Verwendung von ss, sh oder ß von Namen in amtlichen Dokumenten

  • Hallo,


    beim Erstellen eines Familienstammbaumes des Familienzweiges "Poßner" bin ich auf folgendes Problem gestoßen:

    Der Großteil des Familienzweiges schreibt sich mit "ß", u.a. im Taufschein meiner Mutter Leonie Alice Poßner, (1935).

    Ihr Vater von dem ich allerdings nur Briefe habe und keinerlei Dokumente, schrieb sich mit "hs", also Bruno Emil Pohsner, (1907-1944).

    Dessen Mutter schrieb ein Pfarrer im Taufschein "ss", Anna Maria Possner, (1910).


    Bei meiner weitverzweigten Verwandtschaft kommt hauptsächlich Poßner, seltener jedoch Possner vor; die Variante Pohsner habe ich noch nicht wieder entdeckt (kann aber noch kommen; ich bin bei meinen Recherchen erst am Anfang).


    Wie kann man sich die verschiedene Schreibweisen erklären? Schließlich geht es ja um Namen. Waren hier die Pfarrämter einfach nur großzügig?

    Hätte die damalige Rechtschreibung alle 3 Varianten zugelassen.

    Oder ist die Variante meines Großvaters mit "hs" eine Eigenwilligkeit von ihm?


    Wie immer freue ich mich auf Eure Meinungen!

  • Es war einfach so. Feste Eigennamen-Schreibung ist eine recht junge Konvention, die es über Jahrhunderte so nicht gab.

    Im konkreten Fall kommt noch das Eszett-Problem hinzu. Das ß war lange Zeit ein Problemkind, insbesondere wegen der deutschen Zweischriftigkeit. In lateinischer Schrift kam oft ſs/ss oder ſz/sz zum Einsatz, wo in gebrochener Schrift selbstverständlich ß gestanden hätte. Die dadurch entstehenden Schwankungen und unterschiedlichen Etablierungen von Eigennamen sind deshalb normal. Sie finden sich bei unzähligen Personen- und Städtenamen mit ß.


    Bei der hs-Schreibung müsste man noch einmal genauer hinschauen. Denkbar – ich würde sogar sagen wahrscheinlicher – ist hier, dass dort gar nicht hs, sondern ſs steht.

  • Servus!


    Ihr Großvater hat in Lateinſchrift unterſchrieben. Der Text iſt in Kurrent.

    Das lateiniſche lange S hat dieſelbe Form wie das kleine h in der Kurrentſchrift.

    Es heißt also Poſsner. Meine Urgroßmutter ſchrieb in Lateinſchrift auch immer
    anſtatt eines ß ein langes S und ein rundes.

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  • Ich glaube, jetzt haben wir des Rätsels Lösung!


    Eine Korrektur meinerseits: Ich besitze noch den Wehrpaß meines Großvaters (daraus auch die Unterschrift); ausgestellt 1939.

    Auf der gegenüberliegende Seite des Fotoseite befinden sich die Angaben zur Person; diese wurden von einem Beamten ausgefüllt.

    Dieser verwendet allgemein eine bunde Mischung von Latein- und Kurrentbuchstaben.

    Aber bei "Poßner" (Name meines Großvaters und dessen Eltern) ebenfalls die Kombination von lateinischen langes s und

    ein rundes s.


    Ich danke allen, die mir bei diesem Problemchen geholfen haben!