Kleinigkeiten aus einem österreichischen Kochbuch um 1850

  • Hallo Miteinander!


    Bei der Übertragung eines Haushaltsbuches aus Österreich um 1850 bin ich folgende kleine Problemchen gestoßen:


    1. Es werden häufig Abkürzungen verwendet. Einmal das kleine Wörtchen „und“ wird mit unterstrichenen „u“ abgekürzt (1 + 3. Zeile) und es wird für das Wörtchen „das“ abgekürzt, obwohl mir nicht klar ist, ob hier mit „dß“ oder „dz“ (1. + 2. Zeile) abgekürzt wird.

    Sind dies persönliche Abkürzungen des Autors oder waren diese damals üblich?

    2. Als Beilage im Buch lagen lose Blätter bei. Dort wurde u.a. ein lateinisches Begriff geschrieben und vor bzw. nach dem beiden Wörtern sind Zeichen gesetzt (2. Zeile). Wie würde man bei der heutigen Übertragung diese Zeichen am Rechner darstellen?

    3. Es finden sich Mengenangaben bei zahlreichen Rezepten (2. Zeile). Ich vermute mal, daß es sich um österreichische „Pfund“ handelt, weiß es aber nicht mit Sicherheit. Wenn ja, wo finde ich auf den Rechner dieses Zeichen.

    4. Häufig finde ich bei dem Wort „Kräutl“ die Strichchen über den „u“, statt über dem „a“ (2. Zeile). War dies allgemein üblich oder lag es einfach im Ermessen des Schreibers?


    Ich bin wie immer über Eure Meinung gespannt und freue mich über jede noch so kleine Hilfe!

  • Hallo Mingo 28,


    zu deinen Fragen:


    1. "und“ wird mit unterstrichenen „u“ abgekürzt - das habe ich schon in mehreren Texten gesehen,

    das Wörtchen „das“ abgekürzt, obwohl mir nicht klar ist, ob hier mit „dß“ oder „dz“ (1. + 2. Zeile) abgekürzt wird. - In der 1. und 2. Zeile ist die Fuktion Konjuktion, für mich darum dß für "daß", aber in der letzten Zeile ist die gleiche Abkürzung der bestimmte Artikel "auf das Eis" - "auf daß Eis" wäre komisch. Wenn aber diese Akürzung im ganzen Text überall so geschrieben wird, unabhängig von der Funktion des Wortes im Satzgefüge, würde ich sie als "induvidelle Innovation" des Autors betrachten.


    2. /: : /, oder einfach: ( )


    3. Zu diesem Punkt kann ich leider nichts sagen, aber der Link kann vielleicht auch in der Zukunft nützlich sein: https://www.signographie.de/cm…SIGNA_GewWaehrZch_1.2.pdf


    4. Kommt äu überall so vor? Als selbständiges Vokal ist ä in "Ordnung", oder sind die zwei Punkte ¨ immer verschoben?


    Gruß


    Johann




  • Recht schönen Dank, Johann!


    Etwas bin jetzt weitergekommen.

    Nochmal zu Punkt 1:

    In dem Bild Nr. 1 findet Du auch das Wort Schüssel und hier mit einem "ß" geschrieben, daß natürlich völlig anders aussieht als bei "dß". Ich habe nochmal ein Bild (Nr. 5) hochgeladen, indem dieses Zeichen innerhalb eines Wortes vorkommt: Kindzkoch (vorletzte Zeile, 2. Wort). Du darftst mich nicht fragen, was dieses Wort bedeutet. Es sieht wie ein kleines aber verunglücktes "z" aus.

    Zu Punkt 2:

    Hier habe ich leider nur dieses eine Beispiel. Ich finde aber die Darstellung zwar ungewöhnlich aber interessant.

    Zu Punkt 3:

    Es tauchen in einen Kochbuch die unterschiedlichsten Mengenangaben auf. Einige konnte ich klären, wie Lot, Seidel oder Pfiff. Von den Mengen, die angegeben wurden, macht Pfund den meisten Sinn. Leider konnte ich hierzu nichts weiter finden.

    Zu Punkt 4:

    Die Pünktchen über den ü durchziehen sich durch das ganze Buch. Das Wort Kraütel kommt in verschiedenen Kombinationen bei den Kochrezepten sehr häuftig vor. Ich denke, diese sind bewußt so gesetzt und nicht auf flüchtiges Schreiben zurück zu führen.

  • Kindskoch ist eine leichte Speise, so ist die Frage entschieden, der Buchstabe ist ein "s" - so ist auch die Abkürzung "ds". Sie wurde als Artikel und Konjuktion gleich geschrieben.
    Das Wort "Lemoniezucker" (Foto 05) zeigt, wie der Autor einen "z" schrieb.


    Gruß,


    Johann