LibreOffice und OpenType-Frakturschriften

  • Hallo zusammen,

    ich versuche mich in LibreOffice mit OpenType-Fonts von den Anbietern Helzel und Ligafaktur. Benutze dazu die vollfunktionalen OpenType-Fonts. Wie sind denn eure Erfahrungen damit?

  • Es gibt leider noch immer keine Implementierung von OpenType-Funktionen in Libre- und OpenOffice, somit sind die voll funktionalen Opentype-Schriften hier praktisch nutzlos, das hat mich auch dazu bewogen, diese Funktion nicht in meine Schriftarten einzubauen, obwohl her Zeidler mir dieses erlaubt hatte.


    Ich kann hier nur empfehlen, auf UNZ1-Schriften zu setzen, und hier zusätzlich das Programm Ligafaktur zu nutzen, bzw. einen alternativen Tastaturtreiber einzusetzen.

  • Im Anhang ein Versuch mit:

    Verwendete Schrift: Programmierte Open-Type von Helzel; Offenbacher Schwabacher.

    Schreibanwendung: LibreOffice 5.3


    Für mich sieht das mit den Frakturligaturen recht gut aus, aber ich kenne mich damit auch nicht aus.

    (Das Schriftbild sieht gedruckt wesentlich besser aus)

  • Hier sind aber nur ch und ck als Ligatur enthalten (wie das überhaupt geht, weiß ich hier aber nicht, da LibreOffice eben keine OpenType-Features unterstrützt)


    Die anderen üblichen Ligaturen, wie ſt, ff, fi, fl (teils ja obligatorische Zwansligaturen in gebrochenen Schriften. aber auch rundes s (hier im Wort „engsten“ (statt engſten)) werden nicht gesetzt. Ich wurde zum Test auch einen Text nehmen, der ganz deutlich ein s am Wortende hat, damit du sofort deutlich bemerkst, ob die s/ſ Ersetzung auch richtig funktioniert, oder ob die OpenType-Fähigkeit hier nur die Grundfunktion ist, und du Abweichungen von der Grundregel ſ immer innerhalb des Wortes, also bei Wortfugen selbst vornehmen musst.

  • Jetzt muss ich mich doch glatt korrigieren, die neueste Version von LibreOffice (nicht OpenOffice!) unterstützt tatsächlich OpenType. Allerdings muss man dazu wissen, welche OpenType-Features in der Schrift enthalten sind und die Auswahl läuft nicht über eine Erweiterung der Benutzerschnittstelle, sondern wird über die Wahl der Schriftart eingestellt. Es empfiehlt sich dann spezielle Absatz- oder Zeichenformate anzulegen.


    Der Aufruf der OpenType-Funktionen funktioniert so: Hinter den Font-Namen wird durch einen Doppelpunkt getrennt das Kürzel des betreffenden Opentype-Features gesetzt. Hat dieses mehrere Optionen kommen die mit =Optionsnummer da dran, mehrtere Features werden dann mit & verkettet, ein standardmäßig aktiviertes Feature wird mit =0 abgeschaltet.


    Beispiele


    • Linux Libertine:hlig (schaltet die historischen Ligaturen an, z.B. ct oder st)
    • Linux Libertine:liga=0 (schaltet die Default-Ligaturen ab, z.B. fi)
    • Linux Libertine:smcp&c2sc (schaltet Kapitälchen an und verwandelt Grossbuchstaben in Kapitälchen)
    • UnifrakturMaguntia:cv04=2 (setzt die vierte character variant auf den Wert 2)
    • UnifrakturMaguntia:cv04=2&ss01 (setzt die vierte character variant auf den Wert 2 und schaltet das zweite stylistic set ein)

    Und in der betreffenden Schrift sind die Ligaturen ch und ck wohl Standardligaturen, warum das nicht für fi ff und fl gilt, und wo die ſ-Ligaturen untergebracht sind, kann ich leider nicht sagen, Herr Helzel sollte das aber in der Doku zur Schrift mitteilen - hoffentlich, sonst direkt anfragen. Möglicherweise liegen die auf hlig.


    Generell ist es aber wunderbar, und LibreOffice ist damit tatsächlich die erste Office-Software mit einer wirklich umfassenden OpenType-Unterstützung, die sogar die von Adobe-Programmen übertrifft, und weit über der von MS Office liegt.


    Was die Sache mit dem Schluss-s anbelangt, wenn dieses an einer Lexemfuge erscheinen sollte, muss hier ein Trennzeixchen (ZWNJ U+200C - https://de.wikipedia.org/wiki/Bindehemmer) eingefügt werden.