Hilfe bei der Transkription

  • Hallo,
    beim zweiten Teil dieses Dokuments komme ich nicht weiter und brauche eure Hilfe.

    In der ersten Hälfte lese ich bislang:


    Dem Vorsteher zu Opherdicke wird
    aufgegeben, zum Transport von
    Werle hierhin, an den daselbst befindl
    Wegposten gelieferte Tonage, einen
    mit 4 Pferden bespannten Wagen
    hieselbsten sofort ohne den geringsten
    Zeitverlust zu gestellen, oder
    sich ohnangenehme Folgen zu gewertigen
    Unna d. 14. Febr 1759 (gez) Mohult


    Der zweite Teil hat leider eine deutlich schlechter zu lesende Schrift.

    Ich erkenne bloß, dass der selbe Schreiber den Teil 2 Tage später verfasst hat.


    Falls jemand den oberen Teil anders entziffert als ich, bis für jeden Verbesserungsvorschlag dankbar.
    Zur Info: Werl, Unna und Opherdicke sind benachbarte Ortschaften in Westfalen. Auf Karten östlich bzw. südöstlich von Dortmund zu finden.

  • Also zum 2. Teil (watt ´ne Sauklaue), kann ich nur etwas raten. Da du in dMaterie steckst, solltest du entscheiden, ob und was verwendbar ist.


    Werden (?) den Wagner zur gebürig (?)

    Zeit nicht(?) vorher(?) ------ zum Transport

    beste für Fourage an den(?) ---- dem (?)

    hiesigen Wachtmeister Grave gemeldet(?)

    werden, ß hat denselben davor

    zu E. bezahlt werden müß ----

    auch zwey Male Colferns zur Beschleunigung(?)

    der Fuhre nach Opherdicke gesand

    ß ist des Colfern Lohn, mit 22 1/2 sbrl (Silberlinge?)

    bezahlet worden. Unna 16 Feb. 1759


    Das ist keine Übertragung, es handelt sich um Deutungsvorschläge.

  • Super! Danke!

    Das ist auf jeden Fall eine solide Basis, mit den Namen mal in andere Register zu gehen. Im Großen und Ganzen passt die Übersetzung / Lesung aber sicher.


    :thumbup:

  • Meine Deutung, basierend auf Ernas Arbeit:


    Weilen der Wagen zur gehörig

    Zeit nicht erschien und zum Transport

    best(ellte?) ….(?) Fourage anden an den (zweimal?)

    hiesigen Wachtmeister Graeve geme…..(?)

    worden, ß hat denselben davor

    30 x bezahlt werden müßen weil

    auch zwey Mahl Bothens zur beschleunigung

    der Fuhre nach Opherdicke geßand

    ß ist des Bothen Lohn, mit 22 1/2 sbrl

    bezahlet worden. Unna 16 Feb. 1759

  • Weilen die (!) Wagens zur gehörig

    Zeit nicht erschien und zum Transport

    besagter Fourage andre von dem

    hiesigen Wachtmeister Graeve gemiethet

    worden, so hat denselben davor

    30 x bezahlt werden müßen weil

    auch zwey Mahl Bothens zur beschleunigung

    der Fuhre nach Opherdicke geßand

    so ist des Bothen Lohn, mit 22 1/2 sbrt

    bezahlet worden. Unna 16 Feb. 1759

  • Super!

    Es gibt nur eine Stelle, mit der ich nicht zufrieden sein kann, ich denke nicht, dass keiner 30 Mal ("30 x") bezahl worden ist, sondern es sich um ein Währungszeichen handelt. Was ist in Westfalen 1759 üblich gewesen - in der Größenordnung für das Bezahlen von Fuhrdiensten tauglich? Und wofür steht das "sbrt", das ja ebenfalls als Währungsangabe notiert ist?

    Hier nochmal die fraglichen Ausschnitte:

    1759-02-14 - Transport-Order - Währung.jpg "30 [?]"


    1759-02-14 - Transport-Order - Währung-sbrt.jpg "22 1/2 sbrt"

  • Ich würde auf Silbergroschen oder Silbertaler tippen.Allein, ersteres wäre vertretbar, letzteres horrend für eine Wagenmiete (und schon ganz und gar für einen Botenlohn). Ganz kurz hatte ich bei Nr. 2 auch an einen Albus gedacht, aber das ist auch etwas viel. Es könnten auch 30 florentiner sein, naja...ohne vergleichbare Abkürzung als Referenz ist es schwer, da eine Analyse zu geben. Es sind jedenfalls beides Münzsorten, soviel kann ich versichern.

  • Silbergroschen klingt wirklich nach der besten Lesung. Auf der Rückseite des Dokuments ist noch eine Rechnung, die die beiden Zahlen zu 52 / 6 addiert. Das impliziert eine 12er-Teilung, es könnten also Silbergroschen zu je zwölf Pfennigen sein.

  • :thumbsup:

    Genau. Die preußische Münzreform kam nach dem siebenjährigen Krieg, nicht mittendrin.

    Vielleicht finde ich noch einen westfälischen Währungshistoriker.

  • Hierzulande in Ungarn bedeutet x in alten Dokumenten Kreuzer. 60 Kreuzer waren 1 Florin. Im 19. Jh., ca. um die Mitte wurde dann die Umrechnung "reformiert", danach waren 100 x 1 fl (Wiener Währung). Aber das alles jetzt nur aus Erinnerung, es kann nicht 100 %-ig korrekt sein.

  • Auf der Rückseite des Dokuments befindet sich folgende Rechnung:


    Ich lese das als 30 + 15 + 7 _ 6 = 52 _ 6.


    Vermutlich wurden dort die 30 für den Wagen und die 22,5 für den Boten (15 + 7,5) zusammengerechnet. Damit ist klar, trotz unterschiedlich aussehender Währungsbezeichnungen handelt sich um die gleiche Rechenwährung.

    Ich vermute inzwischen Stüber zu 12 Pfennigen. Die sind für Westfalen für 1705 in einer Steuerliste verwendet und werden gut 50 Jahre später noch Bestand gehabt haben. Die Reform kam erst nach dem siebenjährigen Krieg.