Hilfe bei ein paar Wörtern - Die Klaue des Bruders meiner Großmutter

  • Hallo Miteinander,

    Ich habe die Karte meines Verwandten größtenteils entziffern können - bis auf wenige Ausnahmen. Die Schrift an sich ist gewöhnungsbedürftig und mit der Rechtschreibung wurde großzügig umgegangen.

    Auf der 1. Seite, 5. Zeile von unten, letztes Wort (hier geht es um Irmgard).

    Und auf der 2. Seite vorletzte Zeile letztes Wort (es geht um einen Namen) sowie die letzte Zeile (hier geht es um Musterung zur Wehrmacht und das mein Vorfahr sozusagen Widerspruch einlegen wollte - der Text zwischen "Stammrolle" (rechts) und dem letzten Wort "reglamiren".

    Wer das rauskriegt hat sein Meister gemacht!!!

    Ich bin wie immer gespannt!


    Text:

    Liebe Schwester u Kinder!

    Habe Deinen Brief erhalten, hoffentlich

    ist es nicht so schlimm mit Gerhard.

    Den Krankenschein habe ich mit bezahlt.

    Wir haben vergangenen Sonntag geschlachtet,

    nun haben wir wieder eine Weile aus-

    gesorgt, wenn blos Irmgard zum lässizen (?)

    wäre, die wird jeten Tag flattriger

    und faul die andere Selma, dum, grob

    und großes Maul, ich mus sehen das ich

    jemand anders bekomme denn so kanns

    ----------------------------------------------------- Seitenwechsel

    nicht mehr weider gehen, vielleicht

    ist unten bei Euch jemand passendes, die

    sich in mein Wirtschaft eignete, wenn nun

    Heinz noch fort macht, wird es ja noch toller

    der sieht ja immer noch wo es fehlte.

    Wenn Ihr die Bezugschein alle habt schreibt

    mir wieder, dann kann Gerhard, Roland mit

    rauf bringen, werde Heinz vorraussichtlich

    in 14 Tage nach Roda bringen, will mal

    sehen vieleicht nehme ich i(h)n da selber mit rauf.

    Soweit alles gute, bleibt recht gesund.

    Es grüßt herzlich

    Bruno Heinz u. [...]

    mus mich am 25. Feb. zur

    Stammrolle melden, [...] [...] will reglamieren

  • Hallo,

    ich lese da folgendes:


    [...]

    Den Krankenschein habe ich mit beigelegt.

    [...]

    gesorgt, wenn blos Irmgard zuverlässiger

    [...]

    Bruno Heinz u. Hildegard[?]

    [...]

    Stammrolle melden, mein C[h]ef will reglamieren



    Bei den ersten beiden Stellen bin ich mir ziemlich sicher, bei "Hildegard" schon weniger. Es scheint eine andere Handschrift zu sein. Das "H" darf also anders aussehen als im restlichen Text.


    Und das "Chef", naja. Das ist mehr geraten als gelesen. Ergibt das inhaltlich überhaupt Sinn? Der Schreiber scheint ja selber Chef gewesen zu sein. Oder hatte er über sich noch einen Betriebs-Eigentümer o.ä.?

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  • Also hinten der letzte Buchstabe kann locker als "f" durchgehen.


    Der vorletzte, diese beiden niedrigen Zacken, kann ein "e" sein.


    Das "h" in "Chef" fehlt, weil der Schreiber einen Haufen Fehler macht. Auf einer anderen Postkarte (anderer Schreiber, 2. WK) habe ich mal "Cheff" mit doppel-f vorgefunden, so what.


    Und schließlich vorne das seltsame "C" könnte so passiert sein (ausgehend von Sütterlin):

    C.gif

    schwarz: das war seine erste Bewegung, und er hat unten links den Bogen sehr groß gemacht;

    blau: hat er oben angesetzt, nur wenig gebogen;

    rot: hat er weggelassen (das ist das größte Stück "Glatteis" in meiner Argumentation.)


    Ein großes S dagegen sieht ganz anders aus, siehe "Schwester" in der Anrede.

  • Hallo Miteinander,

    erstmal recht schönen Dank. Bei diesen schwierigen Fall habe ich kaum mit einem Ergebnis gerechnet.

    Danke Karsten,

    bei den ersten drei Vorschlägen gehe ich voll mit. Wie ich "beigelegt" mit "bezahlt" lesen konnte, ist mir im nachhinein selbst ein Rätsel.

    "Zuverlässiger" habe ich inhaltlich auch erwartet, konnte es aber nicht so lesen, da das Wort in zwei Wörter geteilt wurden.

    Und nicht zuletzt die "Hildegard" - beim genauen Hinsehen kommt gar kein anderer Name in Frage.


    Bleibt nur noch der letzte Satz. Meines Wissen war der Bruder meiner Großmutter Landwirt. Es ist aber möglich, daß er zeitweilig in einem Gut gearbeitet hat, was ich aber nicht wirklich weiß. "Chef" wäre möglich, ist aber eher unwahrscheinlich.

    Er hatte außer den erwähnten Heinz noch zwei Söhne aus erster Ehe; der ältere von denen dürfte aber eher um die 16 gewesen sein. Ob der Sohn hierfür Widerspruch einlegen könnte, ist mir schleierhaft.


    Ich habe noch eine Karte im selben Stil und wahrscheinlich zur annähernd selben Zeit geschrieben. Die stelle ich mal hier rein - wenn es auch nicht unbedingt weiterhilft einfach als Leseübung betrachten.


    Der Text:


    Liebe Schwester u. Kinder.

    Schicke Euch hiermit ein Bild, ist ganz gut geraten.

    Bin von Euch gut heimgekommen, hoffent-

    lich ist bei Euch noch alles wohl, was soweit

    bei uns auch der Fall ist, leider macht

    uns die kalte Witterung dieses

    Jahr wieder viel zu schaffen, wolte Heinz

    bald nach Roda1 bringen, aber bei der Kälte

    wird es vorläufig nichts, bevor andres Wetter

    wird, wir wollen voraussichtlich nächsten

    Sonntag schlachten, Roland nehme ich mit her

    ------------------------------------------------------ Seitenwechsel

    wenn ich Heinz dorthin schaffe, denn allein ist

    es doch zu riskant auf der Bahn, ich schreibe Euch.

    Liebe Schwester, war gestern in Skölen2 auf einen

    Anzug für Gerhard, ich bekomme einen, aber

    Maul halten, aber seht doch zu das Ihr einen

    Bezugsschein auf einen Lodenmantel u. 1 paar

    Schuhe bekommt. Das muß er haben, wenn

    Ihr alles zusammen habt schreibt mir, dann

    muß Gerhard nochmal herkommen. Schreib mir

    Otto seine Adresse bald mal wollte sie mit-

    nehmen, und habe es vergessen. Soweit alles gute

    es grüßt Euch Alle herzlich

    Bruno.


    1Gemeint ist Stadtroda.

    2Die Stadt Schkölen.

  • Hallo Sammler55, Hallo Karsten,


    nochmals recht schönen Dank für Eure Hilfe.

    Ihr glaubt gar nicht, was die Entzifferung des Namens für mich bedeudet.

    Mir ist jetzt klar geworden, das diese Hildegart die 2. Frau von Bruno ist und das der Heinz (der hier sein Sohn aus der 2. Ehe ist.

    Roland und Gerhard sind Söhne aus der 1. Ehe, die ihren Vater immer mal besuchten.

    Aus 2 einfachen Karten habe ich wieder eine Lücke in der Familiengeschichte schließen können.


    Was die letzte Zeile betrifft, so denke ich, kann man diese Lücke nicht mehr wirklich schließen.

    Meine Großmutter wußte freulich, was gemeint ist.


    Also habt nochmal recht herzlichen Dank: mingo28 8)