Richtige Verwendung der s-Regeln

  • Daher finde ich, wir sollten es einfach akzeptieren, wenn jemand eine andere s-Schreibung nutzt, sofern er sich konsequent an die von ihm gewählte Regel hält. Aber selbst wenn sich jemand seine eigene, private Zwischenlösung zwischen alter und reformierter Orthografie zurechtgelegt hat, sollten wir es in einem Forum akzeptieren, auch sollte jemand tatsächlich wieder Thiere durch Thüren treiben, schließlich hat des Kaisers Intervention uns auch den Thron erhalten.

    Peter ich stimme mit dir vollkommen überein. Wie klang die alte Regel hinsichtlich th-Schreibung? In Julius Verners Werken von 1875? schreibt man noch Noth, roth etc., du sprichst jedoch wahrscheinlich von den sieben restlichen Wörtern, die ich nicht auswendig kann.

  • Und nach welcher Orthografie sollten wir uns dann deiner Meinung nach richten?

    Vielleicht Hieronimi Freyers Anweiſung zur Teutſchen Orthographie von 1728?

    Ich werde versuchen sie Online zu finden und dann gebe ich dir Bescheid. :)

    Nach Duden würde ich sagen, um es mit der Dereformation nicht zu übertreiben. :D

  • Wenn du einen reformierten Text in Fraktur umwandeln willst, muß du zuerst all die Neuschreibungen korrigieren, nicht nur ss/ß/s, sondern auch behende/ ref: behände, Quentchen / ref. Quäntchen, Joghurt, Känguruh etc. Das ist zu viel unnötige Arbeit.

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  • Das würde aber im Umkehrschluss bedeuten, dass ich, schriebe ich in Comic Sans dann auch "aufjedenfall" und "unzwar" zusammen, vor jede's s am Wortende ein Apostroph, und zusammengesetzte Haupt Worte stets mit Leerzeichen getrennt schreiben müsste.


    Neyn, daſs schreiben der Teutschen Sprach hat immer ewinen Wandel erlebet, vnnd so ſchreip ich, als wie ich es mag.

  • Ja, schreiben - je nach dem, was man ausdrücken möchte. Wenn's mir um den Inhalt geht, sorge ich dafür, dass es möglichst jeder lesen kann. Wenn ich ein "Gesamtkunstwerk" aus Text und Darstellung habe, kann es sinnvoll sein, dem Leser eine hübsche aber schwierige Typografie zu verpassen. Und es gibt die "guck mal was ich tolles kann" - Texte: Langes s oder seltsame Ligaturen im heutigen Antiqua-Satz oder auch die unseligen Plakate zu Kindergarten-Festen, die jede nur erdenkliche auf dem Rechner greifbare Schriftart & Farbe auf eine einzige Seite quetschen müssen. Bei Kindern lob ich das, bei Erwachsenen kann ich's nur belächeln.


    Aber letztlich, da zitiere ich gerne etwas abgewandelt Peter von oben: "vnnd so ſchreip ein jeder, als wie er es mag".

  • Peter, man sollte aber auf keinen Fall die Rechtschreibung mit der Grammatik verwechseln. Die Sprache wandelt sich sehr langsam aber immer, ob wir es wollen, oder nicht. Sich Reformen auszudenken, die keinen Sinn ergeben, außer jemandes Anstellung zu rechtfertigen, ist einfach falsch. Der Sinn der Konferenz von 1903? war, die Vereinheitlichung der Rechtschreibung, obwohl die Rechtschreibung damals größtenteils einheitlich war.

    Die unvorbereitete, verpatzte Reform und dann ihre korrigierte Version, haben das Gegenteil geschafft. Sogar gebildete Leute sind manchmal überrascht, daß man "ich las" nicht mit ß schreibt, obwohl das "a" lang ist, daß man immer "wie viel", schreiben sollte, obwohl das etwas Anderes bedeutet als "wieviel" etc., du kennst ja sicher besser als ich all die Beispiele, die klar bezeugen, daß die Reform eine Scheiße ist, durch die wir in das 17.? Jahrhundert zurückkehrten, wo jeder schrieb, wie es ihm beliebt war.


    Ich weiß jetzt nicht genau wann, aber man schrieb das Verb "seyn" mit "y", um es von dem Possesivpronomen "sein" zu unterscheiden, man schrieb Kindt, und Hundt, um die Aussprache wiederzugeben. All das hatte einen Sinn.

    Das ß in "ein bißchen" markierte die Wortfuge, was vor allem für Deutschlernende von Bedeutung war. Jetzt lesen die Anfänger "ein bisSCHen", weil sie das Wort "Biß / beißen" noch nicht kennen.

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  • lobo-checo, ja, 100%ig geglückt ist die Reform damals sicher nicht. Deine Beispiele zeigen das nur zu gut.
    An vielen Stellen fehlten Durchsetzungsvermögen und Konsequenz. So zeigte sich, dass Kompromisse nicht notwendigerweise gut sind.


    Ich persönlich hab besseres zu tun, als den Don Quichote der Rechtschreibreform zu geben. Bringt nix.


    Früher war das mit den Reformen übrigens viel einfacher. Den Grimms und Duden haben wir zu verdanken, dass solche Reformen nötig sind. Solange die Sprache selbst das Regelwerk als große Beispielsammlung bildete, haben sich die "Regeln" von selbst geändert, wenn anders geschrieben und gesprochen wurde. Jetzt sind die Regeln fix und müssen dann und wann manuell angepasst werden.
    Das ist dumm, denn Menschen mögen keine Änderungen (von anderen).

  • a15n, genau. Es freut mich, daß du mit mir übereinstimmst. Deswegen habe ich gesagt, daß (fast) jede Rechtschreibreform kontraproduktiv ist. Sicher, werde ich nicht "darumb" u. Ä. anfangen zu schreiben. Auch mag es sein, daß mir nur an Kenntnissen fehle, um den mir verborgenen Sinn dieser im wahrsten Sinne des Wortes archaischen Rechtschreibung, schätzen zu können. :)


    Mit tiefstem Bedauern muß ich akzeptieren, daß die Reform nicht mehr rückgängig zu machen ist, wie auch immer dieser Schritt der richtige wäre. :(


    Eine Bitte: Falls ich irgendwo einen grammatischen Fehler mache, macht mich, bitte, auf diesen aufmerksam. Vielen Dank :)

  • Nun, ich finde. das die sicherlich in vielen Einzelheiten nicht besonders gut gelungene Reform doch etwas gutes gebracht hat, gerade WEIL diese Reform auf viel Kritik gestoßen ist: Die Deutschen haben sich ihre Sprache zurückerobert. Der Duden ist nicht mehr das fast schon gesetzliche Maß aller Dinge, sondern nur noch eine Sammlung des üblichen Sprachgebrauchs, welche Empfehlungen gibt und Zweifelsfälle klärt.

    Zeitschriften haben sich aus dem, was der aktuellen Sprachverwendung am besten entspricht ihre eigene Haus-Orthografie erarbeitet, und greifen hier, wo die Reform wirklich nur Blödsinn war auf bewährtes, dort wie im Beispiel "Auto fahren" zu "radfahren" (nach der alten Rechtschreibung) zu sehen ist, auf die Reform-Empfehlungen zurück. Damit wanderten in den Duden eben viele gängige Varianten, die nebeneinander, oder sogar leichte Bedeutungsunterschiede ausdrücken helfen, da eine Getrennt- oder Zusammenschreibung auch eine leicht unterschiedliche Aussprache erzeugt, die dann eben beide richtig sind.


    Und in diesem Zusammenhang empfinde ich es eben auch als Falsch, hier zu fordern, schreibt man in Frakturschrift, müsse man sich unbedingt an die Schreibweise einer älteren Reform halten, welcher auch immer. Das würde die Verwendung der Frakturschrift als ernst zu nehmender Alternative nur unnötig komplizieren.

  • Aber die Forderung nach korrekter Verwendung von Ligaturen sollte unter allen Umständen nie aufgeben werden.


    Da es also einem Buchstaben mit zweierlei Verwendung gibt: Das ß, einmal als regulärer Buchstabe nach neuer Rechtschreibung bspw bei Fuß sollte er auch als Ligatur wie in Fluß als lang-s und rund-s Verwendung finden.


    Das hat dann nichts mit Rechtschreibung zu tun, sondern mit korrekter Anwendung der Buchstabenverbindung.

  • Richtig, und eben das funktioniert eben gleichermaßen, für welche Variante der Rechtschreibung, oder auch nur der s-Schreibung man sich entscheidet. Zu Heyses und Adelungs Zeiten hat das ja auch schon funktioniert, und UNZ1 hat ja nicht aus reiner Langeweile sowohl ein ß, als eben auch eine ſs-Ligatur.


    Das ß in "ein bißchen" markierte die Wortfuge, was vor allem für Deutschlernende von Bedeutung war. Jetzt lesen die Anfänger "ein bisSCHen", weil sie das Wort "Biß / beißen" noch nicht kennen.

    Das mit der Wortfuge geht aber auch sehr gut mit langem und rundem s, gerade in Fraktur, da ist ein biſschen eben kein bisſchen, und ein Röschen kein Röſchen. Und ich sag noch oft bei Tisch: "Giv mi mol n büschen mehr!" mit sch-Laut!

  • Peter, ich spreche von Standard-, oder Hochdeutsch, nicht von regionalen, mundartlichen Varianten, die einen Anfänger nur verwirren würden.


    Ihr hier seid Fachleute, du auf jeden Fall, wie ich sehe; die "normalen" Deutschen haben von Adelung und Heyse nie gehört; ich erst seit kurzem. (mit kleinem K, ist kein Substantiv)


    Ich habe nicht vor, hier zu streiten, allerdings, wenn ich lll in schnelllebig, oder dergleichen sehe, bekomme ich Bindehautentzündung. Die Groß- und Kleinschreibung ist ein weiteres Problem.


    Ich stimme mit dir nur in dem Punkt überein, daß es gut sei, daß / falls sich Leute über die Schreibweise Gedanken machen, aber wie ich gehört habe, wenn du einen offiziellen Brief an eine Behörte, oder in deinem Lebenslauf, mit deiner lieben Adelung-Schreibweise schreibst, wirst du höchstwahrscheinlich aufgrund mangelhafter / unzureichender Bildung des Addressaten für einen Ungebildeten gehalten.


    Und ja, ich kenne sehr gut die alte Regel hinsichtlich drei gleicher Mitlaute wie in: Sauerstoffflasche oder Auspuffflamme. Ob es ein Substantiv mit drei aufeinander folgenden "l" gibt, weiß ich nicht, jetzt fällt mir keins ein. Wüßte jemand eins?

  • Eine Falllänge oder eine Knalllautstärke vielleicht? Aber es stimmt, diese dreifach-konsonanten sehen wirklich schräg aus, wenn ich hier am Wegweiser zur Flussschifffahrt vorbei komme, fange ich schon im Kopf etwas zu stotttttern an das wünschte ich mir wenigstens mit einem Fluſsſchiff. Nur gut, dass da nicht noch ein Volllloyd 'draus wird

  • Eine Falllänge oder eine Knalllautstärke vielleicht? Aber es stimmt, diese dreifach-konsonanten sehen wirklich schräg aus, wenn ich hier am Wegweiser zur Flussschifffahrt vorbei komme, fange ich schon im Kopf etwas zu stotttttern an das wünschte ich mir wenigstens mit einem Fluſsſchiff. Nur gut, dass da nicht noch ein Volllloyd 'draus wird

    Nein Peter,


    die unreformierte Regel, die ich im Sinne habe, besagt, daß kein Mitlaut ausfalle, wenn an der Wortfuge an den dritten gleichen ein weiterer Konsonant folge. Dieser Fall trifft in deinen Beispielen nicht zu, weil in allen beiden ein Selbstlaut -- a -- folgt.


    Man kann die Frage auch so formulieren: Gibt es ein Wort, das mit L + Konsonant anfange? Und plötzlich liegt die Antwort an der Hand: Nein, so ein Wort gibt es nicht.

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  • Wäre es möglich so etwas auf Deutsch zu machen? Die Bilder stammen aus dem Buche "Engel und Dämonen" von Dan Brown. Jedes Wort kann man auch dann lesen, wenn man das Blatt 180 Grad herum dreht: earth, air, fire, water -- die vier Elemente.