Stammbucheinträge

  • Schönen guten Tag!

    Als Übersetzer deutschsprachiger Literatur ins Ungarische versuche ich seit einigen Monaten, der Forschungsgruppe Inscriptiones Alborum Amicorum an der Uni Szeged/Ungarn beim Entziffern von deutschen Stammbucheinträgen aus dem 16. bis 19. Jh. zu helfen. Weniger mit meinen sehr spärlichen Kenntnissen der deutschen Kurrentschrift, eher mit meinen etwas besseren Deutschkenntnissen.

    Am letzten Wochenende rätselten wir um die für uns schwer leserliche Widmung in einem Eintrag aus dem Jahr 1784 (Nr. 12246 in der Datenbank von IAA) herum.

    Die Inscriptio selbst war leichter zu lesen und zu identifizieren. Sie ist ein Zitat aus Albrecht von Hallers Gedicht "Sehnsucht nach dem Vaterlande":


    Getrost mein Freund, es wird nicht lange währen,

    die Keile gehn dem Wetter endlich aus,

    durch Müh und Angst mus man sein Glük gebähren,

    Ein steiler Weg führt nach der Ehre Haus.

    Mehr Schwierigkeiten hatten wir mit dem Verstehen der Widmung. Unsere aktuelle Lesart lautet so:


    „Hiemit empfhiehlet [sich] den [!] geneigtem [!] [Andenken] seines liebens-würdigen Freundes
    Martinus Penteker

    Pfarr/er/ zu Selyk in Siebenbürgen”


    "sich" uns "Andenken" sind unsere hypothetischen Ergänzungen.

    Wir fragen uns, ob ein siebenbürgisch-sächsischer Pfarrer am Ende des 18. Jahrhunderts im Gebrauch des Deutschen so unsicher sein konnte, oder ob er nur diesmal flüchtig war oder flüchtig sein musste.


    Als Neuling in diesem Forum möchte ich Euch zuerst fragen, ob man hier solche Fragen überhaupt stellen sollte, und wenn ja, dann wäre ich Euch für jeden Hinweis und jede Korrektur dankbar.

  • Hallo adalaj,

    die hypothetischen Ergänzungen würde ich nicht machen, die stehen schlicht nicht da.


    meine Deutung:

    "Hiemit empheihet dem

    Geneigem seines lie-

    benswürdigen Freundes"


    Bezieht sich die Sache auf den Eintrag, wäre das "empfohlen dem geneigten Ohr".

    Bezieht es sich auf ihn, empfiehlt er sich der Zuneigung, wobei das "sich" nicht zwangsläufig verwendet werden muß. Es würde sich um Ausdruck in der heute nicht mehr verwendeten 3. Person handeln.


    Wie gesagt eine Deutung.

    Gruß Erna

  • Hallo Erna,

    auf diese Lösung sind wir schlicht nicht gekommen, klingt für mich aber sehr einleuchtend.

    Werde es gleich weiterleiten.

    Wir waren alle nicht vor Ort, insofern kann es nur noch um Deutungen gehen.

    Vielenk Dank für die schnelle Reaktion!

    adalaj