Einordnung von Kurrent, Sütterlin und Offenbacher

  • Beim Befassen mit unseren schönen alten Schreibschriften beschäftigen mich immer wieder folgende Fragen:


    1. Hat die Sütterlin-Schrift die Kurrent abgelöst?

    2. Oder: Ist Sütterlin nur eine weitere Variante der Kurrent-Schrift?

    3. Soll man Sütterlin nur als einfache (Schul-) Lernschrift für die Kurrent betrachten?

    4. Ähnlich die Frage zur Offenbacher Schrift: Ist sie eine Variante der Kurrent-Schrift oder als eigenständige Schreibschrift zu betrachten?


    Vielleicht betreibe ich einfach zuviel "Schubladen-Denken" und befinde mich komplett auf dem Holzweg.


    Meine Neugier kennt wie immer keine Grenzen und ich erwarte mit Hochspannung Eure geschätze Meinung!

    Einmal editiert, zuletzt von mingo28 ()

  • Hallo Mingo,


    zu Deinem Thema empfehle ich Dir einen Beitrag aus "Die Deutschr Schrift" 69/1983 von Wolfgang Hendlmeier.


    Kurz und gut. Die Kurrent als Laufschrift wurde nach "(Schreib)Schulen" geschrieben oder eben handschriftlich frei. Bis 1934 gab es keine reichsweit einheitliche "Schulschrift" für die Schreibausbildung. Sütterlin hatte eine Lernschrift für Schreibanfänger entwickelt (ebenso eine "lateinische" Variante), die es Kindern (mit Schiefertafel und Griffel) möglich machen sollte, die Grundlagen zu erlernen. Als "Schulausgangsschrift" waren die Varianten nicht vorgesehen. Die Offenbacher (Koch) Schrift ist eine ähnliche Entwicklung.

    Daß wir Sütterlin mit "alter deutscher Schrift" in Verbindung bringen, liegt daran, daß Modifizierungen seiner Schriftvorlagen 1934 als reichsweit verbindlich gelehrt werden sollten. Die Entscheidung hätte aber ggf. auch für die Kochschrift fallen können. Wäre die Frage, wie wir dann heute die "alte Schrift" benennen würden. ;)