Frühkurrent

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    Frühkurrent


    Ich freute mich, wenn wir hier über frühe Kurrentformen diskutieren könnten. Dabei meine ich Kurrentformen, die noch das "Spazierstock-Lang-s" statt dem "Haifischflossen-Lang-s" sowie eine Vielzahl von Ligaturen haben.
    Die Zäsur setze ich zwischen 1800 und 1850, da selbige Formen in dieser Zeit verschwanden. Den Beginn kann man im 14. Jahrhundert suchen, wobei mancher eine spätere Datierung vornimmt, da der Übergang von der gotischen Kursive fließend ist.


    Zusammenfassend geht es hier um fließende deutsche Schreibschriften im Zeitraum zwischen 1300 und 1850.

  • Nun ja, gerade das Spazierstock-s taugt nicht unbedingt alleine zur Unterscheidung, denn das war teilweise noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts gängig.


    Zur Frühkurrent gehören m. E. noch einige andere alterthümlich anmuthende Buchstabenformen, sowie als Werkzeug unbedingt eine breite Feder, wobei der Originalduktus wohl nur mit dem Gantenkiel erreicht werden kann.

    Ich habe eine feste Meinung - verwirrt mich nicht mit Tatsachen!

  • Mit der Frühkurrent kenne ich micht nicht so gut aus, weißß aber, dass sie teilweise so unregelmäßig in den Buchstaben war, dass man oft regional unterschiedliche Buchstabenformen kannte....ist das richtig?

    • Offizieller Beitrag

    Du hast sicher Recht, Oliver, das Lange-s alleine ist es noch nicht. Anfang des 20. Jahrhunderts war es aber schon eher selten es als "Spazierstock" zu schreiben, als gängig würde ich es nicht mehr bezeichnen. Auch heute gibt es noch Schreiber die es nutzen, dennoch ist es nicht gängig.


    Die altertümlich anmutenden Buchstabenformen taugen aber schlecht für eine Kategorisierung, da sie, wie Tobias richtig bemerkt, regional recht unterschiedlich waren.


    Du sprichst aber schon einen wichtigen Gedanken an, der mir diesbezüglich auch auf der Seele brennt. Der Wechsel von Naturfeder (ja, meist Gans) zur (nun industriell herstellbaren) Metallfeder. Das hatte einen RIESIGEN Einfluß auf die Schrift, viel mehr als wenn man heute zwischen zwei veschiedenen Stahlfedern wechselt. Doch eben das spricht auch für meine Zäsur zwischen 1800 und 1850 mit fließenden Übergängen vor allem in unsere Richtung.


    Ohnehin ist es nicht einfach eine so lange Zeit einfach unter einen Hut zu pressen und unter einem Namen zu vereinen. Nicht nur die regionalen Unterschiede sind da maßgeblich, sondern auch die des Zeitgeschmacks. Eine Schrift des 14. Jahrhunderts hat sicher eine andere Ausformung als eine aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.


    Deswegen könnte man eine solche Klassifikation nur vornehmen, wenn man für eine Schriftform zur Einteilung einen Zeit- und Ortsbezug (und ggf. das Schreibwerkzeug) herstellt.


    Meine Einteilung, mit der diese Diskussion beginnt ist allerdings zumindest eine grobe Orientierungshilfe.

  • Vielleicht könntet ihr mal einige abweichende Buchstaben und Ligaturen vorstellen und erläutern, denn ich interessiere mich sehr dafür :) und ihr seid die Fachleute :wink:

  • Öhmmm... alsoooo... wenn Du von der n-Höhe in einer Sinusförmigen Kurve nach unten gehst, dann über die eigene Spur wieder hoch bis zur Oberlängenhöhe... und ääh... dann wie in einem umgekehrten "l" bis zur Grundlinie runterfährst dann, äh, hast du die Ligatur "ss" - klar? :twisted:


    Was ich sagen will: Das muß man sehen. Erklären kann man es nicht. Etwas einfacher ausgedrückt: Spazierstock-s mit großem S in einem Zug geschrieben ergibt ein Doppel-s, - aber selbst das dürfte einen blutigen Anfänger noch verwirren. Man muß sich da einfach Bilder anschauen. (Hatten wir das nicht mal im alten Forum?)

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  • Ich dachte eher daran, dass man vielleicht mit einen Schriftbeispiel und einer Kopie (vielleicht mit dem Scanner) Hier das ganze etwas verdeutlichen könnte.


    Übrigens habe ich gesehen, dass auch die Kurrentschrift von der englischen Kursive beeinflusst wurde. Was wisst ihr darüber?

  • Passiert nix..... stürzt bloß ab..... :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:

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  • Ach, das Photoalbum! Photographie ist bei uns doch noch gar nicht erfunden. Ach so, deshalb ... :(

  • Mal eine Frage an die Eingeweihten (= jene, die das Glück haben schon einmal entsprechende Post bekommen zu haben und -nein!- ich lade jetzt kein Muster hoch! :wink: :(
    Was haltet ihr von der sogenannten "Most-Kanzlei", einer modernen Interpretation der Frühcurrent?


    Ich bin recht begeistert, der Junge hats echt drauf. Lediglich k und F scheinen mir eher von b und H abgeleitet zu sein und bilden Lesestolpersteine - auch Neuschöpfungen sollten auf der Historie aufbauen. Ansonsten: Hut ab!

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    • Offizieller Beitrag

    Also ich finde die Most-Kanzlei sehr gut lesbar, bin eigentlich über nichts gestolpert. Hatte mir die schrift aber auch nur allgemein ästhetisch angeschaut und keine vergleichende fachliche Schriftbetrachtung durchgeführt.
    Ich staune sowieso immerwieder wie der "Junge" sich entwickelt iund was der für Ideen hat. Sehr bereichernder Kontakt.

  • Also ein Augenschmaus!
    Ich hatte anfangs Mühe sie zu lesen, doch nach der Mostschen Manier immer viele Seiten zu schicken, was ich unlöblicherweise nie schaffe, war ich drinnen.
    Sie sieht sehr schön und ästetisch aus, auch wenn ich mich frage, ob ich so einen Brief schon mal bekommen habe, mir der Kanzlei, denn es scheint bei mir eher eine Kanzleikurrent zu sein...
    Einmal abgesehen von seiner Spitzfederschrift, die wie ein Chaos aussieht sich aber mit Vorzug lesen lässt. Ich bin immer wieder froh über einen Brief aus Hamburg :)

  • Ich denke nun unsere Post hier hochzuladen wäre wohl etwas zu privat.
    Aber ich denke man kann dir Herrn Mosts Adresse zukommen lassen, oder meine Herren?

  • Hmmm... sollen wir ihn wirklich in unserem Sandkasten mitspielen lassen...? :wink: :king:


    :roll:
    :roll:
    :roll:



    Nö! :lol:


    Schreib mal ein paar Leute in der DKS an, da findest Du schon von selbst die interessanten Korrespondenten.... :wink:

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