Name bin ich nicht weitergekommen.


    S. 105

    Auch hier möchte ich alles noch offen laſſen.1. Variante: den Saft Budl zierlich Dordle

    2. Variante: dan Saftbudl zierlich kandle


    Da iſt mir der Inhalt weiterhin unklar.


    Bei meiner Recherche verwende ich das "Linzer Kochbuch" von Maria Elisabeth Meixner aus dem Jahr 1818 und Küchenbegriffe, die in der Datei kulmen4 im Netz findet.


    Ich würde mich freuen, wenn „angemeldet“ an der Diskuſſion mit dranbleibt und vielleicht gibt es ja noch weitere Wortmeldungen!

  • Es gibt bei uns Wurzelbrot (ein recht helles Mischbrot), schmeckt nicht sonderlich. Vermutlich ist damit also eher helleres Mehl gemeint, was ich für die Panade plausibel fände. Ich habe es hier auch mal im Zusammenhang mit Pestrezepten aus unserer Region gelesen, wobei es da Würzmehl geschrieben wurde und auch etwas anderes bedeutete. Die Rezepte, die ich so zum Matrosenbraten finde, verlangen jedenfalls alle Mehl während des Dünstens


    https://forum.wildundhund.de/t…darten-preis.92813/page-9


    http://www.rezepterang.de/fleisch/fleisch-rezepte_5561.html


    Minzkiel habe ich schon als Name gehört, Mizorere noch nicht (vielleicht eingeitalienischt, eingeungarischt?). Ich bin aber auch absolut kein Experte für Namen aus dieser Region.


    Beim letzten Punkt kann ich dir nicht helfen. Ich weiß, das Budl in Österreich "kleine Flasche" bedeuten kann, vielleicht entlehnt von unserer norddeutschen Buddl, aber ich weiß auch absolut nicht, was das hier soll. Den Imperativ kandle beziehe ich auf die direkte Ansprache an den Adressaten dieses Rezepts, ich sah aber gerade, dass die Ds recht gleichmäßig sind und außerdem das Dächlein für ein K fehlt. Es könnte also auch Dandle heißen im Sinne von "lass das Saftfläschchen zierlich darübertanzen, rüberschaukeln o.ä."