Siegel auf Briefen

  • Liebe Freunde,


    immer wieder muß ich feststellen, daß ein auf der Rückseite des Briefumschlages angebrachtes Siegel weggebrochen ist, wenn der Brief den Empfänger erreicht. Jemand hatte mir dazu gesagt, daß es am Siegellack liegen könnte, wenn der zu alt sei, würde er nicht mehr so gut kleben. Aber nun ist es auch mit neuem Siegellack passiert. Liegt das an der Post und ihren Maschinen? Was kann man tun, damit ein Brief auch mit Siegel richtig ankommt?


    Ich erhitze das Siegellack direkt in der Kerzenflamme, lasse es dann aufs Papier tropfen und drücke das Petschaft auf. Es soll auch üblich sein, das Siegellack in einem Löffel über einer Flamme zu erhitzen und dann aufs Papier zu gießen.


    Hat jemand dazu erfahrungen?


    Gruß
    Arpad v. N.

  • Lieber Arpad!


    1)
    Wenn Du unter "Siegellack" in einer großen Enzyklopedie im Weltnetz nachschaust, wirst Du den erstaunlichen Satz finden: "Von gutem Siegellack wird gefordert, daß damit hergestellte Siegel das Abbild der Petschaft scharf und erkennbar wiedergeben und daß eine Manipulation oder Entfernung des Siegels nicht ohne Spuren möglich ist." (Ein Schreiben wird "erbrochen".) Es handelt sich neben der Verschlußeigenschaft also auch um ein Sicherheitsmerkmal. Daß Teile des Siegels trotzdem so leicht abgehen, liegt am heutigen glatten Papier; Siegellack auf Lumpenpapier hat sich weitaus besser "festgekrallt".
    2)
    Soll das Siegel (meist aus Wachs) erhalten werden, so hängt es an einer Schnur/Kordel unter der Urkunde, geschützt durch eine Bulle (bulla = Kapsel aus Metall: Goldene Bulle).
    3)
    Bei der Anwendung hast Du alles richtig gemacht.


    Herzliche Grüße!
    Spitzenpfeil.

  • Hallo,


    Man kann das Papier aufrauhen, oder wie ich es mache einen kleinen Schnitt hineinmachen. Dann hält das Siegel besser. Daß es abgeht, liegt zusäzulich zur Papiergüte an den modernen Sortiermaschinen.
    Siegellacke teile ich für mich in drei Qualitäten ein (ob es da etwas offizielles gibt weiß ich nicht). Eine sehr harte aber spröde Güte, eine zerrige, im heißen Zustand fast kaugummiartie Güte und eine sehr wachsige.
    Die wachsigen Lacke lösen sich m.A. schneller ab, die harten bröckeln oder bröseln oft schnell ab (aber auch da hatte ich schon gute Lacke) und die kaugummiartigen halten am besten.
    Auch ich erhitze auf einer Art Löffel, da man damit eine höhere Hitze erzielt und der Lack die Verbindung mit dem Papier besser eingeht. Er darf dabei aber nicht lange Blasen schlagen, da durch das "kochen" Inhaltsstoffe verlorengehen und der Lack spröder wird.


    Viel Spaß beim Siegeln und viele Grüße,


    Franz

  • Nachtrag zu meiner Antwort: Franz hat vollkommen recht und ich hab es vergessen: Die modernen Sortiermaschinen mit ihrer affenartigen Geschwindigkeit reißen nicht nur liebevoll geklebte Sondermarken ein, sondern machen auch den Siegeln den Garaus durch Umbiegen des Kuverts.


    Spitzenpfeil.

  • Würde es denn helfen, etwa die Spitze der Verschlußklappe des Umschlages ein wenig einzuschneiden und etwas hochzubiegen, so daß der Teil des Papiers im Siegellack steckt und das Siegel damit zusätzlich festhält? Oder könnte man das Papier etwas aufrauhen? Oder gibt es eine Firma, die besseres Siegellack produziert als Pelikan?


    Arpad

  • LieberArpad!


    Aus meinem dicken Katalog (Boesner) folgende Auszüge:
    Siegellack: Der traditionelle Siegellack...eignet sich aufgrund seiner spröden Konsistenz nur bedingt für den Postversand.
    Siegelwachs (mit integriertem Docht): ...ist aufgrund der Wachsbestandteile besonders flexibel und damit gut für den Postversand geeignet.
    Vergleiche die Antwort von Franz und denk an den Spruch: Probieren ist besser als Studieren.
    Gruß! Spitzenpfeil.

  • Den Abdruck gibt der Wachs schon ebensogut wieder. Ich mag ihn trotzdem nicht. Er verformt sich bei Hitze und Druck leichter, sodaß dann der Abdruck nachträglich unscharf wird. Deswegen waren zur Zeit als man Wachs benutzte die Siegel auch in Kapseln, wie Spitzenpfeil oben schon schrieb.
    Eine Alternative ist ein Oblatensiegel. Richtig gemacht ergibt es einen sehr scharfen Abdruck und ist bruchsicher.
    Mal "Oblate" oben in die Suche eingeben, dazu gibt es hier im Forum schon einiges an Beiträgen. Wenn mich nicht alles täuscht, dann auch eine genaue Beschreibung wie man die anwendet.

  • Um den Sortiermaschinen ein Schnippchen zu schlagen, kommt es tatsächlich auf die Beschaffenheit des Lacks an. Mit Abraxas und Gutenberg habe ich gute Erfahrungen gemacht. Mit dem lack von Pelikan geht es nicht, der ist zu spröde. Außerdem muß das Wachs mit großer Hitze verflüssigt werden. Ich mag die Dochtwachse dazu nicht. Am Besten geht es mit einer Spirituslampe. Notfalls reicht ein Gasfeuerzeug. Ich habe dann immer ein flammendes Inferno auf dem Brief, welches mit dem Petschaft "gelöscht" (erstickt) wird. dann halten die Siegel meistens...

    Ich habe eine feste Meinung - verwirrt mich nicht mit Tatsachen!

  • Oder vielleicht als Zugeständnis an moderne Transportwege den fein gesiegelten, und mit altmodischn Adressangaben in Kurrant versehenen Brief, schön ohne Postleitzahl. komplett in der Art, wie man es machte, als Briefe noch von berittenen Boten zugestellt wurden und die Freimachung noch durch einen handschriftlichen Vermerk vorgenommen wurde, in einen kleinen festen Karton-Umschlag verpacken, diesen mit modernen Adressangaben und moderner Briefmarke in den Versand geben.

  • Das, was Peter Wiegel schrieb, habe ich auch schon oft getan, allerdings ohne den äußeren Umschlag (und den Brief auch ohne inneren Umschlag nur durch Falten und Siegel geschlossen). Kam immer an. Was ich noch nicht machte: Tinte selbst mischen. Gänsekiel selbst zuschneiden hatte ich schon gemacht, aber die Brause 0,8 Bandzugfeder ist auch schön.
    Im Augenblick rekonstruiere ich Tintenfässer. Die alten haben immer noch sinnigerweise eine Ablage für den Federhalter. Also fülle ich die Tinte in die alten Tintenfässer um.
    Gibts einen Online-Anbieter für Abraxas und Gutenberg-Lack? Hier bei uns in der Region gibts nicht einmal Pelikan.

  • Liebe Freunde,


    den Tip mit dem Lack von Abraxas (Manufactum) hatte ich beherzigt und meine Weihnachtskarten damit gesiegelt. Eine kam wegen geänderter Anschrift zurück, und das Siegel war noch ganz, trotzdem sie ja den Postweg doppelt durchlaufen hatte. Eure Vorschläge waren also goldrichtig.


    Grüße zum Jahreswechsel
    Arpad